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Zwischen Kuhstall und Geschäften: Christa Buhl erinnert sich an ihre Kindheit im Bismarck-Viertel

Christa Buhl zeigt ein altes Klassenfoto. Gern erinnert sie sich an ihre Zeit an der Volksschule und ihre Lehrerin Betty Bartsch. Die kleine Christa ist das vierte sitzende Mädchen von rechts.
Christa Buhl zeigt ein altes Klassenfoto. Gern erinnert sie sich an ihre Zeit an der Volksschule und ihre Lehrerin Betty Bartsch. Die kleine Christa ist das vierte sitzende Mädchen von rechts. (Foto: K. Rabe)

Christa Buhl ist Jahrgang 1929. Sie ist in Steglitz aufgewachsen und hat bis zu ihrem 14. Lebensjahr an der Schloßstraße gewohnt. Als sie unseren Kiezkompass-Beitrag über das Bismarckviertel und den Lauenburger Platz las, erinnerte sie sich an ihre Kindheit in diesem Kiez.

Die 88-Jährige strahlt über das ganze Gesicht, als sie in ihren Erinnerungen kramt. Es muss eine schöne Zeit gewesen sein. Gern denkt Christa Buhl an ihre Schulzeit zurück. „Die ersten Jahre ging ich an die 6. katholische Volksschule in der Plantagenstraße. Das war ein Schulweg von immerhin fast 30 Minuten“, erzählt sie. Sie lief über die Feuerbachbrücke, dann die ganze Körnerstraße herunter bis zur Süd-endstraße. „Die Feuerbachbrücke wurde damals schwarze Brücke genannt“, erinnert sie sich. Warum das so war, weiß sie nicht. Ganz genau weiß sie aber noch, dass es an der Körnerstraße einen Kuhstall mit einem kleinen Laden gab. Das war gleich um die Ecke von der Schloßstraße, die damals schon als Einkaufsstraße florierte. „Hier habe ich mit einer Aluminiumkanne immer frische Milch geholt, die aus einem Kasten geschöpft wurde.“

Brot für 56 Pfennige

Im Gedächtnis geblieben sind Christa Buhl auch noch der Brotladen „Heinersdorder Mühle“ an der Schloßstraße, Ecke Feuerbachstraße und die Bäckerei Notnagel. In dem einen Geschäft kaufte die Familie Brot für 56 Pfennige, im anderen gab es vier Schrippen für einen Groschen. „Und das waren knusprige Schrippen“, betont sie.

Nach der Volksschule besuchte sie bis zu ihrem 14. Lebensjahr die Mittelschule an der Sachsenwaldstraße. 1914 wurde die Schule als Bismarck-Lyzeum gegründet. Beide Schulen, die Christa Buhl damals besuchte, gibt es heute übrigens immer noch. Das Schulhaus an der Plantagenstraße wurde gerade zur Grundschule hergerichtet und auch das Gebäude an der Sachsenwaldstraße existiert zum Teil noch. Im Krieg ist zwar ein Großteil des Backsteinbaus zerstört worden, doch der verschonte Gebäudeteil steht heute noch und gehört zur Sachsenwald-Grundschule.

Als Schülerin der Schule an der Sachsenwaldstraße hielt sich Christa Buhl oft am Lauenburger Platz auf. Dort hätte es in dieser Zeit sogar eine Art Parkwächter gegeben. „Wir Mädchen balancierten gern auf den kleinen Absperrzäunen, die um die Rasenfläche aufgestellt waren“, erzählt sie. Aber wehe, wenn sie das Gleichgewicht verloren und versehentlich auf dem Rasen landeten. „Dann kam der Parkwächter und hat mächtig mit uns geschimpft“, sagt sie lachend.

50 Jahre in Lichterfelde-Ost

Im August des Kriegsjahres 1943 wurden die Berliner Schulen wegen der Bombenangriffe geschlossen. Christa Buhl blieb bis zum Kriegsende in Niederschlesien bei Verwandten. Später zog es sie wieder nach Steglitz, sie gründete eine Familie und wohnte zunächst in der Plantagenstraße. Seit nunmehr fast 50 Jahren lebt sie in Lichterfelde-Ost.

Christa Buhl zeigt ein altes Klassenfoto. Gern erinnert sie sich an ihre Zeit an der Volksschule und ihre Lehrerin Betty Bartsch. Die kleine Christa ist das vierte sitzende Mädchen von rechts.
Schöne Erinnerungen hat Christa Buhl an ihre Kindheitserlebnisse am Lauenburger Platz.
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