„Die Menschen sind längst angekommen“

Günther Schulze ist Initiator und Mitbegründer des Willkommensbündnisses und koordiniert das Engagement von Hunderten Ehrenamtlichen. Franziska Merkel-Angerer und Elyas Hannoun stehen ihm dabei zur Seite.
  • Günther Schulze ist Initiator und Mitbegründer des Willkommensbündnisses und koordiniert das Engagement von Hunderten Ehrenamtlichen. Franziska Merkel-Angerer und Elyas Hannoun stehen ihm dabei zur Seite.
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Steglitz-Zehlendorf. Fast genau vor drei Jahren, am 7. Mai 2014, wurde das Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf gegründet. Im Interview mit Berliner Woche-Reporterin Karla Rabe berichten Günther Schulze, Franziska Merkel-Anger und Elyas Hannoun über Erreichtes, den Wandel in der Flüchtlingsarbeit und über ihre Wünsche.

Drei Jahre Willkommensbündnis sind auch drei Jahre erfolgreiche Flüchtlingsarbeit im Bezirk. Was hat sich in dieser Zeit in der Willkommenskultur getan?

Günther Schulze: Wir waren das erste Bündnis dieser Art in Deutschland. Mit der Gründung sollte vor dem Hintergrund der Nazi-Übergriffe in Marzahn von unserem Bezirk ein Signal ausgehen. Das ist gelungen. Seit der Gründung haben wir einen ungeheuren Zulauf. Die Hilfsbereitschaft reist nicht ab und unser Bündnis hat sich mit über 2500 Unterstützern zu einer der größten Flüchtlingsinitiativen entwickelt.

Wie sieht es mit rechtsextremen Anfeindungen und Übergriffen aus?

Günther Schulze: Damit hatten wir nie Probleme. Schon die Gründungsversammlung verlief friedlich. Es gab nie Drohanrufe. In unserem gesamten E-Mail-Verkehr mit immerhin 18 000 erhaltenen Mails waren neun mit rechtsradikalem Inhalt. Der Bezirk hat offensichtlich eine sehr engagierte und sozial denkende Bürgerschaft.

Die Situation hat sich in den letzten Wochen beruhigt. Die Sporthallen sind freigezogen. Was ist jetzt wichtig?

Günther Schulze: Ja, die Unterstützungsarbeit für Geflüchtete hat sich verändert. Nun stehen die wesentlichen Themen der Integration im Mittelpunkt: Wohnen, Arbeiten, Deutsch lernen. Dabei stellt die Beschaffung von Wohnraum das größte Problem dar. Wir haben im Bezirk immer noch drei Notunterkünfte, in denen die Menschen nicht selbstbestimmt leben können. Die neuen Tempohomes und MUFs sind noch nicht fertig. Manche Geflüchtete suchen fast schon verzweifelt nach einem neuen Zuhause. Wir unterstützen bei der Wohnungssuche, benötigen aber auch entsprechende Wohnungsangebote von Privatpersonen.

Das Bündnis kümmert sich auch um Jobvermittlung, rechtliche Fragen und medizinische Dinge. Alles ehrenamtlich und ohne finanzielle Unterstützung von Bezirk und Senat. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Franziska Merkel-Anger: Wir arbeiten eng mit dem Jobcenter und Ausbildungsbetrieben zusammen und helfen bei der Vermittlung von Arbeit und Ausbildungsplätzen. Täglich gehen bei uns bis zu 40 E-Mails ein mit Angeboten aller Art. Aber wir brauchen weiter die Unterstützung engagierter Bürger und suchen Verstärkung. Dazu haben wir seit Kurzem auf unserer Homepage auf www.wikobuesz.de die Rubrik „Mitarbeit“ eingerichtet.

Das Bündnis hat sogar einen Fahrdienst. Wie funktioniert der?

Franziska Merkel-Anger: Private Personen mit privaten Fahrzeugen stellen sich für die verschiedensten Einsätze zur Verfügung. Sei es für Fahrten zum Arzt oder zu Behörden, Transportfahrten und vieles mehr. Das funktioniert sehr gut und schnell.

Am 6. Mai feiert das Willkommensbündnis sein dreijähriges Bestehen mit einem Begegnungsfest. Was ist das Besondere?

Elyas Hannoun: Es ist kein Willkommensfest mehr, sondern ein Fest der Begegnung. Denn die Menschen sind längst angekommen. Jetzt geht es darum, sie zu integrieren. Ich bin 2013 nach Deutschland gekommen und seit zwei Jahren als Ehrenamtlicher in verschiedenen Bereichen der Flüchtlingsarbeit aktiv. Ich weiß wie wichtig es ist, aufeinander zuzugehen und sich näher kennenzulernen. Nur so können Ängste und Vorurteile abgebaut werden. Daher soll die Begegnung auch im Mittelpunkt unseres Festes stehen.

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