Chaos-Kita schockiert Eltern
Träger der Einrichtung "Notenzwerge" kündigt Hälfte der Plätze

Tatjana Suárez Ortega wurde der Betreuungsplatz für ihre Tochter Lea (2) gekündigt. Auf dem Arm hält sie ihre zweite Tochter Ana (zehn Monate).
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  • Tatjana Suárez Ortega wurde der Betreuungsplatz für ihre Tochter Lea (2) gekündigt. Auf dem Arm hält sie ihre zweite Tochter Ana (zehn Monate).
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Sie hatten schon seit Langem bemerkt, wie sich die Situation zuspitzte. Dennoch hielt der 28. Januar eine böse Überraschung bereit, als der Träger der Kita Notenzwerge den Eltern mitteilte, von 221 Plätzen bis Ende Februar 113 abzubauen. Begründung: Durch anhaltende Probleme in der Personalstruktur werde „ein harter Schnitt“ erforderlich.

„Die Geschäftsführung ist sich über die katastrophalen Auswirkungen auf die betroffenen Eltern und Kinder im Klaren“, teilt Gotthard Dittrich mit. Der Geschäftsführer des Trägers „Rahn Education“ aus Leipzig empfinde die Situation als „Tiefschlag“. Als gemeinnützige Schulgesellschaft könne Rahn Education in Deutschland seit 90 Jahren auf viele Erfolge verweisen, trage in diesem Fall jedoch die Verantwortung für die „Schieflage“. „Bei der Gründung der Kita Notenzwerge haben wir Erfahrungen zugrunde gelegt, die wir bisher an unseren anderen Standorten machen konnten. Wir haben aber feststellen müssen, dass anderen Orts gemachte Erfahrungen auf Berlin nicht in jedem Punkt anwendbar sind und wir uns nicht ausreichend auf die besondere Situation in der Hauptstadt vorbereitet haben“, gibt er zu. Ein „sehr hoher Krankenstand und unvorhersehbare Fluktuation“ hätten zu der Massenkündigung geführt.

Im April 2018 war die Welt noch in Ordnung, als die Kita ihren Erweiterungsbau in der Friedrich-Wilhelm-Straße feierte. Auch die Berliner Woche berichtete. Betreuungsplätze und Personal wurden deutlich aufgestockt. Nur wenige Wochen später begannen Eltern zufolge jedoch die ersten Probleme, die im Laufe der Monate immer dramatischer wurden. Die Erzieher seien extrem überlastet gewesen. „Es kam vor, dass eine Erzieherin mit 40 Kindern alleine war und Kinder alleine auf die Straße gerannt sind. Die haben auch nicht kontrolliert, wer welches Kind abholt“, so die alleinerziehende sechsfache Mutter Ildiko Tapaszi (34). Eine andere Betroffene erzählt, dass die Kita mehrmals kurzfristig schließen musste und sie an manchen Tagen gebeten worden sei, ihren Sohn nicht vorbeizubringen. „Wir Eltern haben lange darauf aufmerksam gemacht, haben Briefe an den Träger geschrieben. Der Personalmangel war viele Monate schon da. Und es wurde einfach nichts gemacht“, beklagt Tatjana Suárez Ortega (33), deren zweijähriger Tochter Lea der Platz gekündigt wurde.

Im Oktober informierten die Eltern die Kita-Aufsicht der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Deren Sprecherin Iris Brennberger berichtet, dass bei einem Vor-Ort-Termin im Januar 25 Mitarbeiter der Kita gleichzeitig fehlten. „Eine in keiner Weise akzeptable Situation.“ Der gesamte Fall sei in seiner Dimension einmalig in Berlin. Hinsichtlich der Kündigungswelle sagt sie: „Dass ein freier Träger so vorgeht, hatten wir noch nicht.“ Die Aufsicht werde die Ursachen und genauen Abläufe noch genauer prüfen.

Zunächst stehe jedoch die Bewältigung der Krisensituation und die Unterstützung der Eltern im Mittelpunkt. Damit beschäftigt ist Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD). Er arbeitet auf Hochtouren an einer Lösung, um die 113 Kinder kurzfristig in anderen Einrichtungen unterzubringen. In den vergangenen Tagen haben ihn viele spontane Platzangebote verschiedener Kitas erreicht. „Die Bereitschaft ist grandios.“ Außerdem versucht er, viele Kinder über die „Kindertagesstätten Berlin-Süd-West“ unterzubringen, den Kita-Eigenbetrieb von Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf. „Manche Plätze könnten ein bisschen weiter weg sein, aber wir haben keine andere Möglichkeit“, so Schworck. Außerdem sucht das Bezirksamt derzeit einen Träger, der in der Lage ist, die Räume in der Friedrich-Wilhelm-Straße zu übernehmen. „Wir haben die Hoffnung, dass wir allen Betroffenen ein Angebot machen können“, erklärt der Stadtrat.

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