Neue Initiative sprengt Ideenwerkstatt zum Schoeler-Schlösschen

Das Schoeler-Schlösschen um 1969 in einem Gemälde der neuen Sonderschau des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf. Schon damals war es eine Baustelle.
  • Das Schoeler-Schlösschen um 1969 in einem Gemälde der neuen Sonderschau des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf. Schon damals war es eine Baustelle.
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Wilmersdorf. Wenn das barocke Bürgerhaus in der Wilhelmsaue wieder aufleben soll, braucht es das Geld der Lotto-Stiftung. Nicht weniger als 3 Millionen Euro soll die Beseitigung der Schäden kosten. Doch das dicke Zukunftskonzept hat Gegner.

Bescheiden, ja scheinbar anspruchslos steht es da. Äußerlich wieder in Schuss - innen eine Bruchbude. Das Schoeler-Schlösschen. Und seitdem die Stiftung Denkmalschutz 2014 als Geldgeber ausschied, zerbricht man sich im Bezirk die Köpfe, wie die teure Innensanierung des historischen Bürgerhauses anno 1753 nun überhaupt gelingen soll.

Kultur- und Immobilienstadträtin Dagmar König (CDU) setzte alles auf eine Karte, erbat bei der Lotto-Stiftung kürzlich eine Summe von 3 Millionen Euro. Und zwar zum zweiten Male. Nach der Absage beim ersten Versuch soll diesmal eine Mixtur aus sozialen und kulturellen Angeboten die Geldgeber milde stimmen. Von einem barrierefreien Standesamt, über eine Stätte für Wilmersdorfer Geschichte bis hin zum Ort für lokale Veranstaltungen und einem Café für demente Senioren reicht die Ideenspanne. Viel Inhalt für das zierliche Haus. Vielleicht zu viel?

Aus Sicht der meisten Teilnehmer eines Werkstattgesprächs zu diesem Thema ist der Alles-in-einem-Plan als soziokulturelles Zentrum zum Scheitern verurteilt. Und da sie als Mitglieder einer neuen Bürgerinitiative für das Schoeler-Schlösschen mit einer Stimme sprachen, nahm die Veranstaltung nicht den Verlauf, den sich Dagmar König gewünscht hatte.

"Das Konzept ist ja schon da. Und unsere Bürgerinitiative muss jetzt dagegen anstinken", übte BI-Gründer Rainer Wittek grundlegende Kritik am Verfahren. "Wir wollen ein selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum, das von den Bürgern von Wilmersdorf geplant und realisiert wird", wehrt sich die Gruppe gegen jegliche Fremdbestimmung. In Rainer Witteks Klage über eine angebliche "Hinterzimmerpolitik", die Bürger vor vollendete Tatsachen stellt, stimmten an diesem Abend etliche andere Teilnehmer ein.

Da reichte die Spanne der Einwände von einer vorsichtigen Bemerkung der ehemaligen Leiterin des Bezirksmuseums, Birgit Jochens, das im Konzept oft gebrauchte Wort "multifunktional" mache sie nervös, bis zur Totalkritik von Seiten des Historikers Michael Roeder.

Und der Museologe Stefan Knobloch legte dar, dass dieses historisch Haus "als Pfund, mit dem man wuchern könnte" für eine lokalgeschichtliche Präsentation viel geeigneter wäre, zumal Wilmersdorf seit der Weggabe des Rathauses an Bedeutungsverlust krankt.

Auch König konnte sich gegen die "schönen Ideen" nicht grundsätzlich verschließen. "Aber solche Vorhaben sind mit öffentlichen Geldern nicht finanzierbar", beschrieb sie das Dilemma. Und der Wilmersdorfer Abgeordnete Stefan Evers (CDU) pflichtete ihr bei, dass es im Moment keine günstigere Lösung gebe, als den Vorstellungen der Lotto-Stiftung möglichst weit entgegenzukommen. Das fünfköpfige Entscheidungsgremium um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gelte es zu überzeugen. Gleichzeitig macht er deutlich, dass eine Forderung von 3 Millionen Euro weit über der Summe liegt, die von der Stiftung üblicherweise bewilligt wird. Auch Evers bedauert den schleichenden Bedeutungsverlust von Wilmersdorf. "Mir fehlt hier etwas, seitdem das Rathaus weg ist. Und ich habe wenig Lust, bei Veranstaltungen immer nach Charlottenburg auszuweichen."

Mit einer versöhnlichen Äußerung glättete schließlich Wolfgang Severin von der Initiative Bundesplatz die Wogen. "Lassen Sie uns sehen, ob wir mit dem Lotto-Antrag ans Ziel kommen. Das Grobkonzept kann man hinterher noch kreativ verfeinern."

Thomas Schubert / tsc
Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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