Jüngere Gemeindemitglieder setzen sich durch
Die Ernst-Moritz-Arndt-Kirchengemeinde benennt sich um

Die Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde und die dazu gehörige Kirche an der Onkel-Tom-Straße erhalten einen neuen Namen.
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Die evangelische Ernst-Moritz-Arndt-Kirchengemeinde hat ihre Umbenennung beschlossen. Dies teilte der Gemeindekirchenrat jetzt mit.

Die Entscheidung fiel am 6. Mai mit sechs zu vier Stimmen zugunsten der Umbenennung. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass der Greifswalder Schriftsteller und Historiker Ernst Moritz Arndt (1769-1860) „bei allen sonstigen Verdiensten wegen seiner militant-nationalistischen und judenfeindlichen Äußerungen als Vorbild und Namenspatron einer christlichen Gemeinde ungeeignet ist.“ So lautet die Begründung der Landeskirche, der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische-Oberlausitz (EKBO).

Der Beschluss zur Umbenennung der Gemeinde mit rund 4000 Mitgliedern betrifft den Angaben zufolge auch die zugehörige Kirche an der Onkel-Tom-Straße und die gebräuchliche Abkürzung EMA. Der neue Name soll unter „größtmöglicher“ Beteiligung der Gemeinde zügig erfolgen.

Der Berliner Landesbischof Markus Dröge begrüßte die Entscheidung, „die die Gemeinde nach einem intensiven und ernsthaften Prozess der Auseinandersetzung mit der Geschichte und Tradition ihrer Namensgebung nun getroffen hat“.

Die Gemeinde hatte sich 1935 nach Arndt benannt. „Dies geschah unter dem Druck der Nationalsozialisten, die das Christentum durch ein so genanntes Neuheidentum hatten ablösen wollen, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf, Johannes Krug, dem Evangelischen Pressedienst.

Der Entscheidung zur Umbenennung gingen mehrere Diskussionen in der Gemeinde voraus. Dabei zeigte sich, dass die Älteren den Namen eher beibehalten wollten. So hieß es unter anderem, die Person und das Werk Arndts müssten vor dem Hintergrund seiner Zeit betrachtet werden. Die Beibehaltung biete die Chance des mahnenden Erinnerns an die ambivalente Situation der Kirche unter der Gewaltherrschaft der Nazis.

Die jüngeren Gemeindemitglieder distanzierten sich eher. Es könne die Kirche möglicherweise nach außen hin negativ darstellen, wenn ein Deutschtümler wie Arndt Namenspatron sei.

Die Universität Greifswald, nach Ernst Moritz Arndt benannt, entschied bereits 2017 den Namen abzulegen.

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