Gemeinsam pflanzen und ernten: Gärten der Begegnung fördern die Integration

Im Garten gibt es immer etwas zu tun: Beate Ernst von wirBerlin hilft Farah beim Abstützen der Tomatenpflanzen.
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Berlin. Farah liebt ihren Schulgarten. Dort wachsen Kartoffeln, Tomaten, Rucola, Kürbisse, Erdbeeren, Kräuter. Und Blumen. Aber mit Blumen hat die Siebenjährige aus dem Irak ein Problem, denn sie ist praktisch veranlagt. „Die mag ich nicht so. Die blühen eine Woche, dann sind sie kaputt. Gemüse kann man essen.“

Die Grundschule am Buschgraben in Zehlendorf ist die erste von inzwischen acht, die bei dem Projekt „Gärten der Begegnung“ mitmachen. Initiator ist der Verein wirBerlin, der sich seit 2010 für mehr Sauberkeit in der Stadt einsetzt. „Die Idee für die Gärten der Begegnung entstand, als ich mit Hans-Jürgen Pluta von der Lenné-Akademie über die Vernachlässigung von Schulgärten sprach“, sagt Vereinsvorsitzende Beate Ernst. „Damals kamen ja auch die ersten großen Flüchtlingsströme und wir überlegten, was wir tun können, um zu helfen.“

Neue Chance für Schulgärten

Die Gärten der Begegnung sind integrativ. Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die Willkommensklassen besuchen, sollen gemeinsam mit deutschen Kindern Schulgärten bepflanzen und pflegen. Dabei kommen sie in Kontakt und kommunizieren miteinander. So lernen Jungen und Mädchen aus Syrien oder Afghanistan deutsches Alltagsvokabular; der Spracherwerb läuft sozusagen nebenbei. Und es geht um soziale Kompetenzen. „Die Kinder lernen, Verantwortung für die Beete zu übernehmen“, sagt Beate Ernst. Das soll sich möglichst im öffentlichen Raum fortsetzen, in der Wertschätzung für das Grün in der Stadt.

Auch Eltern können mitmachen, zum Beispiel an Gartenarbeitstagen, ebenso regional ansässige Unternehmen. Am Buschgraben hat das bereits funktioniert. Eine Gebäudeservice-Firma rückte mit einem Bagger an und übernahm die vorbereitenden Erdarbeiten.

Zur Nachahmung empfohlen

„Wir wünschen uns Nachahmer, hoffen auf mehr Gärten der Begegnung“, sagt Beate Ernst. Diese könnten überall angelegt werden, auch wenn der Schulhof gepflastert ist. Beispiel Carl-Bolle-Schule in Moabit: Dort wurden Hochbeete mittels Europaletten in Etagen gebaut.

Im Garten am Buschgraben freuen sich jetzt alle auf die nächsten Ernten. Ein paar Erdbeeren hat Farah bereits entdeckt und vernascht. Demnächst werden Him-, Brom-, und Stachelbeeren reif. Darauf sind auch schon die Drillings-Schwestern Helen, Alise und Fanja (7) gespannt. Bis dahin greifen sie fleißig zu kleinen Gießkannen, denn sie wissen: „Pflanzen haben Durst.“

Bald sind die Kartoffeln an der Reihe. „Wir erwarten eine fulminante Ausbeute, dazu gibt es dann Kräuterquark“, sagt Sabine Kallwitz-Geißler. Die Lerntherapeutin ist seit Beginn des Projekts dabei und betreut zusätzlich noch eine eigene Gruppe im Schulgarten. Diesen Kindern kommt das zugute: „Beim Schneiden von Gemüse werden die feinmotorischen Fähigkeiten gefördert.“

Spenden und Helfer willkommen

Jetzt stehen ein paar Holzbänke auf der Wunschliste. „Wir wollen auch noch Wege anlegen, damit nicht alles so schnell zuwuchert“, erklärt Kallwitz-Geißler. Spenden sind also willkommen. Das gilt prinzipiell, denn wirBerlin ist auf Hilfe angewiesen: in Form von finanzieller Unterstützung, tatkräftiger Hilfe und Sachspenden. Was wiederum die regionale Vernetzung und die Nachhaltigkeit fördern soll. Ansässige Unternehmen lernen Schüler und damit potenzielle Auszubildende kennen. uma

Weitere Informationen und Kontakt auf wir-berlin.org.
Im Garten gibt es immer etwas zu tun: Beate Ernst von wirBerlin hilft Farah beim Abstützen der Tomatenpflanzen.
Kleine Erdbeere, großer Erfolg: Sabine Kallwitz-Geißler und Farah freuen sich.
Autor:

Ulrike Martin aus Zehlendorf

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