Wegwerfen? Denkste! Repair-Café erfreut sich großer Beliebtheit

Hartmut Kästner, leidenschaftlicher Tüftler und Bastler, verfügt über das nötige handwerkliche Geschick, um kaputte Gegenstände zu reparieren. Für diesen Walkman kam aber jede Hilfe zu spät.
  • Hartmut Kästner, leidenschaftlicher Tüftler und Bastler, verfügt über das nötige handwerkliche Geschick, um kaputte Gegenstände zu reparieren. Für diesen Walkman kam aber jede Hilfe zu spät.
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Charlottenburg. "Ich denke, da können wir nichts mehr machen", sagt Hartmut Kästner, einen defekten Walkman in Händen haltend, den er soeben aufgeschraubt und ein paar Minuten lang einer näheren Betrachtung unterzogen hat. "Schade, aber wir haben es immerhin versucht", antwortet die Besitzerin. Herzlich Willkommen im ersten Repair-Café des Bezirks.

Auf Initiative des Umwelt- und Naturschutzamtes organisiert das Kiezbündnis Klausenerplatz in der Sophie-Charlotten-Straße 30 seit November jeden ersten Donnerstag im Monat von 17 bis 19 Uhr das Repair-Café. Unter dem Motto "Wegwerfen? Denkste!" kommen Menschen zusammen, um gemeinsam elektrische Geräte, Möbel, Fahrräder oder Spielzeug zu reparieren. Manche bringen Gegenstände mit, an denen ihr Herz hängt, die es zu reparieren lohnt. Und andere - wie Hartmut Kästner - kommen vorbei, weil sie Menschen helfen möchten, sie Freude am Tüfteln oder Basteln haben und natürlich über das entsprechende handwerkliche Know-how verfügen. "90 Prozent der Dinge, die die Menschen zum Reparieren mitbringen, sind Elektrotechnik", weiß Klaus Betz vom Kiezbündnis zu berichten.

Auch an diesem Donnerstag ist es nicht anders: ein Scanner, ein Laptop, der erwähnte Walkman und ein altes Küchenradio wollen einfach nicht mehr funktionieren. Aber auch der Verschluss eines Armbandes, ein Familienerbstück, bereitet Sorgen. "Am Anfang haben wir es so gemacht, dass sich ein Handwerker oder Techniker um einen Kunden gekümmert hat. Mittlerweile sind wir aber dazu übergegangen, dass die Kunden sich hinsetzen und schon einmal mit dem Schrauben beginnen. Und unsere Fachleute greifen nur dort ein, wo sie wirklich gebraucht werden. Und das ist ja auch der Sinn des Repair-Cafés: Hilfe zur Selbsthilfe." Klaus Betz ist sich sicher, dass die Erfolgsquote bei 50 Prozent liegt. "Manchmal fehlen einfach nur die Ersatzteile. Bei einer Spielzeug-Eisenbahn war lediglich ein kleines Zahnrädchen aus Plastik gebrochen. Das gibt es nicht mehr. Und deshalb konnten wir der jungen Besitzerin leider nicht helfen."

Die Räume in der Sophie-Charlotten-Straße werden von der abw - der gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Bildung und Wohnen mbH zur Verfügung gestellt. Auch das Werkzeug und diverse Materialien zur Reparatur sind vorhanden.

Das erste Repair-Café eröffnete übrigens auf Initiative der Niederländerin Martine Postma im Jahr 2009 in Amsterdam - heute gibt es weltweit rund 400. Das Repair-Café in Charlottenburg ist zwar das mittlerweile 14. seiner Art in ganz Berlin. Und doch kommen nicht nur Menschen aus dem Kiez in die Sophie-Charlotten-Straße 30: "Heute haben wir sogar Leute aus Friedrichshain, Lichterfelde und Zehlendorf hier bei uns", berichtet Klaus Betz am Rande des bisher letzten Treffens Anfang März. "Bis jetzt konnten wir den Ansturm der Interessenten zwar bewältigen und mussten noch niemanden nach Hause schicken. Ich denke aber, dass es Sinn macht, im Bezirk mindestens ein zweites Repair-Café zu eröffnen."

Michael Nittel / min
Autor:

Michael Nittel aus Reinickendorf

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