Ein Kompromiss, der nicht alle zufrieden stellt
Ausgleich zwischen Gebäude- und Nutzerbestand auf dem RAW-Gelände angestrebt

Die Zukunft des RAW-Geländes ist seit Jahren ein Thema.
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  • hochgeladen von Thomas Frey

Wenn beide Seiten nach harten Verhandlungen sagen, sie hätten sowohl Zugeständnisse machen müssen, als auch einiges durchsetzen können, ist das Ergebnis eigentlich ganz tragfähig. So passiert anscheinend auch beim Ringen um die Zukunft des RAW-Areals. Zumindest, was die direkt Beteiligten betrifft. Aber ganz so einfach ist die Gemengelage bei diesem Thema nicht.

Der Reihe nach. Das Gelände gehört zwei privaten Eigentümern. Der größere Bereich im Westteil gehört der Göttinger Kurth-Gruppe. Zu ihr gehört auch das sogenannte Soziokulturelle L, eine Gebäudeschlange, etwa in Form dieses Buchstabens. Die dortigen Nutzer, Künstler, Tanz-oder Zirkusensembles sowie andere, in der Regel nicht gerade im Hochlohnbereich agierende Kulturschaffende forderten eine Bestandsgarantie für diesen Bereich sowie weiterhin geringe Mieten. Auch aus dem Bezirk gab es dafür Unterstützung.

Die Kurth-Gruppe sah günstige Konditionen lange nicht für alle Akteure als gegeben. Vor allem das Five-O-Konsortium, bestehend aus Skatehalle, Kletterturm, Biergarten und Cassiopeia-Club, wertete sie als insgesamt profitables Unternehmen. Nach dem jetzigen Kompromiss wird aber auch dieser Bereich unter dem soziokulturellen Label verortet. Das soll insgesamt von der gemeinnützigen Gesellschaft GSE als Generalpächter übernommen werden.

Beinfreiheit für künftige Bauvorhaben

Das Konstrukt ist auf 30 Jahre angelegt. Es gilt für etwa 17 000 der insgesamt 51 000 Quadratmeter, die den Kurths auf dem RAW-Gelände gehören. Nutznießer sind aktuell etwa 70 Mieter. So lautet ein Teil der jetzt gefundenen Abmachung zwischen Vertretern der Kurth-Gruppe und dem Bezirksamt. Im Gegenzug erhält der Eigentümer mehr Beinfreiheit für seine künftigen Bauvohaben. Die können jetzt bis zu einer Geschossflächenzahl von 2,9 erfolgen. Im übertragenen Sinn bedeutet das ein Bauvolumen von fast dreifacher Grundstücksgröße. Das ist zwar nicht durchgehend vorgesehen, aber vor allem entlang der Warschauer Straße plant die Kurth-Gruppe einige markante Neubauten. Unter anderem ein Hochhaus. Junior-Chef Lauritz Kurth hatte immer wieder klar gemacht, dassgGerade vom künftigen Bauvolumen hänge ein Entgegenkommen bei der Soziokultur abhänge.

Mit dem Kompromiss könne er leben, ließ Lauritz Kurth bei der Sitzung des Kulturausschusses am 8. Mai durchblicken. Ähnlich klang das auch beim Bezirk. Entscheidend sei der auch von der BVV geforderte Bestand des soziokulturellen L , erklärte Kulturstadträtin Clara Herrmann (Bündnis90/Grüne). Was auch manche Nutzer in ihren Redebeiträgen so sahen. Und alle betonten, dass für dieses Ergebnis auch Zugeständnisse nötig waren.

Kulturensemble verlangt Erhaltungssatzung

Etwas anders wird das von der Initiative RAW Kulturensemble gewertet. Sie sieht in der Abmachung vor allem Vorteile für die Eigentümer. Die hätten jetzt freie Bahn für groß angelegte Neubauten. Vom bisherigen RAW bliebe dann nicht mehr viel übrig. Verlangt wird deshalb eine Erhaltungssatzung. Außerdem hat die Initiative einen Einwohnerantrag eingebracht. Der Zusammenhang zwischen Baumasse und Erhalt der Soziokultur wird nur bedingt gesehen. Mit weniger Geschossflächenzahl wäre eine Entwicklung des Geländes ebenfalls noch lukrativ, finden die Vertreter von RAW Kulturensemble.

Am Mittwoch, 29. Mai, ist das Thema auf der Tagesordnung einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung und Kultur. Sie beginnt um 18 Uhr im Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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