Projekt des Kulturrings erinnert an Frauenpersönlichkeiten im Bezirk

Wache Zeitzeugin bis zuletzt. Elfriede Brüning (1910-2014), hier an ihrem letzten Geburtstag im November 2013.
3Bilder
  • Wache Zeitzeugin bis zuletzt. Elfriede Brüning (1910-2014), hier an ihrem letzten Geburtstag im November 2013.
  • Foto: Thomas Frey
  • hochgeladen von Thomas Frey

Friedrichshain-Kreuzberg. Inge Meysel kennt wahrscheinlich jeder. Eleonore Wilhelmine Ottilie Beschort wahrscheinlich die wenigsten. Dabei haben beide im Bezirk ihre Spuren hinterlassen.

Sie gehören zu insgesamt rund 100 "Frauenpersönlichkeiten in Friedrichshain-Kreuzberg", die der Kulturring in Berlin im Rahmen eines Onlineprojekts jetzt in Kurzbiografien vorstellt. Auf der Website: www.kulturring.org/frauenpersoenlichkeitenkönnen die Portraits nachgelesen werden.
Unterteilt sind sie in zwei Kategorien. Bei "Frauen im öffentlichen Raum" geht es um Namen, die sich heute auf Straßenschildern oder an Schulen finden lassen. Nicht immer ist dabei eine direkte Verbindung zu Friedrichshain-Kreuzberg gegeben. Etwa bei Rosa-Parks (1913-2005). Die amerikanische Bürgerrechtlerin war zwar nie hier, aber die ehemalige Niederlausitz-Grundschule in der Reichenberger Straße heißt seit 2012 Rosa-Parks-Grundschule. Ausgedrückt wird damit die Haltung und der Vorbildcharakter, der von dieser Frau ausging.

Auf den Barrikaden

Bei anderen Beispielen gibt es dagegen sowohl einen lokalen Bezug, als auch eine öffentliche Würdigung. So im Fall von Tamara Danz (1952-1996). Die Sängerin der Band "Silly" studierte einst an der Musikschule Friedrichshain, seit 2006 trägt eine Straße auf dem Anschutz-Areal ihren Namen. Ähnliches gilt für Pauline Staegemann (1838-1909), eine der ersten Repräsentantinnen der Berliner Arbeiterbewegung, die in der Landsberger Allee einen Gemüsekeller betrieb. 2011 wurde eine bis dahin namenlose Verbindung von der Mollstraße in den Barnimkiez nach ihr benannt.
An andere Frauen erinnern Grabsteine auf Friedrichshain-Kreuzberger Friedhöfen. Henriette Fuchs, geborene Rost, ist eine von drei weiblichen Opfern, die sich auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Volkspark Friedrichshain finden. Sie war die Frau Seidenwirkers aus der Großen Frankfurter Straße und starb bei den Barrikadenkämpfen in Berlin am 18. März 1848, die den Anfang der Revolution in der Stadt markierten. Bei ihrem Tod war sie 63 Jahre alt und hinterließ vier Kinder.
Schon diese Beispiele zeigen, dass sich der Streifzug durch die Frauengeschichte des Bezirks über verschiedene Epochen erstreckt und Vertreterinnen aus ganz unterschiedlichen Gebieten berücksichtigt wurden. Das gilt auch für die Rubrik "Frauen in der Gesellschaft". Sie widmet sich Persönlichkeiten, die hier gelebt oder agiert haben, ihr Wirken aber bisher keine Würdigung im öffentlichen Raum gefunden hat.

Tafel am Krankenhaus

Oder nicht mehr, wie bei Eleonore Wilhelmine Ottilie Beschort (1812-1881). Ihr zu Ehren gab es einst eine Tafel im Urban-Krankenhaus, die aber schon lange verschollen ist. Denn sie gilt als Begründerin dieser Klinik. Die Tochter des Hofschauspielers und Sängers Friedrich Jonas Beschort und seiner Frau Wilhelmine Karoline vermachte ihr Vermögen in Höhe von 600.000 Mark als Stiftung für ihren Bau. Allerdings nur unter bestimmten, ihrer Moral geschuldeten, Voraussetzungen. Personen, die an Syphilis erkrankt waren sollten dort ebenso wenig behandelt werden, wie Alkoholiker oder "Tobsüchtige", also psychisch Kranke. Vorgaben, an die sich aber schon 1890, bei der Eröffnung nicht gehalten wurde.
Von ihr zu Inge Meysel ist es ein weiter Weg. Und was wahrscheinlich auch die wenigsten wissen - die bekannte Schauspielerin (1910-2014) wuchs in der Kadiner Straße auf, besuchte die heutigen Ludwig-Hoffmann-Schule und erhielt ihre ersten Bühneneindrücke als Besucherin von Märchenvorstellungen im Rose-Theater an der heutigen Karl-Marx-Allee.

Auftrittsverbot

Inge Meysel hatte eine jüdische Großmutter und deshalb während der Nazizeit Auftrittsverbot. Andere Frauen wurden als Gegnerinnen der NS-Diktatur hingerichtet, wie Ursula Goetze, die in der Hornstraße wohnte. Und viele von ihnen waren vor ihrem Tod im Frauengefängnis in der Barnimstraße inhaftiert.
Auch ihnen hat Elfriede Brüning ein literarisches Denkmal gewidmet. An der Biografie der 2014 im Alter von fast 104 Jahren verstorbene Schriftstellerin lassen sich viele Schrecken, Wege und auch Irrwege des 20.Jahrhunderts festmachen. Ihre ersten Artikel veröffentlichte sie noch in der Endphase der Weimarer Republik im damals berühmten "Berliner Tageblatt". Nach 1933 saß sie als kommunistische Widerstandskämpferin zeitweise ebenfalls in der Barnimstraße. In der DDR fanden ihre Bücher, die sich oft mit Frauenschicksalen beschäftigten, beim Publikum großen Anklang. Funktionäre stießen sich dagegen immer wieder an den Beschreibungen der eigentlich loyalen Genossin. Zuletzt lebte Elfriede Brüning in einem Seniorenwohnheim in der Koppenstraße.
Nur einige Beispiele, die zeigen, dass sich das Lesen dieser Kurzbiografien lohnt. Einige davon sind Auszüge aus bereits veröffentlichten Büchern, andere Lebensbeschreibungen wurden extra für diese Website verfasst. Das einzige was etwas ärgerlich ist - manche Dateien ließen sich, zumindest in den ersten Tagen, nicht herunterladen. tf

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

26 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Das Team von Hafemeister Bestattungen ist im Trauerfall 24-Stunden telefonisch erreichbar.
7 Bilder

Hafemeister Bestattungen
Wir nehmen uns Zeit für Sie - jederzeit!

Im Trauerfall beraten wir die Hinterbliebenen individuell und umfassend. Das persönliche Gespräch steht für uns im Mittelpunkt - auf Wunsch beraten wir Sie bei Ihnen zu Hause. Gemeinsam gestalten wir den Abschied und die Trauerfeier nach Ihren individuellen Wünschen. Wir bieten neben den klassischen Erd-, Feuer- und Seebestattungen auch Baumbestattungen, Bestattungen in der Natur und sogenannte Diamantbestattungen an. Im Sterbefall verstehen wir unsere Aufgabe als verlässlicher Partner, d.h....

  • Bezirk Spandau
  • 28.04.21
  • 220× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
5 Bilder

Praxis haut pur
Ihr Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Gesundheit Ihrer Haut

Wir sind Praxis haut pur. Ihr Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Gesundheit Ihrer Haut. Die Behandlung von Hauterkrankungen ebenso wie von ästhetisch störenden Hautveränderungen erfordert ein fundiertes und ständig aktualisiertes Wissen zu Diagnostik und Therapie. Wir informieren Sie umfassend und verständlich über die bei Ihnen möglichen diagnostischen und therapeutischen Optionen und treffen mit Ihnen die für Sie optimale Entscheidung. Zu unserem Leistungsspektrum zählen u.a.: • Die...

  • Bezirk Spandau
  • 28.04.21
  • 179× gelesen
BildungAnzeige
Von links nach rechts: Wilhelmstadt Gymnasium, Kita "Kinderparadies", Laborgebäude und Wilhelmstadt Grund- sowie Oberschule.
5 Bilder

Campus Wilhelmstadtschulen
Digitalunterricht: Sie wissen, wie es geht!

Der Campus Wilhelmstadtschulen hat es vorgemacht: Er ist als konstruktives Beispiel vorangegangen und hat den Präsenzunterricht mit den SchülerInnen gemeinsam zügig zum Onlineunterricht umgewandelt. Der Digitalunterricht findet jeden Tag live nach Stundenplan von 8 bis 15 Uhr statt. Auch in der Grundschule lernen die SchülerInnen bereits ab der dritten Klasse vier Stunden am Tag im Onlineunterricht. Mit diesen besonderen Erfahrungen und dem Ehrgeiz, nun immer einen Plan B in petto zu haben,...

  • Bezirk Spandau
  • 04.05.21
  • 199× gelesen
WirtschaftAnzeige
Seit 170 Jahren gehört Wilhelm Fliegener Bestattungen zu Spandau.

Wilhelm Fliegener Bestattungen
170 Jahre Bestattungskompetenz

Eines der ältesten Bestattungsunternehmen Spandaus gratuliert dem Spandauer Volksblatt in enger Verbundenheit. Das Spandauer Volksblatt ist seit 75 Jahren ein wichtiger Teil Spandaus. Die Geschichte des Verlages ist eng mit Spandau und mit seinen Einwohnern verbunden, genauso wie die Firma Wilhelm Fliegener, die inzwischen auf eine über 170-jährige Historie in Spandau blicken kann. Familienunternehmen in fünfter Generation Es war der 1. April 1851, als Gottlieb Fliegener seine erste...

  • Bezirk Spandau
  • 04.05.21
  • 77× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Dr. med. Ivan Diaz Ramirez ist Facharzt für Innere Medizin, 
Kardiologie und Intensivmedizin. Er gehört zum Chefarztteam der standortübergreifenden Kardiologie der Johannesstift Diakonie.
5 Bilder

Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau
Es ist nie zu spät für Ihre Herzgesundheit

Ernährung, Sport, Gewicht und Rauchen haben den größten Einfluss auf die Gesundheit des Herzens. Studien zeigen: Auch, wer erst ab der Lebensmitte oder im fortgeschrittenen Alter seine Lebensgewohnheiten ändert, kann das Risiko auf Schlaganfall und Herzinfarkt senken. Ist das Herz bereits in Mitleidenschaft gezogen, bietet die Herzmedizin heute viele Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern. „Für eine bestmögliche Behandlung ist eine genaue Diagnostik mit moderner Medizintechnik...

  • Bezirk Spandau
  • 28.04.21
  • 199× gelesen
WirtschaftAnzeige
Die FÖV Pflege Gesundheit und soziale Dienste gGmbH bietet Menschen fortgeschrittenen Alters bedarfsspezifische Lösungen in beinahe allen Lebenslagen.
6 Bilder

FÖV Pflege gGmbH
Dein sozialer Arbeitgeber im Kiez

Die FÖV Pflege Gesundheit und soziale Dienste gGmbH ist Teil des FÖV Verbundes, ein gemeinsames Versorgungsnetzwerk in Spandau. Zusammen bieten wir Menschen fortgeschrittenen Alters bedarfsspezifische Lösungen in beinahe allen Lebenslagen und entwickeln unser Angebot stetig weiter. Die FÖV Pflege gGmbH unterstützt Menschen mit Pflegebedarf und pflegende Angehörige mit individuellen Betreuungs- und Pflegeangeboten. Als gemeinnütziger Arbeitgeber mit langjähriger Tradition haben wir einen hohen...

  • Staaken
  • 03.05.21
  • 82× gelesen
BildungAnzeige
Die Freie Waldorfschule Havelhöhe ist ein Ort, an dem sich die Kinder und Jugendlichen aufmerksam und liebevoll auf ihren schöpferischen Weg ins Leben und zur Freiheit vorbereiten.
6 Bilder

Freie Waldorfschule Havelhöhe
Jetzt auch Abitur an der Freien Waldorfschule Havelhöhe

Im Spandauer Süden, vor den Toren des Gutsparks, existiert ein ganz besonderer Lern- und Lebensort, der in diesem Jahr etwas zu feiern hat. Die Freie Waldorfschule Havelhöhe – Eugen Kolisko kann auf 21 Jahre Waldorfpädagogik in Kladow blicken. Viele Projekte wurden in den letzten Jahren umgesetzt. Das pädagogische Angebot wurde stetig erweitert. So verfügt die Schule mittlerweile über eine schöne Mensa, an die eine Lehrküche angegliedert ist. Der Kindergarten konnte auf 90 Plätze erweitert...

  • Bezirk Spandau
  • 04.05.21
  • 163× gelesen
WirtschaftAnzeige
Mit liebevoller Betreuung und täglicher Pflege unterstützt famCare Sie bei einem individuell gestalteten Leben.

Pflegedienst famCare
Pflege und Beratung in der Nachbarschaft

Der Pflegedienst famCare hat seinen Sitz im Ärztehaus in der Glienicker Straße 6B, ganz in der Nähe des S-Bahnhofs Hermsdorf, und steht Ihnen dort beratend bei sämtlichen Fragen rund um das Thema Pflege zur Verfügung. „Unser Ziel ist es, Sie oder Ihren pflegebedürftigen Angehörigen mit liebevoller Betreuung und täglicher Pflege bei einem individuell gestalteten Leben zu unterstützen“, so der Inhaber Mirko Fischer. „Das qualifizierte Personal ist für Sie in Hermsdorf, Frohnau, Tegel, Heiligensee...

  • Frohnau
  • 27.04.21
  • 155× gelesen
WirtschaftAnzeige
Neben Springbrunnen gibt es hier viele Statuen, Pflanzgefäße, Vasen, Balustraden und Reliefs, Säulen, Engel und Putten.
2 Bilder

ITAL-PARK
Über 800 Artikel für Terrasse und Garten

Seit 2007 hat der ITAL-PARK seinen Sitz in der Berliner Straße 142 in Hermsdorf, der Ende der 1976 von Daniel Coybes in Halensee gegründet wurde. Heute wird das in Berlin mit seinem Angebot einmalige Unternehmen von seinem Sohn Patric Kalkhoff und dessen Geschäftspartner Swen Günther geführt. Hier findet man alles, was den Garten, die Terrasse oder den Balkon schöner gestaltet. Ab diesem Jahr wurde das Produktsortiment um Granit- und Natursteinbrunnen erweitert. Über 800 verschiedene Artikel in...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 27.04.21
  • 248× gelesen
WirtschaftAnzeige
Willkommen in Ihrer Parfümerie Gabriel!
2 Bilder

Gabriel Cosmetics GmbH
Dufte Geschenke zum Muttertag

„Nicht alle von uns können große Dinge tun, aber wir alle können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ (Mutter Teresa) Einfach mal Danke sagen und mit viel Liebe schenken – am 9. Mai ist Muttertag! Egal ob klein, ob groß; ob Duft, ob Pflege – bei uns finden Sie garantiert ein passendes Geschenk, das wir sehr gerne individuell und mit viel Liebe verpacken! Wir beraten Sie gerne und helfen Ihnen, ein besonderes Geschenk für einen besonderen Menschen zu finden. Außerdem gibt es bei einem Einkauf ab...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 27.04.21
  • 109× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen