Anzeige

Eltern protestieren gegen Umzugschaos: Offener Brief an Schulsenatorin Sandra Scheeres nach Sperrung der Carl-Kraemer-Schule

Die 500 Kinder der Carl-Kraemer-Schule wurden auf vier Standorte verteilt. Der Hort findet jetzt in der Wilhelm-Hauff-Grundschule statt.
Die 500 Kinder der Carl-Kraemer-Schule wurden auf vier Standorte verteilt. Der Hort findet jetzt in der Wilhelm-Hauff-Grundschule statt. (Foto: Dirk Jericho)

„Politik- und Amtsversäumnisse dürfen nicht Schüler und Lehrer im Wedding ausbaden.“ Mit dieser Überschrift bitten die Elternvertreter der Brüder-Grimm-Grundschule in einem offenen Brief Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) um Hilfe.

„Die Carl-Kraemer-Grundschule ist im Begriff zum Symbol des Versagens der Berliner Bildungspolitik zu werden. Lassen Sie es nicht soweit kommen!“, endet das Schreiben von Jana Wierik, Gesamtelternvertretungsvorsitzende der Brüder-Grimm-Grundschule. Der offene Brief werde von Lehrern und Erziehern der Brüder-Grimm-Grundschule und der Carl-Kraemer-Grundschule unterstützt.

Wie berichtet, hat das Schulamt nach der Sperrung der Carl-Kraemer-Schule in der Zechliner Straße 4 im Soldiner Kiez wegen Schimmel und einsturzgefährdeter Decken die 500 Schüler in den neuen MEB-Standort an der Chausseestraße, die Rudolf-Wissell-Grundschule an der Ellerbeker Straße und die Gebrüder-Grimm-Schule an der Tegeler Straße „zwangsevakuiert“, so die Elternvertreter. „137 Kinder strandeten in der Brüder-Grimm-Grundschule, ebenfalls eine Kiezschule im sozial schwachen Umfeld mit großen Integrationsherausforderungen und einer Schülerschaft mit mehr als 80 Prozent nichtdeutscher Herkunftssprache“, heißt es. Sieben Klassen werden derzeit dort unterrichtet, was zu erheblichen Problemen führe.

Alle Teilungsräume für Förderunterricht belegen jetzt die Neuen. Trotz Verständnis „für die dramatische Lage der Carl-Kraemer-Grundschule“ führe diese Ausnahmesituation „für alle Beteiligten zu extremen Belastungen“. Durch zeitversetzte Pausen- und Unterrichtszeiten steige die Lärmbelastung. Auch sei die „ohnehin katastrophale Toilettensituation“ noch schlimmer geworden. Weil die Mensaplätze nicht ausreichten, müssten die Kinder etappenweise durchgeschleust werden.

Die Elternvertreter schlagen eine Lösung vor: Die sieben Klassen der Carl-Kraemer-Schule könnten das benachbarte Schulpraktische Seminar als "Notunterkunft" nutzen. In dem Gebäude – einst Teil der Brüder-Grimm-Grundschule – werden Referendare ausgebildet. Laut Jana Wierik gebe es dort genügend Räume; außerdem werde das Haus nicht durchgehend genutzt. Laut Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) geht das aber nicht. „Eine Unterbringung wurde geprüft", sagt er. Die Seminare in der Lehrerbildungsstätte seien voll belegt.

Nach den bisherigen Plänen sollen die 500 Kinder der Carl-Kraemer-Schule nach den Osterferien in ihre Schule zurückkehren. Dass dies so klappt, bezweifeln die Elternvertreter. Die Schulamtsleiterin hätte keine verbindlichen Aussagen treffen können „und war nicht bereit, im nächsten Monat über den Stand der Bauarbeiten zu informieren“, ärgert sich Wierik. Sie appelliert in dem offenen Brief an Senatorin Scheeres, „den Kindern der Carl-Kraemer-Grundschule das Gebäude des Schulpraktischen Seminars in der Tegeler Straße für die Dauer der Bauarbeiten zur Verfügung zu stellen“. „Wir können es nicht mehr hinnehmen, dass Kinder und Lehrende die politischen Fehlentscheidungen und -planungen der letzten Jahre ausbaden müssen. Unsere beiden Schulen sind Brennpunktschulen“, heißt es in dem Schreiben. Diese unhaltbaren Zustände müssten endlich ein Ende haben.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt