Über das Wir-Gefühl
DDR-Bürger erinnern sich an die Wendezeit

Gisela Becker aus Hellersdorf ließ sich für die Ausstellung mit der Frauenzeitschrift „Für Dich“ (1963-1991) fotografieren. Die Zeitschrift hatte 1974 mit der Gartenbaufacharbeiterin eine Titelgeschichte veröffentlicht.
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  • Gisela Becker aus Hellersdorf ließ sich für die Ausstellung mit der Frauenzeitschrift „Für Dich“ (1963-1991) fotografieren. Die Zeitschrift hatte 1974 mit der Gartenbaufacharbeiterin eine Titelgeschichte veröffentlicht.
  • Foto: Aylin Karadeniz
  • hochgeladen von Harald Ritter
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Das Bunte Haus zeigt eine Ausstellung mit Erinnerungen an den Mauerfall und die Zeit danach und setzt sich mit dem anhaltenden Wir-Gefühl im Osten und dem Beitritt zur Bundesrepublik auseinander.

Die Ausstellung basiert auf Gesprächskreisen, die von der Stiftung SPI von September 2018 bis Februar dieses Jahres organisiert wurden. Menschen aus dem Osten, ehemalige DDR-Bürger, sollten darüber erzählen, wie es ihnen seit der Zeit der Wende ergangen ist, was sie damals fühlten und wie sie das historische Geschehen heute empfinden.

Nach einem Aufruf zur Teilnahme fand sich letztendlich eine Gruppe von fünf Bewohnern des Bezirks zusammen, fast alle mit DDR-Biografie. Sie trafen sich insgesamt zehn Mal zu Gesprächen im Stadtteilzentrum Mosaik statt.

Die Aussagen sind oft deckungsgleich mit dem, was im Westen oft als „Ostalgie“ verstanden wird. Sie bilden aber bei genauerem Hinhören ein Korrektiv zu pauschalen Urteilen über die DDR und deren Untergang.

„Der Begriff Mauerfall erinnert an den Fall von Paris. Das war kein Fall, sondern eine Grenzöffnung durch Grenzbeamte der DDR“, sagt beispielsweise Torsten Preußing. Der Rundfunkjournalist war zu dem Zeitpunkt Redakteur im staatlichen Komitee für Rundfunk der DDR.

„Bei meinem ersten Job in Westberlin fiel mir auf, dass die trotz duzen viel distanzierter waren, da war nur ein geheucheltes Interesse am anderen. In Hamburg kam ich schneller mit Ostdeutschen in Kontakt, das läuft auch unbewusst. Da ist ein anderes Verständnis unter Ostdeutschen. Sozialisation wirkt. Der Sprachgebrauch ist anders, das Gefühl und der Umgang miteinander“, erzählt Gisela Becker.

Aus der Gruppe heraus entstand die Idee, die Ergebnisse nach außen zu tragen und in einer Ausstellung zu präsentieren. Gemeinsam mit der bildenden Künstlerin Jana Barthel wurde ein Gespräch auf Video aufgenommen und Objekte gesammelt oder produziert, die im Bunten Haus ausgestellt werden. Das Projekt soll im August in einer zweiten Phase mit anderen Teilnehmern fortgeführt werden.

Die Ausstellung „Aus unserem Leben“ ist noch bis Freitag, 21. Juni, im Bunten Haus, Hellersdorfer Promenade 14, Mo-Fr von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Führungen durch die Ausstellung werden am Freitag, 14. Juni, von 14 bis 17 Uhr und am Montag, 17. Juni, von 14.30 bis 18 Uhr angeboten. Anmeldung per E-Mail an zugehoert@stiftung-spi.de.

Gisela Becker aus Hellersdorf ließ sich für die Ausstellung mit der Frauenzeitschrift „Für Dich“ (1963-1991) fotografieren. Die Zeitschrift hatte 1974 mit der Gartenbaufacharbeiterin eine Titelgeschichte veröffentlicht.
Peter Becker lebt heute in Hellersdorf. Der frühere West-Berliner erinnert sich an die Zeit nach der Wende: "Die Westberliner hatten auch Befürchtungen. Betriebe sind abgewandert und es gab keine Berlinzulage mehr."
Autor:

Harald Ritter aus Marzahn

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