„Genossin Rosi“ ist wieder auf Tour
David Schellenschmidt und seine Theatercrew sind aus der Corona-Pause zurück

David Schellenschmidt, Lisa Blaschke und ihre Kollegen sind endlich wieder auf Tour.
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Eigentlich wollten sie bereits im Mai das Boot zu Wasser lassen und losschippern. Doch das Coronavirus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Nun aber ist das Theaterschiff „Genossin Rosi“ endlich unterwegs. David Schellenschmidt, Lisa Blaschke und ihre Mitstreiter sind am 2. Juli wieder an Bord gegangen.

Mit ihrem schwimmenden Wandertheater hatten sich die jungen Kreativköpfe für ihre vierte Saison eine Tour zu 16 Orten mit insgesamt 35 Vorstellungen vorgenommen. Weil sämtliche Termine im Mai und Juni ausgefallen sind, mussten sie diese Planung allerdings komplett umwerfen. Ihre verkürzte Route führt sie nun bis Anfang August von Havelberg nach Rathenow, Pritzerbe, Brandenburg an der Havel, Premnitz und Strodehne. Theatershows unter freiem Himmel vor Publikum können sie dort leider in diesem Jahr nicht anbieten, obwohl sie sich bereits auf die Premiere eines neuen Stücks vorbereitet hatten. „Für jeden Standort müssten wir ein eigenes Hygienekonzept erstellen, ein enormer Aufwand. Das bekommen wir ehrenamtlich nicht organisiert“, berichtet Lisa Blaschke (32). Die Theaterpädagogin aus Leipzig wurde Anfang 2019 durch eine Anzeige auf das Theaterschiff aufmerksam und „war sofort Feuer und Flamme“. Sie kümmert sich unter anderem um Workshops mit Kindern und Jugendlichen, die ihr Interesse am Theaterspielen entdecken.

Kultur für ländliche Regionen

Dass es überhaupt zu diesem einzigartigen Theaterprojekt kommen konnte, ist das Verdienst von David Schellenschmidt (30), der in Friedrichshagen aufgewachsen ist. Nach seinem Abitur an der Merian-Gesamtschule in Köpenick studierte er an der renommierten Ernst-Busch-Schule Schauspiel. Anschließend stand er für die Schaubühne Berlin, danach zwei Jahre für das Staatstheater Mainz auf der Bühne. 2017 machte er sich selbstständig. Gemeinsam mit Freunden und Bekannten aus der Theaterszene gründete er damals die gemeinnützige Theatergenossenschaft „Traumschüff – Theater im Fluss“. Ihr Ziel: durch die ländlichen Regionen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts zu fahren und ein Kulturangebot zu den Menschen vor Ort zu bringen, die sonst weniger Zugang dazu haben.

Das Geld für das Theaterschiff sammelte das Ensemble per Crowdfunding ein. Entworfen und gebaut wurde der „Genossin Rosi“ getaufte Katamaran von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar und der Schiffswerft Kiebitzberg. Um das Schiff auch durch die Gewässer steuern zu dürfen, musste David einen Bootsführerschein machen.

Zu Beginn noch zu zehnt, zählt die Genossenschaft mittlerweile 40 Mitglieder, darunter ein siebenköpfiges Organisationsteam. Es ist ein Mix aus verschiedenen Charakteren, die schauspielen, Regie führen, das Kostüm- und Bühnenbild entwerfen und sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Davids Ehefrau Nikola, die Jura studiert hat, gehört als Autorin dazu. Sie schreibt die Theaterstücke für das Team. Dafür werden Themen aufgegriffen, die die Menschen vor Ort bewegen. Nach einer Show, bei der die Crew auf dem Schiff spielt, während das Publikum am Ufer sitzt, unterhalten sich die Theatermacher gern noch ausgiebig mit den Gästen. „Dabei entdecken wir immer wieder spannende Geschichten. Meist sind noch zwei Stunden nach der Aufführung viele Leute da“, erzählt David.

Breites Interesse

Einige Besucher reisen inzwischen aus dem ganzen Land an, um die Stücke zu sehen. Durch zahlreiche Zeitungsartikel und Radiobeiträge ist das „Traumschüff“ immer bekannter geworden. Der RBB übertrug im vergangenen Jahr sogar live von der Tour. Und ein Team des Fernsehsenders Arte reiste eine Etappe auf dem Katamaran mit. Bis in die Politik findet das Projekt Unterstützung. Das Team darf sich dieses Jahr über ein Stipendium der Kulturstiftung des Bundes freuen und ist außerdem für den Kulturpreis „ZukunftsGut 2020“ nominiert – neben großen Theaterbühnen wie dem Berliner Ensemble. „Eine sehr große Auszeichnung“, freut sich David Schellenschmidt.

Um auch in der Corona-Krise nicht den Kontakt zu ihrem Publikum zu verlieren, haben sie sich neue, digitale Formate überlegt. Sie bieten generationenübergreifende Workshops zum Thema Nachbarschaft an (der nächste am 11. Juli, 11 Uhr, Anmeldung unter https://bwurl.de/158r) und drehen YouTube-Videos, in denen sie Zuschauer befragen, wie sie sich die Welt in 30 Jahren vorstellen. Hintergrund ist das 30. Jubiläum des Mauerfalls. Die Premiere ihres neuesten Stücks „Treue Hände 3“ über die Treuhandanstalt holen sie dann im Winter nach. Dann jedoch nicht auf dem Wasser, sondern im Oranienwerk.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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