Berliner Büchertisch braucht Hilfe: 30.000 Bücher suchen eine neue Bleibe

Pressesprecherin Cornelia Temesvari und die langjährige Ehrenamtliche Christa Zachmann wollen gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern den Berliner Büchertisch erhalten.
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Kreuzberg. Bücherregale ziehen sich bis unter die Decke der ehemaligen Fabrikhalle auf dem Hinterhof am Mehringdamm 51. Wohl geordnet nach Sachgebieten und nach Autoren. Doch der Berliner Büchertisch hat seit einigen Wochen Probleme: Nach 10 Jahren soll der Büchertisch sein Domizil am Mehringdamm verlassen.

Zum 31. Januar 2017 wurden durch den Eigentümer, die Investorfirma Taliesin, die Räume gekündigt. Es ist zwar noch Zeit, aber es wird schwierig, kostengünstige Lager- und Büroräume zu finden. Denn nur von den drei Buchgeschäften kann der Büchertisch nicht leben. „Wir sind wie viele andere soziale Projekt in Friedrichshain-Kreuzberg von der Verdrängung betroffen“, erklärte Pressesprecherin Cornelia Temesvari. Für den Büchertisch bedeutet es einen Kampf um die Existenz.

Gespendeter Lesestoff

Der Berliner Büchertisch wurde im Jahre 2003 als private Initiative gegründet. Ein Jahr später folgte der Verein und vor drei Jahren wurde die Genossenschaft gegründet. „Die Genossenschaft hat den kommerziellen Teil übernommen“, erklärt die Pressesprecherin. Aus dem Verkauf von Büchern kommt das Geld rein, um die Miete zu bezahlen und den Lohn für die 32 fest angestellten Mitarbeiter. Der Verein übernimmt die ehrenamtliche Arbeit. Die Bücher sind Spenden, von Haushaltsauflösungen oder wenn Leute aus einer großen Wohnung in eine kleine ziehen und sich nicht mehr so viele Bücher hinstellen können. Über 30 000 Bücher stehen in den Regalen oder lagern im Keller. Mit einem Blick in den Computer haben die Mitarbeiter schnell einen Überblick, ob ein gewünschtes Buch vorhanden ist.

Im vergangenen Jahr haben sie 100.000 Bücher weitergegeben. In den drei Geschäften – am Mehringdamm, in der Gneisenaustraße und in der Wühlischstraße – können die Kunden Bücher kaufen. „Wir bieten Bücher kostengünstig von 50 Cent bis 6 Euro an, so dass sich auch Leser mit geringem Einkommen Bücher leisten können.“

In der Genossenschaft arbeiten vor allem Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine oder nur geringe Chancen auf einen festen Job haben. „Außerdem bilden wir auch Buchhändler aus“, erklärt Cornelia Temesvari. „Wir sind ein Kreuzberger Projekt und möchten natürlich auch im Bezirk bleiben.“ Doch sie brauchen vor allem große Räume, die auch bezahlbar sind.

Zum Lesen animieren

Neben dem Verkauf von Bücher steht die ehrenamtliche Arbeit in Schulen. „Wir möchten Kinder an das Buch heranführen“, erklärt Cornelia Temesvari. So hat der Verein ein Lesestipendium ins Leben gerufen. Jedes Kind bekommt ein Buch pro Monat. Kinder, die sich das Buch nicht selbst abholen können, bekommen es mit der "Berliner Büchertaube" geschickt. Ein weiteres Projekt ist der Lesekoffer. Der wird zusammen mit den Lehrern gepackt. Das Projekt läuft für ein Schuljahr und wird dann ausgetauscht.

„Wir arbeiten komplett ohne öffentliche Förderung“, erläutert die Pressesprecherin. Und sie hofft, dass es auch im nächsten Jahr mit dem Berliner Büchertisch weitergehen wird: „Wir hoffen auf einen Vermieter oder einen Investor, der nicht nur ein Herz für soziale Projekte hat, sondern vielleicht selbst eine begeisterte Leseratte ist“, meint Cornelia Temesvari abschließend. KT

Weitere Informationen: www.buechertisch.org.
Autor:

Klaus Teßmann aus Prenzlauer Berg

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