BVG plant Gleichrichterwerk in Alt-Mariendorf
SPD und CDU sehen mögliche Verlängerung der U6 gefährdet

Hinter diesem Stoppschild im U-Bahnhoftunnel Alt-Mariendorf kommt die Wendeanlage. An deren Ende soll das neue Gleichrichterwerk entstehen.
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Für die Fahrstromversorgung plant die BVG am südlichen Ende der U6 ein Gleichrichterwerk. Das Unternehmen verspricht sich dadurch bei Störungen geringere Einschränkungen des Betriebs nach Alt-Mariendorf. Kritik kommt aus der BVV.

„Vereinfacht ausgedrückt wird in den Gleichrichterwerken der U-Bahn der Wechselstrom aus dem Netz in 750 Volt Gleichstrom umgewandelt, der über die seitliche Stromschiene die Züge mit Energie versorgt“, erklärt BVG-Pressesprecher Markus Falkner. Die benachbarten Einspeisestellen liegen an den U-Bahnhöfen Ullsteinstraße und Paradestraße. „Kommt es in einer der Anlagen zu Störungen oder Ausfällen, muss momentan der Betrieb nach Alt-Mariendorf massiv reduziert oder eingestellt werden. Außerdem ist die Verstärkung der Stromversorgung auch zwingende Voraussetzung, um perspektivisch den Takt auf der U6 weiter erhöhen zu können.“ Eine zusätzliche Anlage sei dringend notwendig.

„Die Situation hat historische Gründe. Als die Linie 1966 eröffnet wurde, rechnete man nicht mit der heutigen Nachfrage und dem daraus resultierenden Verkehrsangebot im wachsenden Berlin. Die Stromversorgung wurde entsprechend für einen Betrieb mit Vier-Wagen-Zügen ausgelegt. Natürlich fahren dort längst Sechs-Wagen-Züge in dichter Taktung. Die Energieversorgung ist damit aber wirklich ausgereizt“, so Falkner. Da der Bau von Gleichrichterwerken Lärm verursache und es sich dabei um relativ große technische Anlagen handle, würden diese vorzugsweise unterirdisch gebaut. Erst recht im dichten Ortskern Alt-Mariendorfs. „Ein Bau am südlichen Tunnelende unterhalb des Mariendorfer Damms ist aus Sicht unserer Fachleute daher technisch und wirtschaftlich die beste Lösung“, betont er. Terminiert ist der Baubeginn noch nicht. Die BVG strebt jedoch 2022 an. Kosten und Bauzeit könnten noch nicht benannt werden. Diese seien abhängig von den finalen Planungen und dem Ergebnis der Ausschreibungen. Laut SPD und CDU sind bis zu 30 Millionen Euro und eine Dauer von rund zwei Jahren im Gespräch. Gebaut werden soll hinter der Endhaltestelle im Anschluss an die Wendeanlage.

Nachdem die BVG das Vorhaben den Bezirksverordneten im Verkehrsausschuss am 23. September vorgestellt hatte, wurde Kritik laut. SPD und CDU befürchten, dass dadurch ein möglicher Ausbau der U6 Richtung Süden blockiert wird. „Mit der Inbetriebnahme des BER wird ein deutlicher Entwicklungsschub auch im Süden unseres Bezirks einsetzen. Es wäre töricht, die Option zur Verlängerung der U6 nun zu verbauen. Das Gleichrichterwerk wird in der Form künftige Planungen völlig unnötig erschweren und verzögern. Die BVG muss einen anderen, sinnvolleren Standort finden“, fordert Christoph Götz-Geene (SPD). Kritisiert wurde außerdem die dafür nötige Fällung zahlreicher Straßenbäume auf dem Mittelstreifen des Mariendorfer Damms. Die CDU stimmte dem Antrag zu, „diese Planung insgesamt nochmals kritisch zu überprüfen“.

Die BVG erklärte, die Kritik ernst zu nehmen und zwischen den unterschiedlichen Interessen abzuwägen. „Wir prüfen, ob und in welcher Form die bisherigen Vorplanungen sinnvoll angepasst werden können.“ Für den Fall, dass der Senat in Zukunft eine aktuell noch nicht absehbare U6-Verlängerung beschließt, würde eine Verlegung der Anlage vermutlich nur einen kleinen Bruchteil des Gesamtaufwands und der Gesamtkosten verursachen. Zur Kompensation nötiger Baumfällungen sei die BVG ohnehin verpflichtet.

Autor:

Philipp Hartmann aus Tempelhof

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