Unterwegs im alten Gemäuer
Olaf Kmiesch kümmert sich um die Dorfkirche Marienfelde

An manchen Stellen heißt es: Kopf einziehen!
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„Ich hab dafür zu sorgen, dass die Kirche in Schuss ist“, bringt Olaf Kmiesch seine Tätigkeit auf den Punkt. Beinahe täglich ist der Rentner aus Lichtenrade in der Dorfkirche Marienfelde anzutreffen. Diese wurde einst von den Tempelrittern erbaut. Fast 800 Jahre hat sie auf dem Buckel und gilt als älteste Dorfkirche Berlins.

Bei einem solchen Alter braucht es jemanden, der sie hegt und pflegt. Jemanden wie Kmiesch. Seit 2005 ist er als Kirchwart im Auftrag der Evangelischen Gemeinde Marienfelde tätig. Er kennt jeden Winkel des Gebäudes. Wer sich beim Rundgang keine Platzwunde holen möchte, sollte aufmerksam seine Hinweise beachten. An mehreren Stellen hängen Querbalken derart tief, dass man sich schon sehr verrenken muss, um sich nicht den Kopf zu stoßen. Vor dem Betreten des Glockenraums checkt Kmiesch kurz seine Uhr. „Alles okay“, noch ist die volle Stunde nicht vorbei. „Nicht, dass die gleich losgeht. Sonst wird es hier richtig laut“, sagt er. Oben im Turm erzählt der Kirchwart, dass Falken diesen Ort zum Nisten erobert haben. Auf dem Dachboden soll außerdem ein Waschbär sein.

Doch nicht nur die Tiere sind von der Feldsteinkirche mitten im alten Angerdorf begeistert, sondern auch das Landesdenkmalamt Berlin. Wie Bauforscherin Wiltrud Barth erzählt, wurde bei der Entnahme von Holzproben Mitte der 90er-Jahre festgestellt, dass die Eichenhölzer im Jahr 1230 gefällt wurden. Sie waren vermutlich Teil der allerersten Dachkonstruktion. Zur Einordnung: Die Stadt Berlin war damals noch nicht einmal gegründet. Im vergangenen Jahr war Wiltrud Barth erneut zu Untersuchungen dort und fand noch mehr verbaute Holzbalken von damals.

Olaf Kmiesch kümmert sich nicht so sehr um die Geschichte, sondern lieber darum, dass die Dorfkirche für die Zukunft fit ist. Der 69-Jährige streicht Treppenstufen, wechselt Glühlampen, reinigt die Siebe der Heizungsanlage, besorgt Blumen für Veranstaltungen und macht danach auch sauber. Konfirmationen, Trauungen, Filmabende, Konzerte – das Haus wird gut genutzt. Bei besonderen Anlässen werden aus 150 auch mal 250 Sitzplätze. „An Heiligabend ist es hier brechend voll“, berichtet Kmiesch. Vielleicht liegt das auch an der beeindruckenden Orgel, die 1994 eingebaut wurde. „Die hat einen sehr guten Klang. Unsere Gäste sind immer fasziniert.“

Im Umfeld der Kirche sieht es auch wieder ansprechend aus. Seit im Spätsommer 2017 ein moderner Tiefbrunnen eingebaut wurde, hat der vorher beinahe ausgetrocknete Kirchteich einen konstanten Wasserpegel. Weniger schön sind die Hinterlassenschaften einiger Besucher, doch Olaf Kmiesch ist ein entspannter Zeitgenosse. Selbst die Jugendlichen, die im Sommer vor dem Eingang sitzen, Bier trinken und ihre Kippen auf den Boden schnippen, können ihn nicht aus der Ruhe bringen. „Die sehen das eben nicht so eng“, so sein knapper Kommentar. Seine Arbeit als Kirchwart macht ihm so viel Spaß, dass er sie solange wie möglich fortführen möchte. „Das ganze Umfeld, die Pfarrerin und die Gemeindemitglieder sind alle so nett und freundlich. Wenn jemand eine Bitte hat, kann ich einfach nicht Nein sagen.“

Autor:

Philipp Hartmann aus Tempelhof

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