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Gerettete DDR-Kunst
Walter Womackas Monumentalwerk hängt am Wohnhaus an der Friedrichsgracht

„Der Mensch, das Maß aller Dinge“ hängt seit 2013 an der Friedrichsgracht.
„Der Mensch, das Maß aller Dinge“ hängt seit 2013 an der Friedrichsgracht. (Foto: Dirk Jericho)

Im Oktober sind es fünf Jahre, dass das berühmte Wandbild des Künstlers Walter Womacka an die Hausfassade des WBM-Plattenbaus geschraubt wurde. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) hatte das 90 Quadratmeter große Wandbild 2010 gerettet.

Es ist eine idyllische Gegend am Spreekanal gegenüber dem Auswärtigen Amt. Obwohl mitten im Zentrum und gerade mal 300 Meter vom Schlossplatz entfernt, schlendern höchstens ein paar Fußgänger vorbei, vereinzelt sind Radfahrer zu sehen. In den Autos, die dort lang fahren, sitzen meist Anwohner.

Im Oktober 2013 wurde an dem WBM-Wohnhaus an der Ecke Friedrichsgracht und Sperlingsgasse ein Kunstwerk enthüllt, das 45 Jahre lang wenige Meter weiter an der Fassade des DDR-Bauministeriums an der Ecke Gertrauden- und Breite Straße hing: „Der Mensch, das Maß aller Dinge“. Als das Bauministerium abgerissen wurde, hat die WBM gemeinsam mit dem Verein Freundeskreis Walter Womacka das Riesenbild gerettet und die 360 emaillierten Kupferplatten abgebaut und eingelagert. Walter Womacka konnte dies nicht mehr erleben. Er verstarb wenige Tage vor der Abnahme am 18. September 2010.

Seit Oktober 2013 hängt das Monumentalwerk an dem sanierten Plattenbau gegenüber dem Auswärtigen Amt. Das Gebäude am Werderschen Markt war von 1959 bis zur Wende 1989 Sitz des Zentralkomitees der SED.

Das 15 mal sechs Meter große Womacka-Bild zeigt in freier Anlehnung an Leonardo da Vincis berühmten „Vitruvianischen Menschen“ einen Arbeiter oder Architekten, der in einen Kreis eingestellt seinen rechten Arm angewinkelt zur Seite streckt. In seiner linken Hand hält er ein Papier, möglicherweise einen Bauplan. Der Architekturhistoriker Bruno Flierl hatte das Motiv und den Titel bei der Abnahme des Werks 2010 als Mahnung an die Baufachleute im DDR-Ministerium interpretiert.

Walter Womacka gilt als herausragender Vertreter der Kunst des „Sozialistischen Realismus“. Er war von 1968 bis 1988 Rektor der Kunsthochschule Weißensee. Er hat zahlreiche Tafelbilder, Grafiken und Glasfenster entworfen. Im ehemaligen Staatsratsgebäude, der heutigen privaten Hochschule ESMT, kann man sein riesiges Glasmotiv im Treppenhaus sehen. Berühmte Womacka-Werke sind der Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Alexanderplatz, das Mosaikfries „Unser Leben“ am Haus des Lehrers oder das Kupferrelief „Mensch und Raum“ am Haus des Reisens.

Seine drei großformatigen Wandbilder, die er 1969 für den Neubau des DDR-Außenministeriums entworfen hatte, wurden beim Abriss des Gebäudes 1995/96 vernichtet. Diese Schicksal drohte auch dem Wandbild „Der Mensch, das Maß aller Dinge“ von 1968. Nach längeren Diskussionen übernahm die WBM das Kunstwerk, restaurierte es und ließ es im Oktober 2013 am jetzigen Standort anschrauben.

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