Nur dritte Wahl: Wie der Stierbrunnen seinen Platz im Bötzowviertel fand

Einer der mächtigen Stiere, flankiert vom Fischer mit seinem Netz und der Bäuerin mit Feldfrüchten. Foto: Schilp
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Prenzlauer Berg. Er ist nicht zu übersehen: Der monumentale Brunnen der Fruchtbarkeit – besser bekannt als Stier- oder Ochsenbrunnen – ist der Mittelpunkt der Grünanlage auf dem Arnswalder Platz. Doch erst nach vielem Hin und Her wurde er im Jahre 1934 dort aufgestellt.

Sage und schreibe 7,7 Meter misst die Brunnenschale im Durchmesser und übertrifft damit ihr Vorbild im Berliner Lustgarten um fast drei Meter. Flankiert wird sie von zwei mächtigen, fünf Meter hohen Stieren. Zu deren Füßen sitzen eine Bäuerin mit Ährenbündel, ein Fischer mit Netz, ein Schäfer mit Widder und eine Mutter mit Kind.

Kein Geringerer als der damals sehr bekannte Berliner Bildhauer Hugo Lederer hat den Brunnen aus rotem Porphyrtuff geschaffen. Den Auftrag dafür erhielt er von der Regierung der Weimarer Republik. Sie wollte das Kunstwerk auf dem Baltenplatz in Friedrichshain aufstellen, dem heutigen Bersarinplatz.

Die Steinmetzarbeiten wurden direkt im Steinbruch nahe des sächsischen Rochlitz erledigt. Doch kaum dass die Einzelteile des Brunnens in Berlin angekommen waren, rieben sich die Verantwortlichen die Augen: Er war mit seinen zwölf Tonnen viel zu schwer. Unter dem Baltenplatz verliefen nämlich gusseiserne Gas-, Wasser- und Entsorgungsrohre, die dem Gewicht nicht hätten standhalten können. Sie zu verlegen hätte 120.000 Reichsmark gekostet; das war entschieden zu teuer.

Schnell verfielen die Stadtherren auf die Idee, den Forckenbeckplatz mit dem Brunnen zu schmücken. Er lag nahe dem Zentralschlachthof – und der hatte Hugo Lederer angeblich zu seinen steinernen Stieren inspiriert. Doch auch dieser Plan zerschlug sich: Der Untergrund war zu sumpfig.

So fand der Kolossalwerk seinen Standort schließlich auf dem Arnswalder Platz. Weil er auf einem eiszeitlichen Grundmoränenrücken liegt, bot er genug Stabilität. Doch die Probleme hatten damit noch kein Ende. Inzwischen waren die Nationalsozialisten an die Macht gekommen, und die lehnten eine Bauabnahme ab. Sie ließen es auf eine Klage ankommen, aber wurden per Gerichtsentscheid schließlich dazu gezwungen, die Kosten zu übernehmen. sus

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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