Landleben und Großstadtverkehr: Wie der Eichborndamm zu seinem Namen kam

Unter dem S-Bahnhof Eichborndamm hindurch fahren die Autos, aus Reinickendorf kommend, Richtung Wittenau.
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In der neuen Serie „Straßen im Bezirk“ stellt die Berliner Woche interessante Verkehrswege vor, aber auch interessante Menschen und kuriose Ereignisse, die mit ihnen in Verbindung stehen. Den Anfang macht der Eichborndamm.

Wer einen Unterschied Reinickendorfs zu anderen Bezirken beschreiben soll, kommt schnell zu der Tatsache, dass der Bezirk kein richtiges Zentrum hat. Er ist zusammengewachsen aus sechs Dörfern, wie es erst kürzlich eine Ausstellung im Museum Reinickendorf zeigte. Das unterscheidet ihn zum Beispiel vom Nachbarn Spandau mit dessen Altstadt, die noch heute mit Marktplatz, Rathaus und Nikolaikirche ein klassisches Zentrum hat.

Es gibt dafür aber eine Straße, die besonders für Reinickendorf steht: den Eichborndamm. Und das nicht nur, weil unter den Hausnummern 215-239 mit dem Rathaus hier zumindest das politische Zentrum zu finden ist. Der Eichborndamm steht auch für die Unterschiede, die den Bezirk kennzeichnen, und die sich an dieser Straße aufreihen.

Zur Geschichte

Zunächst einmal zur Geschichte. Ludwig Eichborn (1819-1903) hatte einen Beruf, der heute nicht gerade sympathisch klingt. Er war Konkursmassen-Verwalter beim Stadt- und Kreisgericht Berlin und betätigte sich zudem als Bankier und Lotterie-Obereinnehmer. Das muss alles sehr einträglich gewesen sein, denn er verfügte über große Ländereien, auch in Reinickendorf. Noch zu seinen Lebzeiten erhielt die Eichbornstraße 1875 seinen Namen. Sie verlief von der Scharnweberstraße zum heutigen S-Bahnhof Eichborndamm.

1937 wurde aus der Straße ein Damm, und der führte dann schon vom S-Bahnhof bis zum heutigen Alt-Wittenau. 1958 wurde dann auch noch das Stück bis zur Oranienburger Straße zum Eichborndamm. Wer dort seinen Gang über die Straße beginnt, wird noch an das ländliche Wittenau erinnert mit Ackerbürgerhäusern, hinter denen rechter Hand der Göschenpark zum Verweilen einlädt.

Mahnendes Relief

Hinter der Dorfaue Wittenau ist schon der Rathaus-Altbau aus dem Jahr 1911 zu sehen, an dem ein Relief dem Spaziergänger mahnend mittteilt, dass des Bürgers Zierde die Arbeit sei. Die Eichenallee auf der Wiese gegenüber vom Rathaus kann von spendenfreudigen Bürgern immer noch erweitert werden.

Wenn dann die Straße Am Nordgraben überquert ist, kommt der Spaziergänger in eine andere Welt. Nach wenigen Kleingärten sind rechter Hand ehemalige Industriebauten zu sehen, in denen sich neben Gewerbe auch Gedächtnis sammelt. In der Deutschen Dienststelle, Eichborndamm 179, wird noch immer dem Schicksal von Wehrmachtsangehörigen im Zweiten Weltkrieg nachgegangen. Hinter der Hausnummer 167 ist das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv zu finden, und hinter der Nummer 115 wartet das Gedächtnis aller Behörden und Einrichtungen der deutschen Hauptstadt, das Landesarchiv Berlin, auf interessierte Besucher.

Wer dann die S-Bahn-Unterführung nutzt, ist bald im Wohngebiet, in dem sich aber auch noch viel kleineres Gewerbe hält. Anwohner dürfen hier nicht allzu viel gegen Lärm haben, sei es den von der Straße oder den Flugzeugen von Tegel. So schlägt der Eichborndamm eine Brücke vom noch in Ansätzen ländlichen Wittenau zum selten ruhigen Großstadtverkehr unweit des Kurt-Schumacher-Platzes.

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