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Vergessene Mauer von Schönholz: Parzellengrenze wurde Polit-Grenze

Wo: S-Bahnhof Schönholz, Provinzstraße, Berlin auf Karte anzeigen
Hinter Bäumen fast verschwunden: Berliner Mauer in Reinickendorf.
Hinter Bäumen fast verschwunden: Berliner Mauer in Reinickendorf. (Foto: Christian Schindler)

Der Bezirk ist größer, als mancher es vermutet. Ein Stück der Berliner Mauer, von vielen in Pankow verortet, gehört zu Reinickendorf.

Nach einem alten Sprichwort sehen manche Menschen den Wald vor lauter Bäumen nicht, aber es gibt auch andere Dinge, die beinahe hinter Bäumen verschwinden. Ein Pankower Heimatforscher hatte kürzlich darauf verwiesen, dass am S-Bahnhof Schönholz nach ein Stückchen originaler Mauer stehen könnte.

Viele werden sich noch erinnern: Die S-Bahntrasse, die dort Richtung Stadtzentrum führt, verlief in Schönholz wie auch in Wedding parallel zur Mauer. Bis nach dem Mauerfall gab es am S-Bahnhof Schönholz eine Gastwirtschaft, die als „letzte Kneipe vor der Grenze“ für sich warb. Hinter der S-Bahn-Unterführung der Provinzstraße war dann für die West-Berliner Sackgasse, vor der Mauer.

Die ist schon lange weg. Doch gut versteckt hat sich offenbar ein Teil gehalten, wenn man durchs dichte Gestrüpp von der Provinzstraße Richtung Stadtmitte auf eigentlich Pankower Seite geht. Dann stößt man auf die Mauerreste, die laut Landesdenkmalamt vom 5. Februar tatsächlich ein Teil der Berliner Mauer waren. Und noch dazu im Besitz von Reinickendorf. Der Bezirk beteiligte sich zwar nicht am Grenzregime der DDR, hatte den Streifen aber im Zuge einer Grenzbegradigung 1988 erhalten, wie Recherchen des Amtes und der Stiftung Berliner Mauer ergaben.

Entstanden war dieses Mauerstück allerdings nicht als Grenze zweier gegensätzlicher Regimes. Es sollte ursprünglich Parzellen an der Pankower Buddestraße vom benachbarten Bahnhof trennen. Als dann aber die Mauer gebaut wurde, wurde das alte Stück „ergänzt, erhöht und mit Sperrelementen versehen“, so das Landesdenkmalamt.

Die Stiftung Berliner Mauer will die kuriose Entdeckung in ihr Mauerkonzept einbauen. Das Bezirksamt reagierte übrigens schnell: Noch bevor feststand, dass es sich um eine Reinickendorfer Mauer handelt, ließ Bürgermeister Frank Balzer (CDU) das Stück mit einem Bauzaun sichern.

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