MemoreBox mobilisiert erfolgreich Heimbewohner
Im Rollstuhl Briefe zustellen

Projektmanager Jens Brandis schaut zu, wie eine Domicil-Bewohnerin virtuell Briefe zustellt.
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Die Krankenkasse Barmer hat eine speziell für Senioren entwickelte Spielekonsole im Domicil-Seniorenpflegeheim an der Thaterstraße in die zweite Pilotphase geschickt.

Die alte Dame sitzt im Rollstuhl, geht aber gerade einer sehr rasanten Tätigkeit nach. Sie stellt Briefe zu in einer Vorstadtsiedlung aus Einfamilienhäusern. Und eigentlich sitzt sie nicht im Rollstuhl, sondern auf einem Fahrrad, aus dessen Satteltaschen sie Briefe holt. Diese wirft sie in die Briefkästen vor den Häusern.

Die Person auf dem Fahrrad ist eine Figur aus dem Computerprogramm der MemoreBox. Die wurde entwickelt vom digitalen Gesundheitsstartup RetroBrain R&D. Die Entwicklung der therapeutisch-präventiven Spielekonsole wurde wiederum angestoßen vom Gesetzgeber, der die Pflegekassen dazu anhält, Vorschläge zur Verbesserung der Fähigkeiten der Pflegebedürftigen zu entwickeln und diese auch umzusetzen.

Welcher Brief gehört in welchen Kasten?

Versetzt sich ein Spieler also in den Briefträger, trainiert er „kognitive Reizverarbeitung und die motorische Präzision“, wie es die Experten von RetroBrain R&D ausdrücken. Konkret heißt das, dass der Spieler den Briefträger und seine Tour genau im Blick haben muss. Das Computerprogramm lässt den Briefträger fahren und in unterschiedlichen Abständen Briefkästen passieren. Der Spieler steuert dann selbst mit von einer Kamera aufgenommenen Armbewegungen das eigentliche Zustellen. Die Kästen haben unterschiedliche Farben, wie auch die Satteltaschen des Fahrrades. Der Spieler muss also schnell entscheiden, wann und in welche Tasche der virtuelle Briefträger greift.

Verlierer gibt es in diesem Spiel übrigens nicht. Trifft der Spieler nicht den richtigen Kasten, fliegt der Brief in den Vorgarten – „amerikanische Zustellung“ nennt das Jens Brandis, Projektmanager von RetroBrain R&D. Er hat mit der MemoreBox schon persönliche Erfahrungen gemacht. Zu den Spielangeboten gehört auch eine Motorradfahrt. Nachdem sich Brandis’ Vater einmal vor die MemoreBox setzte, erzählte er anschließend ganz stolz, er sei mit dem Motorrad von Hamburg nach Berlin gefahren.

100 Einrichtungen sind in Phase zwei dabei

Andere Spielangebote der MemoreBox sind Kegeln und Tanzen. „Bei Bewohnern, die zwei bis drei Mal in der Woche an der MemoreBox spielten, zeigte sich eine Stärkung der geistigen Leistungsfähigkeit, der Stand- und Gangsicherheit, der Motorik-, Ausdauer- und Koordinationsfähigkeit“, beschreibt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer für Berlin und Brandenburg die Ergebnisse der ersten Pilotphase. Dafür wurde die MemoreBox in zwei Berliner und Hamburger Einrichtungen 18 Monate lang getestet. Jetzt begleiten die Alice Salomon Hochschule Berlin, die Charité und die Humboldt-Universität die zweite Pilotphase in 100 Einrichtungen.

Boris Velter, Beauftagter von Charité und der landeseigenen Klinikgesellschaft Vivantes für die Gesundheitsstadt Berlin 2030 und Schirmherr des Präventionsprojektes MemoreBox ist schon jetzt überzeugt: „Sie hilft Pflegekräften bei der Mobilisierung von Heimbewohnern und bietet diesen unterhaltsame Stunden.“

Projektmanager Jens Brandis schaut zu, wie eine Domicil-Bewohnerin virtuell Briefe zustellt.
Projektmanager Jens Brandis zeigt, wie der Briefträger mit Armbewegungen des Spielers gesteuert wird.
Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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