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Immer mehr Leihfahrräder stehen im Bezirk

Lidl Bikes brauchen keine feste Stationen.
Lidl Bikes brauchen keine feste Stationen. (Foto: KEN)

Schöneberg. Scheinbar über Nacht waren sie da: die blauen und grünen Fahrräder. Seit rund einem halben Jahr gibt es in Berlin zwei große Fahrradverleihsysteme. Die Stahlrösser von Nextbike und Lidl Bike stehen auch in den touristisch attraktiven Kiezen Schönebergs.

Rund 4500 Leihfahrräder soll es laut Stadträtin für Bürgerdienste und Ordnung, Straßen- und Grünflächen, Christiane Heiß (Grüne), im Berliner Innenstadtbereich geben. In Schöneberg konzentrieren sie sich auf dem Winterfeldtplatz und in der Akazienstraße.

Nextbike aus Leipzig hat eine europaweite Ausschreibung des Landes Berlin für den Aufbauf eines Fahrradleihsystems in den nächsten fünf Jahren gewonnen, erhält dafür 1,5 Millionen Euro und zahlt eine sogenannte Sondernutzungsgebühr an das Bezirksamt, weil das Unternehmen öffentliches Straßenland für seine Stationen nutzt.

Lidl Bike, eine Kooperation der bei der Ausschreibung unterlegenen Deutschen Bahn und des Discounters Lidl, zahlt keine Gebühren. Lidl Bike verwende keine festen Stationen, sondern habe die Stadt in virtuelle Rückgabezonen eingeteilt.

Also stehen diese Leihfarräder überall herum. „Und", sagt Dezernentin Heiß, „eine Reihe Fahrräder stehen am falschen Ort.“ Trotzdem gebe es von Bürgern nur wenige Beschwerden. Im vergangenen halben Jahr seien im Bezirksamt vier eingegangen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat auf eine entsprechende Anfrage der Berliner Woche leider nicht geantwortet.

Christiane Heiß sieht in den kommenden fünf Jahren ein Problem mit Fahrradabstellplätzen heraufziehen. Die Nachfrage wachse schneller als das Angebot, so Heiß. Beispielgebend sei die Stadt Potsdam. Am dortigen Hauptbahnhof wurde eine ganze Tiefgaragenetage für Fahrräder bereitgestellt. „Da passen mindestens 1000 Räder hinein“, schwärmt Christiane Heiß.

Das lukrative Geschäft mit Leihfahrrädern kann in Berlin noch weiter wachsen. Es ist kein geschlossener Markt. Langfristig könne so der innerstädtische Autoverkehr entlastet werden, meint Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD). Allerdings, das sieht auch sie so, müsse sich die Stadt darüber Gedanken machen, wo die vielen Räder stehen sollen. „Hier könnte man über Lösungen nach niederländischem Vorbild nachdenken. Dort gibt es bereits flächendeckend Parkhäuser für Fahrräder“, sagt Schöttler.

„Berlin verkraftet mehrere Anbieter gut“, meint Bürgermeisterin Schöttler, wenn man sie auf den wirtschaftlichen Aspekt anspricht. Die angestammten Fahrradverleih-Unternehmen haben laut Industrie- und Handelskammer Berlin noch „keine Position zu diesem Thema", wie es Pressesprecher Jörg Nolte formuliert.

Um die kleinen Verleiher im Bezirk ist der Bürgermeisterin aber nicht allzu bange. Sie offerieren Leistungen an, die eine anonyme Fahrradstation nicht biete: Verkauf, Reparaturservice, Beratung und einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut. Zudem seien die Fahrräder kleiner stationärer Verleihstationen nicht unbedingt als Leihräder zu erkennen. Auch das sei ein Vorteil, der andere Kundenkreise als die der beiden Großanbieter anspreche. KEN

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