Berlin ist eine Bahnstadt
Neuer Geschichtsparcours Yorckbrücken eröffnet

Am Zentralen Informationsort an der Yorckstraße kann man sich erste Informationen zum Geschichtsparcours holen.
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„Sind die hässlich“, konnte man früher nicht selten zu hören. Gemeint waren die Yorckbrücken an der Grenze zu Kreuzberg. Nun stehen die 24 von einst 40 Bauwerken unter Denkmalschutz. Sie sind und werden in den kommenden Jahren saniert. Ein neuer Geschichtsparcours erläutert die historisch-technische Bedeutung der Yorckbrücken. Am 31. Oktober wurde er eröffnet.

Entwickelt wurde der Rundgang in der Yorckstraße und ihrer Umgebung von Irene von Götz, der Leiterin des Fachbereichs Kunst, Kultur, Museen, in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Stadtplanung im Bezirksamt und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Bauen. Realisiert wurde er vom Berliner Gestaltungsbüro eckedesign, finanziert vom Bund und vom Land Berlin. Der Geschichtsparcours Yorckbrücken ist der vierte historische Rundgang im Bezirk nach denen zum Schwerbelastungskörper und zum SA-Gefängnis in der General-von-Pape-Straße sowie der „Inseltour“ auf der Schöneberger Roten Insel.

„Zwischen 1875 und 1940 entstanden die zahlreichen Brücken, die den Bahnverkehr vom Anhalter, Dresdner und Potsdamer Bahnhof möglich machten. Unter ihren Erbauern waren so berühmte Architekten wie Franz Schwechten, der unter anderem die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche entwarf“, sagte Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) bei der Eröffnung.

1877 zählte Berlin bereits eine Million Einwohner. Das Verkehrsaufkommen war enorm. Um die Verkehrsflüsse nicht zu beeinträchtigen, entschieden sich die Stadtväter für den Brückenbau.

Stadträtin Kaddatz erinnerte daran, dass die Yorckbrücken in der NS-Zeit zum Ort des Verbrechens wurden. Vom Anhalter Bahnhof fuhren ab 1942 die Züge über die Brücken in Richtung Konzentrationslager Theresienstadt an der Strecke Dresden-Prag. Rund 10 000 jüdische Menschen wurden auf diese Weise deportiert.

Bedeutungsverlust durch die Teilung

Mit der deutschen Teilung verloren die Brücken ihre verkehrstechnische Bedeutung. Erst mit der Wiedervereinigung wurde ihnen Aufmerksamkeit zuteil. 1993 wurden sie unter Denkmalschutz gestellt. Heute sind die Yorckbrücken nicht nur ein technisches Baudenkmal. Sie sind auch zur bedeutenden Verbindung zwischen Flaschenhals- und Gleisdreieckpark geworden.

Nach den Worten von Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) dokumentieren die Yorckbrücken den Einfluss, den die Eisenbahn im 19. Jahrhundert auf die Berliner Stadtplanung nahm. Berlin sei eine Bahnstadt gewesen und sei es noch heute, sagte Jörn Oltmann. Das mache die Bahn nicht nur mit ihrer Konzernzentrale am Potsdamer Platz deutlich.

In der dortigen Chefetage hatte man allerdings vor, Brücken abzureißen, und Oltmann erinnert sich an „sehr unliebsame Gespräche“ mit Bahnvertretern. Nun sei eine Teilvereinbarung zur Sanierung getroffen worden. „So haben wir hoffentlich die Diskussion hinter uns gebracht“, so der Stadtrat.

Wie für die anderen Geschichtsparcours gibt es auch für den Parcours Yorckbrücken kostenloses Informationsmaterial. Eine umfangreiche Broschüre und ein praktischer Faltplan im Taschenformat sind im Rathaus Schöneberg und im Schöneberg Museum erhältlich. Mit der feierlichen Eröffnung wurde zudem die Webseite www.yorckbruecken.de auf Deutsch und Englisch freigeschaltet.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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