Die Hexe von Spandau: Wurstverkäuferin sorgt für besonderes Halloween-Spektakel

Unter dieser Maske würde niemand die nette Wurstverkäuferin Petra Rößler, genannt Rosi, vermuten.
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  • Unter dieser Maske würde niemand die nette Wurstverkäuferin Petra Rößler, genannt Rosi, vermuten.
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Spandau. „Hexenküche“ prangt an der Wohnungstür, neben dem Schriftzug baumeln drei Stoffpuppen mit Besen, Hut und Hakennase: Ein paar Tage vor dem 31. Oktober hat Petra Rößler aus der Zweibrücker Straße nur noch Halloween im Sinn. Dann feiert sie mit Kindern aus ihrem Kiez ein schaurig-schönes Geisterfest.

Nun zeichnet sich die gemeine Hexe ja eher selten durch ihren Liebreiz aus – der Anblick dieses Exemplars lässt einem aber die Knie schlottern: Wolfsaugen starren böse aus dem giftgrünen Gesicht, das folgende Gelächter unterm Warzenzinken ist schrill und entblößt rabenschwarze Zähne. Spätestens beim Griff ihrer Klauen kommen Fluchtgedanken auf ... Muss es denn gleich so grausig sein? „Na klar“, trötet Petra Rößler, die in dem Grusel-Outfit steckt. „Eine Hexe muss böse aussehen. Sowas Niedliches wie Bibi Blocksberg – das ist nicht mein Ding.“

Seit neun Jahren stellt Petra Rößler – in ihrem Kiez jedermann als Rosi bekannt – ein Halloween-Spektakel für die Kinder aus dem Wohngebiet rund um die Zweibrücker Straße auf die Beine. Den ganzen Hausflur in Nummer 58 verwandelt sie dann in eine Geisterbahn: In der ersten Etage dampft ein Hexenkessel, Kürbis-Fratzen grinsen von den Fensterbänken, alle Nase lang stolpern die Besucher über Ratten und Totenköpfe oder verheddern sich in Spinnweben. Dutzende Skelette komplettieren das mehrstöckige Gruselkabinett.

Petra Rößler opfert jedes Mal eine ganze Woche Urlaub; die Zeit braucht sie, um das Treppenhaus so schön schauerlich zu dekorieren. Zwei Stunden dauert es zudem, bis aus der attraktiven Mittfünfzigerin – im echten Leben Verkäuferin an der Wursttheke im Supermarkt – ein unheimliches Wesen wird, dem selbst die Brüder Grimm Respekt gezollt hätten. Ob denn die Kinder nicht Angst bekämen? „Ach was, die kennen mich doch alle. Ich bin ja mit Abstand die netteste Hexe.“ Sicher: Dass am Halloween-Abend alljährlich bis zu 100 Mädchen und Jungen die Zweibrücker Straße 58 stürmen, liegt nicht allein am Gruselerlebnis. Die vermeintlich „böse Alte“ spendiert Berge von Süßigkeiten. 70 Kilogramm Bonbons, Gummibärchen und Lutscher schleppt die Hobby-Hexe in der letzten Oktoberwoche für ihre kleinen Besucher an. Auf Pfefferkuchen verzichtet sie allerdings.

Als 2006 vier Mini-Vampire an ihrer Tür klingelten und forsch das „Süßes-oder-Saures“-Sprüchlein aufsagten, war Petra Rößler sofort infiziert. „Ich fand das bloß ein bisschen langweilig“, erinnert sich die zweifache Oma. „Da dachte ich mir, dass es doch lustiger wäre, mich selbst zu verkleiden und die Mäuse beim nächsten Mal ein bisschen zurückzuerschrecken.“ Welches Kostüm es sein sollte, stand sowieso schon fest: „Meine Urgroßmutter hat aus Karten gelesen und Warzen besprochen. Damals nannte man solche Frauen Hexen. Mir liegt das also im Blut.“ Jahr für Jahr tüftelt die Spandauerin nun an ihrer Halloween-Erscheinung herum, kauft oder bastelt neues Zubehör. Mal kommt zierlicher Totenkopf-Schmuck ums Handgelenk, mal eine weitere Gummifroschleiche an den Krückstock. In diesem Jahr hockt erstmals ein laut krächzender Stoff-Rabe im Hexenkorb, der fast so Furcht einflößend aussieht wie seine Herrin. bm

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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