130 Jahre Juwelier Brose
Große Jubiläumsfeier mit Ausstellung am 9. November 2019

Katrin Germershausen führt das Familienunternehmen mittlerweile in vierter Generation.
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Im November 1889 kauft der Ur-Großvater von Katrin Germershausen das Brose-Haus in der Breiten Straße. 130 Jahre später zählt das Familienunternehmen Juwelier Brose zu den bekanntesten in Spandau. Am 9. November wird das Jubiläum groß gefeiert.

Das Brose-Haus hängt an der Wand. 130 Jahre bewegte Geschichte ein Dutzend Mal aufs Bild gebannt. Die gerahmten Portraits der Eltern im Wohnzimmer, der Ur-Großvater im Album. Katrin Germershausen hat ihre Vorfahren gern um sich. Der Familiengeist gibt ihr ein erhabenes Gefühl, macht sie stolz und treibt sie an. Denn eine so lange Tradition ist keine Selbstverständlichkeit.

„Das wissen auch die Kunden zu schätzen“, sagt die Chefin. Seit 17 Jahren führt Katrin Germershausen Spandaus ältestes Familienunternehmen in der Altstadt. 2002 übernimmt sie es in vierter Generation von ihren Eltern Renate, Tochter von Friedrich Brose, und Walther Germershausen. Der Weg zum Erfolg ist nicht leicht, aber reich an Anekdoten. 1889 kauft Wilhelm Brose dem Klempner Ludewig das Haus in der Breiten Straße 23 am Marktplatz ab und gründet am 10. November das Geschäft Brose. Darüber liegt die Wohnung, in der Katrin Germershausen heute noch wohnt. Uhrmacherei und Brillenschleiferei florieren schnell. Die Spandauer schätzen Broses verlässliche Arbeit und seinen Humor. Wohlhabene Bürger kaufen bei ihm ihre erste Taschenuhr, Bräute träumen beim Anblick der Eherringe von einer goldenen Zukunft. Der Ur-Großvater ist damals schon seiner Zeit voraus. So nutzt er moderne Gaslichter statt Öllampen. „Meine Mutter erzählte mir, wie er immer durch die Wohnung rannte, sodass im Geschäft das Licht ausging.“ Gaslichter halten die Vibration nicht aus.

Fahrräder treiben Schleifsteine an

Mit Sohn Friedrich wächst das Brose-Haus Stück für Stück weiter. Um 1910 kauft Wilhelm das leere Ladengeschäft nebenan dazu. 1918 steigt Friedrich ins Geschäft ein, lernt von seinem Vater das Handwerk des Uhrmachers und legt zusätzlich die Prüfung zum Augenoptiker ab. Auch die Familie wächst. Friedrich heiratet, bekommt zwei Töchter und der einstöckige Barockbau am Marktplatz sein zweites Stockwerk. Bei einem Luftangriff am 3. Dezember 1943 wird das Haus zerstört. Die Detonation reißt die 15 Meter lange Hauswand aus der obere Etrage, verwüstet Verkaufsräume und Werkstatt. Friedrich repariert den Schaden mit einer Holzwand aus einer alten Baracke. Mehr als einmal löst sich das Provisorium. „Brose hat schon wieder seine Wand runtergeschmissen, pflegten die Nachbarn zu sagen, wenn das Ding zu Boden krachte“, erzählt Katrin Germershausen. Trotz Zerstörung geht die Arbeit unverdrossen weiter. Statt Strom treiben Fahrräder die Schleifsteine in der Optik an, Uhrenersatzteile fertigen Brose und Mitarbeiter mit der Hand.

Auch die Frauen arbeiten im Betrieb. „Meine Mutter erlernte nach der Schule gleich das Optiker-Handwerk und legte mit 24 Jahren als eine der ersten Frauen in Deutschland die Meisterprüfung als Augenoptikerin ab.“ Katrin Germershausen ist darauf besonders stolz. Von ihrer Mutter hat sie das Temperament und den Optimismus, sagt sie. Der Vater war der ruhige Pol.

Zum 75. Jubiläum 1964 präsentiert sich das inzwischen weiter vergrößerte Geschäft mit zwei separaten Eingängen, die Sparten Juwelen/Uhren und Augenoptik werden räumlich getrennt. Renate und Walther Germershausen haben da schon vier Kinder.

Umtriebige Geschäftsfrau

Katrin Germershausen, heute 61 Jahre alt, macht in Hannover ihre Gesellenprüfung zur Goldschmiedin und zieht 1984 für die Ausbildung zur Meisterin in die „Goldstadt“ Pforzheim. Nebenbei studiert sie als Gasthörerin an einer Fachhochschule Design und kehrt 1986 nach Spandau zurück. Sie baut den alten Pferdestall im heutigen Handwerkhof zur Schmuckgalerie um und eröffnet 1987 die „Galerie Spandow“. Die erste Tochter Mia ist da erst drei Monate alt. Mit ihrer Goldschmiede-Kunst bringt Katrin Germershausen zur Optik und Uhrmacherei ihrer Eltern ein drittes Handwerk in den Familienbetrieb. Das Juweliergeschäft Brose hat deshalb heute drei Werkstätten. Im Backsteinhaus gegenüber der Galerie entsteht mit den Jahren ein großer Ausstellungsbereich. 1994 kommt noch ein Kunstsalon im ausgebauten Seitenflügel dazu. Dorthin lädt Katrin Germershausen regelmäßig zu Vernissagen, Lesungen, Comedy und Konzerten ein. Als Geschäftsfrau ist sie auch in der Altstadtvertretung, im Geschäftsstraßenmanagement und im Rotary-Club engagiert. 14 Mitarbeiter hat sie heute. „Wir bilden auch aus“, sagt sie. „Ab 2020 auch Uhrmacher.“ Denn ihr ist wichtig, dass diesem Handwerk, mit dem vor 130 Jahren die Tradition des Familienunternehmens begann, nicht der Nachwuchs ausgeht.

Am 9. November wird der 130. Geburtstag von 11 bis 18 Uhr groß gefeiert, mit einer Hausmesse und einer Vernissage im Juweliergeschäft und in der „Galerie Spandow“. Gezeigt werden unter anderem Trauringe von Christian Bauer und Schmuck von Flex, Hesse-Perlen und Ponte Vecchio. Auch Uhren-Neuheiten bekannter Designer werden vorgestellt. Meistersinger präsentiert die auf zehn Stück limitierte Berlin-Uhr. Diese Uhr wurde von Juwelier Brose exklusiv zum 30. Jahrestags des Mauerfalls aufgelegt. Musikalisch stehen auch „Wende“-Lieder auf dem Programm. In der „Galerie Spandow“ präsentiert Michael Schimmel nur an diesem Tag handgeschmiedete Messer. Zeitgleich eröffnet die 115. Ausstellung mit Kunst von Benjamin Polny und Schmuck von über 30 Designern der Galerie. Die Ausstellung endet am 4. Januar 2020.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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