Unverständnis über Verhalten des Kommunikationsunternehmen
Telekom lässt Bücherregale aus Telefonzelle räumen

Die Telekom bezeichnete das Aufstellen von Bücherregalen als "mutwillige Beschädigung" ihrer Telefonzelle. Anwohner hatten das Stadtmöbel an der Rothenburgstraße/Ecke Zimmermannstraße zu einer "Büchertausch-Telefonzelle" erweitert.
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  • Die Telekom bezeichnete das Aufstellen von Bücherregalen als "mutwillige Beschädigung" ihrer Telefonzelle. Anwohner hatten das Stadtmöbel an der Rothenburgstraße/Ecke Zimmermannstraße zu einer "Büchertausch-Telefonzelle" erweitert.
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An der Rothenburger Straße, Ecke Zimmermannstraße erweiterten Anwohner eine Telefonzelle um Regale mit Büchern – und bekamen Ärger. Die Telekom als Eigentümerin der Zelle sah darin eine „Beschädigung“ und ließ die „Büchertausch-Telefonzelle“ räumen.

„Wegen mutwilliger Beschädigung geschlossen“ stand bis vor einer Woche an der mit rot-weißem Plastikband versperrten Zelle. Das bedauerten die Nachbarn sehr. Denn von „mutwilliger Beschädigung“ zu sprechen, sei doch ziemlich übertrieben. Die Telefonzelle wurde aus Sicht der Anwohner keineswegs beschädigt. Auch das Telefon scheine nach wie vor in Ordnung zu sein. Die Telefonzelle mit Büchertauschfunktion würde wunderbar funktionieren, erklärte Anwohner Christian Schadler. „Dank des Einsatzes vieler Menschen verschwand auch so manches zwangsläufig entstehende Durcheinander quasi über Nacht wieder“, berichtet er gegenüber der Berliner Woche. Durch kleine Regale und Holzkisten bekam das Ganze einen sehr aufgeräumten Charakter. Das sieht die Telekom offenbar ganz anders und hat sich an Polizei und Ordnungsamt gewandt. Erstere soll nun wegen Beschädigung ermitteln und das Ordnungsamt die „illegale Müllabladung“ beseitigen.

Auf Nachfrage der Berliner Woche erklärte Georg von Wagner, Sprecher der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom: „Bei der Telefonzelle in Steglitz, Rothenburger Straße, Ecke Zimmermannstraße, handelt es sich um Eigentum der Telekom. Eine Nutzung als ,Bücherbox' oder ,Büchertausch-Telefonzelle' ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich.“ Dazu gehörten unter anderem Brandschutz, Verletzungsgefahr durch herabfallende Bücher und Sauberkeit.

Wenig Verständnis für die Haltung der Telekom zeigt die Nachbarschaft Schade finden viele das Verhalten des Unternehmens und freuen sich über die Initiative aus der Nachbarschaft. „Eine tolle Sache... die Zelle funktioniert doch auch mit Büchern... bestimmt wieder irgendeine doofe Vorschrift ...“, schreibt ein Anwohner auf dem Nachbarschaftsportal nebenan.de. „Das ist wirklich sehr schade. Das war eine tolle Idee, dort eine Bücherbox zu errichten...“, findet ein anderer.

Inzwischen gibt es auch eine Unterschriftensammlung für den Erhalt der „Büchertausch-Telefonzelle“. Weit über 100 Menschen haben unterschrieben. Allerdings besteht keine Aussicht auf Erfolg. Denn: Die Telefonzelle werde weiter als Telefonzelle verbleiben und zwar nur als solche, teilt Telekom-Sprecher von Wagner mit. „Sie wird nach der Räumung wieder für Telefonate zur Verfügung stehen. Es ist nicht beabsichtigt, sie stillzulegen“, macht der Telekom-Sprecher klar. Er räumt ein, „dass es selbstverständlich möglich sei, vor der Aneignung fremden Eigentums mit uns zu sprechen und eine Telefonzelle zu erwerben. „Eine Mail mit den Wünschen der Anwohner hätte genügt.“

Inzwischen ist die Telefonzelle tatsächlich beräumt worden. Wohin die Bücher und Regale gebracht worden sind, sei nicht bekannt, teilt Marlis Schadler mit. „Die Zelle ist wieder offen – als öde, leere Telefonzelle“, sagt die Anwohnerin. Formal sei das sicher verständlich. „Nun ist die Ordnung wieder hergestellt – leider eine sehr langweilige Ordnung.“ Sie bedauert, dass die Telekom rein bürokratisch und ohne jeden Versuch vorgegangen sei, eine gute Lösung für alle zu entwickeln. Dabei sei doch die Kommunikation das ureigenste Geschäftsmodell des Unternehmens, sagt sie.

Die Telekom bezeichnete das Aufstellen von Bücherregalen als "mutwillige Beschädigung" ihrer Telefonzelle. Anwohner hatten das Stadtmöbel an der Rothenburgstraße/Ecke Zimmermannstraße zu einer "Büchertausch-Telefonzelle" erweitert.
Von Beschädigung kann eigentlich keine Rede sein, denn das Telefon konnte noch genutzt werden, bis die Telekom die Zelle absperrte.
Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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