Historisches Gesamtkonzept für das Tempelhofer Feld gefordert

Tempelhof. Geht es nach den Bezirkspolitikern, dürfte der Senat, sollte der Volksentscheid schief gehen, seine Baupläne auf dem Tempelhofer Feld dennoch nicht umsetzen. Jedenfalls nicht so schnell.

Erst A wie Archäologie, dann B wie Beton lautet die Kurzfassung eines Antrags, den Die Linke in die BVV eingebracht und dem die Mehrheit nach einer Beschlussempfehlung vom Ausschuss für Bildung und Kultur ohne weitere Debatte zugestimmt hat. Unter der Überschrift "Bevor Beton alles zudeckt", wird ein historisches Gesamtkonzept für die Entwicklung des Tempelhofer Felds gefordert. Damit soll "der Tatsache Rechnung getragen werden", so Harald Grinda (Linke), dass es ausgerechnet an den Stellen, die der Senat bebauen lassen will, während der Nazizeit Barackenlager gab, in denen Tausende in der Rüstungsproduktion eingesetzte Zwangsarbeiter untergebracht waren. Wie berichtet, graben Archäologen seit etwa zwei Jahren nach den Überresten der Baracken, die bislang vor allem im Bereich Columbiadamm nachgewiesen wurden. "Vermutlich ist auch eine Sammelbaracke als Kranken- und Todeslager nachzuweisen, die in der Nachkriegszeit von den Amerikanern als Camp für "displaced persons" und Flüchtlinge genutzt wurde", so Grinda.

Mit dem BVV-Beschluss ist das Bezirksamt nun beauftragt, sich bei der planenden Senatsverwaltung dafür einzusetzen, dass vorm möglichen Baubeginn erstens der archäologischen Erforschung ausreichende Zeit und Unterstützung eingeräumt wird und zweitens zu prüfen, "wie eventuell die Bebauungspläne angepasst werden müssten, um Orte der dauerhaften Dokumentation und des Gedenkens einzupassen". Vor dem historisch dunklen Hintergrund soll auch die Vermarktung des Geländes als "Tempelhofer Freiheit" kritisch hinterfragt werden. Zu diesem Zweck wurde auch eine Belebung des Runden Tischs beschlossen. Bis zum 30. Juni erwartet der Ausschuss für Bildung und Kultur einen Bericht vom Bezirksamt sowie die Vorstellung der archäologischen Arbeiten. Aber möglicherweise ist das nach dem Volksentscheid schon am 25. Mai erledigt. Stimmen genug Berliner zu, darf auf dem Tempelhofer Feld ohnehin nichts gebaut werden.

Horst-Dieter Keitel / hdk
Autor:

Horst-Dieter Keitel aus Tempelhof

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