In der Sperrzone des Reaktors
Thomas Mascher zeigt Fotos aus der Region Tschernobyl

Thomas Mascher zeigt an seinem Laptop ein Bild, auf dem der Sarkophag zu sehen ist, der den Reaktor abschirmen soll.
  • Thomas Mascher zeigt an seinem Laptop ein Bild, auf dem der Sarkophag zu sehen ist, der den Reaktor abschirmen soll.
  • Foto: Bernd Wähner
  • hochgeladen von Bernd Wähner

Es gilt als eine der prägendsten technischen Katastrophen der Menschheitsgeschichte: das Reaktorunglück von Tschernobyl.

Als sich die Katastrophe im April 1986 ereignete, ahnte die Welt nichts von deren tatsächlichem Ausmaß. Erst nach und nach legten die sowjetischen Behörden einen Teil der Wahrheit offen. „Rückblickend ist kaum zu glauben, wie sorglos und wenig geschützt bereits kurz nach dem Unglück Soldaten dorthin zum Aufräumen beordert wurden“, sagt Thomas Mascher.

Der Fotograf, der an der Lehderstraße das Galerie-Café Emma T. betreibt, zeigt sich immer noch stark beeindruckt von dem, was er im Mai bei einer Fahrt nach Prypjat erfuhr und mit eigenen Augen sah. Die Stadt befindet sich in der Sperrzone von Tschernobyl. Nachdem die ersten der 44 000 Einwohner 37 Stunden nach dem Unfall aus der Stadt geschafft worden waren, entschied man am 2. Mai 1986, das Gebiet mit einem Radius von zirka 30 Kilometer um den Reaktor komplett zu evakuieren.

„Heute ist Prypjat eine Geisterstadt“, berichtet Thomas Mascher. „Aber immer mehr alte Menschen, die früher hier lebten, kommen zum Sterben zurück, unter elenden Bedingungen. Es gibt keinen Strom. Fürs Licht bringen sie Petroleumlampen mit. Und sie leben von einer kleinen Landwirtschaft. Denn Platz dafür ist in dieser Zone genug.“

Seine Reise führte Thomas Mascher eigentlich nach Kiew. Aber er wollte einen geführten Ausflug in diese Region des Landes unternehmen. „Je näher man Tschernobyl kommt, umso tiefer ist die Armut, der man begegnet“, so der Eindruck des Weißenseers.

Auf seiner Fahrt fotografierte Thomas Mascher die bedrückende Atmosphäre. Bis etwa 150 Meter kam er an den Sarkophag heran, der den Reaktor heute umgibt. Auch dort entstanden viele Fotos. „Natürlich hatte ich ein mulmiges Gefühl“, sagt er. „Wir bekamen vorher Hinweise, wie wir uns zu verhalten haben. Unter anderem durften wir nichts berühren oder gar aufheben.“ Beim Verlassen der Zone wurde bei jedem geprüft, ob die Strahlenwerte im grünen Bereich sind. „Und das war glücklicherweise der Fall“, so Mascher.

Eine Auswahl von 30 Bildern zeigt der Fotograf nun im Emma T., Lehderstraße 60, bis Anfang Dezember. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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