Aus für den Circus Voyage?
Senat kündigt Circus Pachtvertrag wegen umstrittener Wildtierhaltung

Gerade für Kinder sind Wildtiere wie das Flusspferd Jedi natürlich eine Attraktion. Ob sie in einem Zirkus artgerecht gehalten werden können, steht auf einem anderen Blatt.
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  • Gerade für Kinder sind Wildtiere wie das Flusspferd Jedi natürlich eine Attraktion. Ob sie in einem Zirkus artgerecht gehalten werden können, steht auf einem anderen Blatt.
  • Foto: Circus Voyage
  • hochgeladen von Manuela Frey

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat dem Circus Voyage wegen dessen Wildtierhaltung den Stellplatz auf dem Olympiagelände gekündigt. Der Tierschutzverein jubelt, der Zirkus ist sauer. So sauer, dass er nun juristische Schritte gegen den Senat einleitet.

Seit 24 Jahren gastiert der Circus Voyage unter der Leitung von Zirkusdirektor Alois Spindler in der Weihnachtszeit auf dem Olympiagelände, inklusive großer Silvester-Gala. In diesem Jahr hätte das große Spektakel aus der bewährten Mischung Artistik, Varieté und Tierdressur-Nummern vom 14. Dezember bis zum 6. Januar dort stattfinden sollen. Doch Innensenator Andreas Geisel (SPD) entschied sich nun dafür, den Pachtvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen.

"Es ist die richtige Entscheidung"

Dabei berief er sich auf eine Koalitionsvereinbarung, nach der die Vergabe öffentlicher Flächen an Zirkusse nur stattfindet, wenn die artgerechte Tierhaltung sichergestellt wird – und die haben die kontrollierenden Veterinärämter offenbar in Zweifel gezogen. Der Tierschutzverein für Berlin (TVB) begrüßte die Entscheidung Geisels. Das Zirkus-Unternehmen Circus Voyage führe laut eigenen Angaben über 80 Tiere mit sich, darunter Exoten wie Elefanten, Giraffen, Zebras, ein Flusspferd, Kamele, Alpakas und gelegentlich sogar Tiger. In der Vergangenheit habe es immer wieder Streit mit dem Zirkus gegeben, weil die Tiere nicht artgerecht gehalten wurden, so der TVB. Auch die Sicherheit der Besucher der Tiershow sei in der Vergangenheit nicht gewährleistet worden. Mehrfach seien Tiere aus dem Zirkus ausgebrochen. Außerdem sei ein Berliner Amtstierarzt und ein Polizist 2017 bei einer Kontrolle von einem freilaufenden Wachhund angefallen worden, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung. „Es ist die richtige Entscheidung. Artgerechte Tierhaltung ist in einem Wanderzirkus nicht möglich. Der Senat setzt damit auch ein Zeichen, er zeigt der Bundesregierung, dass deren Blockade des Bundesratsbeschlusses für ein Wildtierverbot in Zirkussen von der Berliner Landesregierung nicht hingenommen wird“, freut sich Claudia Hämmerling, stellvertretende Vorsitzende beim TVB.

Juristische Schritte eingeleitet

Der Circus Voyage wird den Korb des Senats nicht einfach hinnehmen. Man befinde sich in Gesprächen mit der Senatskanzlei, hatte Zirkus-Pressesprecher Sascha Grodotzki noch vor ein paar Tagen dem rbb gesagt, notfalls behalte man sich rechtliche Schritte vor. Der Notfall scheint mittlerweile eingetreten zu sein, auf Nachfrage der Berliner Woche schrieb Grodotzki: „Da unsere Versuche, eine gütliche Einigung mit dem Senat zu erzielen, scheiterten und der Senat von seiner kurzfristigen willkürlichen politischen und rechtlich grundlosen Entscheidung nicht abweichen möchte, wurden nun juristische Schritte gegen den Senat eingeleitet.“ Eine Stellungnahme zur Sache an sich sei ihm daher nicht möglich. Besitzer einer der mehr als 3000 bereits verkauften Eintrittskarten müssen nicht um ihre Investition zittern, dem Vernehmen nach plant der Circus Voyage die Spielzeit auf einer Ausweichfläche durchzuziehen, sollte er tatsächlich nicht auf seinem Stammplatz campieren dürfen.

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