Westend ohne Weihnachtszirkus?
"Circus Voyage" kämpft vor Gericht um sein Gastspiel am Olympiastadion

"Manege frei!" Oder doch nicht? Das Oberverwaltungsgericht muss entscheiden, ob der "Circus Voyage" zur Weihnachtszeit an seinem gewohnten Standort am Olympiastadion gastieren darf.
  • "Manege frei!" Oder doch nicht? Das Oberverwaltungsgericht muss entscheiden, ob der "Circus Voyage" zur Weihnachtszeit an seinem gewohnten Standort am Olympiastadion gastieren darf.
  • Foto: Daniel Grangeon
  • hochgeladen von Matthias Vogel

Das Gastspiel des beliebten Weihnachtszirkus’ „Circus Voyage“ am Olympiastadion steht erneut auf tönernen Füßen. Die Betreiber-Familie Spindler befindet sich bereits in zweiter Instanz in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit dem Senat.

24 Jahre lang gastierte der „Circus Voyage“ zur Weihnachtszeit in Westend, ohne irgendwelche Nebengeräusche. Im vergangenen Jahr wollte der Senat erstmals verhindern, dass er sein Zelt auf dem Grundstück an der Ecke Rominter Allee und Olympische Straße aufschlägt, damals aus Gründen des Tierschutzes, genauer wegen der nicht artgerechten Haltung der Wildtiere. In der Bezirksverordnetenversammlung vom März 2019 kam das Thema aufs Tapet. Aus der damaligen Stellungnahme des Fachbereichs Veterinär- und Lebensmittelaufsicht geht hervor, dass es beim „Circus Voyage“ keinerlei Beanstandungen gegeben habe.

Im Sommer hat der Senat dann das Gelände als Parkplatz umgewidmet. Weil er um seine Existenz fürchtet, hat der Zirkus vor dem Verwaltungsgericht dagegen geklagt und verloren. Gegen das Urteil hat er Einspruch gelegt und nun treffen sich die Parteien vor dem Oberverwaltungsgericht wieder, der Termin stehe aber noch nicht fest, wie Bettina Richter sagt.

"Wir glauben, dass der Senat das fahrende Volk einfach nicht in der Stadt haben will“

Richter ist die Schwester der Zirkusdirektorin Diana Schindler, in Berlin moderiert sie das Programm in der Manege. Für sie ist das Gebaren des Landes reine Willkür. „Der Senat ist mit dem Tierschutz nicht durchgekommen, jetzt probiert er es über diese Schiene. Wir glauben, dass er das fahrende Volk einfach nicht in der Stadt haben will.“

Alois Spindler würde auch die halbe Fläche bespielen

Der Meinung ist auch Andreas Statzkowski (CDU), Abgeordneter des Wahlkreises Westend. Er widmete dem Thema kürzlich einen Diskussionsabend. Rund 40 Prozent des Jahresumsatzes würden in dieser Zeit gemacht, das Gastspiel am Olympiastadion sei also durchaus überlebenswichtig für die Familie Spindler. Alle Beanstandungen wegen angeblicher Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen durch den Zirkus hätten sich nachweislich als unbegründet erwiesen. Jetzt habe der Senat die Fläche zur Hälfte für fünf Jahre vermietet. Wohnwagen sollten jetzt da geparkt werden, da bleibe für einen Zirkus wenig Platz, sagt Statzkowski. Und: „Ich finde es unerträglich, wie hier ein Familienunternehmen aus für mich vorgeschobenen Gründen vertrieben werden soll. Der Senat vergisst auch die Besucher, für die gerade dieser Zirkus einfach zu Westend gehört. Jährlich besuchen 24.000 Berliner die Vorstellungen.“ Als eines der Ergebnisse der Diskussionsrunde nannte der Abgeordnete, dass sich Direktor Alois Spindler zumindest auch mit der Hälfte des Platzes begnügen würde – so er denn überhaupt aufbauen darf.

Richter ist besonders deshalb sauer, weil Jahr für Jahr das Go für den Aufbau erst auf den letzten Drücker kam. „Wir mussten immer abwarten, ob und wann ein sportliches Großereignis im Stadion stattfindet. Wegen der Kapazität von Besuchern. Da haben wir immer gerne mitgemacht. Aber jetzt wird die Fläche unabhängig von den Veranstaltungen für fünf Jahre einfach fest vermietet? Das ist doch seltsam.“ Sie habe „so dieses Gefühl“, auch in zweiter Distanz vor Gericht den Kürzeren zu ziehen. „Das wäre fatal. In ganz Deutschland könnten die Kommunen durch eine Umwidmung Schausteller, Zirkusbetriebe, eben die gesamte reisende Zunft, aus den Städten verbannen.“

Nach Angaben von Klaus Kaulis vom Verband deutscher Circusunternehmen bei der Gesprächsrunde in Statzkowskis Büro ist diese Befürchtung berechtigt. Zahlreiche Gemeinden in Deutschland würden gespannt darauf warten, wie der Streit um den Berliner Weihnachtszirkus ausgeht, weil sie selbst gerne zirzensische Unternehmen aus ihren Städten vertreiben wollen würden, sagte er.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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