Jutta Riemann malt, schreibt und engagiert sich sozial
Ein Herz für Senioren

Seit zwei Jahren leitet die Autorin Jutta Riemann im Dienste der Seniorenvertretung das Forum im interkulturellen Stadtteilzentrum in der Nehringstraße. Mit wachsendem Erfolg und viel Freude.
  • Seit zwei Jahren leitet die Autorin Jutta Riemann im Dienste der Seniorenvertretung das Forum im interkulturellen Stadtteilzentrum in der Nehringstraße. Mit wachsendem Erfolg und viel Freude.
  • Foto: Hans-Jürgen Riemann
  • hochgeladen von Matthias Vogel

Für Senioren des Bezirks gibt es einen spannenden Ort. Das interkulturelle Stadtteilzentrum in der Nehringstraße 8. Dort erwartet sie an jedem vierten Dienstag im Monat Jutta Riemann. Was die lebenslustige Autorin für sie macht, übte eine starke Anziehungskraft auf die Nadel des Kiez-Kompasses aus.

Vor etwa zweieinhalb Jahren ließ sich Jutta Riemann, 69 Jahre alt, in die Seniorenvertretung Charlottenburg-Wilmersdorf wählen, 2017 wurde sie dann im Rathaus vereidigt. Dieses und jenes Amt sei damals frei gewesen, ihr habe man mehr oder weniger aufgedrückt, das Forum im interkulturellen Stadtteilzentrum zu leiten, nachdem ihre Vorgängerin gesundheitsbedingt aufhören musste. Böse ist sie deshalb niemandem.

Erstens wollte sie ja Teil der Anlaufstelle für die 95.000 Senioren des Bezirkes werden und sich um deren Wohl kümmern, und zweitens macht ihr ihre Aufgabe einen enormen Spaß. „Man bleibt in Bewegung, körperlich wie geistig. Ich habe wirklich ständig etwas zu tun.“ Riemann organisiert Vorträge für ihre Zielgruppe. Mal kommt die Kriminalpolizei und warnt vor den neuesten Maschen der Trickbetrüger, mal nimmt sie sogar noch unbequemere Themen wie die eigene Bestattung in Angriff und holt einen Referenten an Bord. „Da gibt es Sachen, die sollte man wirklich wissen.“

"Man kann Blattläuse
betäuben und impfen"

Die älteren Mitbürger des Bezirks danken es ihr. Was das Forum, zu dem sie jeden vierten Dienstag im Monat um 14 Uhr einlädt, aber wirklich zu einer großartigen Sache macht, ist die Reihe „Erzählen Sie uns ihre Geschichte“. „Die Senioren geben eine Episode oder eine Anekdote aus ihrem Leben zum Besten. Ich schreibe sie auf, stelle Bilder dazu, lasse das Ganze drucken und binden und überreiche es ihnen dann mit Schleifchen drum herum und allem Chichi zu einem späteren Zeitpunkt.“ Das kostenlose Erinnerungsstück für die Erzähler selbst oder ihre Familien komme großartig an. Und für sie selbst gebe es dabei jede Menge zu lernen und zum Schmunzeln. „Oder wussten Sie, dass man skandinavische Blattläuse betäuben, impfen und katalogisieren muss beziehungsweise überhaupt kann, um herauszufinden, ob sie Krebs auf Bäume übertragen?“, fragt sie rhetorisch, immer noch beeindruckt von dem Bericht einer ehemaligen Chemikerin über eines ihrer damaligen Forschungsprojekte.

Das soziale Engagement, die Gesellschaft, die sie älteren Mitbürgern leistet – das ist die eine Seite der Jutta Riemann, die am Charlottenburger Lietzensee wohnt. Die andere ist ihre Kreativität. Mehrere Bücher hat sie bereits geschrieben und verlegen lassen – Thriller, Krimis und ein Kinderbuch mit dem Titel „Wenn Muschelkinder träumen“. Im Herbst vergangenen Jahres folgte ihr jüngster Streich aus dem Bereich der Schriftstellerei: „Tequila und Sanssouci“ ist ein „amüsanter Frauenbereich, auch geeignet für selbstbewusste Männer“, sagt sie selber. Vier Freundinnen versuchen, die Leiche einer verbotenen Affäre der Hausherrin verschwinden zu lassen. Dabei schlittern sie unter dem Einfluss von reichlich Tequila von einer grotesken Situation in die nächste. Wenn sie über einzelne Szenen spricht, wird klar: ohne eine Portion schwarzen Humor lässt sich so etwas nicht erfinden.

"Ich würde auch gerne mal abhängen"

Parallel ist Jutta Riemann passionierte Malerin und um geistig beweglich zu bleiben, besucht sie zusammen mit ihrem Mann Hans-Jürgen seit vier Jahren den Chinesisch-Unterricht. Die beiden reisen sehr gerne zusammen, ansonsten genießt das Paar trotz oder gerade wegen Jutta Riemanns hohen Beschäftigungsgrades einfach das Leben. Manchmal wundert sie sich, wenn sie die jungen Menschen im Bezirk beim „Chillen“ oder „Kaffee-Schlabbern“ sieht. „Ich würde auch gerne mal abhängen. Ich frage mich dann oft: Müssen die nicht einkaufen oder ihre Wäsche machen?“

Die älteste Teilnehmerin
ist 103 Jahre alt

Noch in diesem Jahr wird sie 70 Jahre alt, in einer Woche feiert sie mit ihrem Mann die Goldene Hochzeit. Amtsmüde ist sie kein bisschen, sie freut sich auf ihre Dienstage im Stadtteilzentrum und an der Mobilität ihrer 30 „Stammkunden“. „Keiner von den Senioren ist unter 75, die älteste ist 103 Jahre alt. Und kommt da immer hin, das ist eine großartige Leistung“, findet Riemann.

Wunschlos glücklich ist sie nicht. Die Zuwendung für Referenten seitens des Bezirks ist die Bezeichnung kaum wert. „Für fünf Euro einen guten Experten zu finden und ihm dann noch einen Wein und Blumen zu kaufen, das funktioniert einfach nicht. Das gehört meiner Meinung nach aufgestockt.“

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