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Massive Mieterhöhungswelle: Analyse belegt dramatische Entwicklung

Charlottenburg-Wilmersdorf. Eine massive Mieterhöhungswelle hat Berlin erfasst. Zu dem Schluss kommt der Berliner Mieterverein. Mehr als 200 aktuelle Fälle hat er ausgewertet, das Ergebnis der Analyse ist erschreckend: Durchschnittlich müssen die Mieter 11,15 Prozent mehr bezahlen als bisher.

Alle zwei Jahre im Mai wird der aktuelle Berliner Mietspiegel herausgegeben. Sein Erscheinen ist stets Anlass für die Vermieter, die Möglichkeit einer Mieterhöhung zu überprüfen – und gegebenenfalls zu nutzen. „In diesem Jahr ist die Zahl der Erhöhungen gravierend, wir mussten unser Beratungsangebot deutlich erweitern“, erklärte Reiner Wild, Geschäftsführer des Mietervereins, bei einer Pressekonferenz.

Der Analyse liegen 202 Mieterhöhungserklärungen aus den Monaten Juli und August 2017 zugrunde. Spitzenreiter ist der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mit 35 Fällen, auf Platz zwei liegt Pankow mit 31. Gemäß der Auswertung des Mietervereins müssen die Mieter im Durchschnitt 670 Euro mehr Miete im Jahr bezahlen. „Das ist schon problematisch für die Mittelschicht, bei Haushalten mit niedrigem Einkommen klopft das Armutsrisiko an die Tür“, sagte Wild.

Die ortsübliche Vergleichsmiete wird gern "vergessen"

Vermieter hätten sich bei einer Mieterhöhung an zwei Kappungsgrenzen zu halten, erklärte Wild. Zum einen dürfe die ortsübliche Vergleichsmiete – ermittelt über den Mietspiegel – nicht überschritten werden, zum anderen dürfe sie nicht mehr als 15 Prozent in drei Jahren betragen. „Aber bei den 194 voll auswertbaren Mieterhöhungen missachteten mehr als zwei Drittel der Vermieter diese mietrechtlichen Vorgaben.“ So würden sie sich gerne alleine auf die 15-prozentige Kappungsgrenze berufen und dadurch den Eindruck einer zulässigen Erhöhung vermitteln, wie bei knapp der Hälfte der analysierten Fälle. „Doch bei wiederum zwei Dritteln davon überstieg die Erhöhung die zweite Grenze – die ortsübliche Vergleichsmiete.“

Reiner Wild forderte die Politik auf, der dramatischen Entwicklung entgegenzuwirken. Unter anderem sei die Kappungsgrenze auf zehn Prozent zu reduzieren, die Mietpreisbremse zu schärfen und Mieterhöhungen nach Modernisierung erheblich einzuschränken. maz

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