Richtig viel zu schmökern
Buchtipps für den Sommer

Die Karl-Marx-Allee ist imemr wieder Schauplatz in Büchern aller Art.
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  • Die Karl-Marx-Allee ist imemr wieder Schauplatz in Büchern aller Art.
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Die Ferienwochen sind für viele Menschen eine Gelegenheit, wieder einmal nach einem Buch zu greifen. Auswahl haben sie genug. Auch bei Literatur über Friedrichshain-Kreuzberg. Hier einige Beispiele:

Blick zurück: Bücher zur Bezirksgeschichte oder der Historie der beiden Ortsteile kommen regelmäßig auf den Markt. In diesem Jahr zum Beispiel "Kreuzberg. Arbeitsleben anno dazumal" von Christian Hopfe. Dieses Werk widmet sich dem einstigen Wirtschaftsleben und besteht fast ausschließlich aus alten, oft kaum bekannten Fotos. Sie zeigen viele, inzwischen schon lange nicht mehr existierende Unternehmen und Gebäude oder noch heute bestehende im Wandel der Zeiten, ebenso wie Einblicke in den Arbeitsalltag. Wie sah die einstige Reichsdruckerei aus, auf deren Areal an der Oranienstraße später die Bundesdruckerei entstand? Oder das "Hotel Excelsior" am Askanischen Platz, ab den 1920er-Jahren Berlins größte Herberge? Und wo waren die Anfänge der Firma Siemens? Das und noch mehr lässt sich mit Hilfe der Bilder nachvollziehen. Das Buch ist im Sutton Verlag erschienen und kostet 19,99 Euro.

Wie Zwillinge: Weitaus textlastiger ist Hanno Hochmuths Werk "Kiezgeschichte". Hochmuth ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Er hat sich in einer, einschließlich Anmerkungen, fast 400 Seiten starken Studie mit Gemeinsamem und Trennendem in der Geschichte von Friedrichshain und Kreuzberg beschäftigt. Sein Ergebnis: Das erste überwiege deutlich, er bezeichnet die beiden Ortsteile als "Zwillinge". Lediglich während der Zeit der Teilung hätte es zwangsweise unterschiedliche Wege gegeben. Wobei selbst während dieser Epoche ähnliche Strukturen festzustellen wären. Und erst recht gelte das davor und danach. Einst waren beide Arbeiterquartiere, heute zusammen ein Alternativbezirk. Wallstein Verlag, Preis: 29,90 Euro.

Visitenkarte: Die Karl-Marx-Allee soll Weltkulturerbe werden. Gemeinsam mit dem Hansaviertel in Tiergarten. Beides als Beweis für "Konfrontation, Konkurrenz und Koevolution der Moderne in Berlin". So der Untertitel einer 2018 vom Landesdenkmalamt herausgegebenen und im Friedrichshainer Verlag von Hendrik Bäßler erschienenen Studie zu Karl-Marx-Allee und Interbau. Politiker, Architekten und nicht zuletzt die Initiatoren der Weltkulturerbe-Kampagne wie der ehemalige Senator Thomas Flierl nehmen die Allee und das Hansaviertel dabei unter verschiedenen Aspekten in den Blick. Zusammen genommen ergibt das eine Art Werbeschrift in Sachen Welterbe. Aber es transportiert gleichzeitig eine Menge interessanter Informationen. Erhältlich für 19,90 Euro.

Romankulisse: Die Allee war bereits Thema zahlreicher Bücher. Auch in vielen Romanen spielte sie schon eine Rolle. Die aktuellste Neuerscheinung in dieser Richtung heißt „Allee unserer Träume“ und stammt von dem Schriftstellerehepaar Ulrike Gerold und Wolfram Hänel. Sie schildern zwar größtenteils fiktiv aber, wie betont wird, nach einer wahren Begebenheit den Bau der damaligen Stalinallee. Im Mittelpunkt steht eine angehende Architektin, die ihren Beitrag zur „ersten sozialistischen Prachtstraße“ leisten möchte. Ullstein Taschenbuch, elf Euro.

Rückblick: Etwa 30 Jahre später ist Mark Schepperts „Leninplatz“ angesiedelt. Der Inhalt: Anekdotische Erinnerungen an die eigene Jugendzeit in den 1980er-Jahren. Also in der Spätphase der DDR, wobei damals kaum jemand ahnte, dass sich ein Epochenwechsel anbahnte. Der Leninplatz, heute Platz der Vereinten Nationen, war der Wohnort des Autors. Aber auch andere Orte spielen eine Rolle. DDR-typisches von Staatsbürgerkunde bis FDJ bilden einerseits die Kulisse, die auch den Alltag der Pubertierenden bestimmt. Gleichzeitig agieren die nicht viel anders als Gleichaltrige in vielen Teilen der Welt. Es geht um Musik, Partys oder erste erotische Lektionen. Um exzessiven Alkoholkonsum und andere Grenzerfahrungen. Und fast nebenbei wird eine Zustandsbeschreibung nicht zuletzt der Verhältnisse in Friedrichshain vor Beginn der friedlichen Revolution transportiert. Books on Demand, 9,90 Euro als Taschenbuch.

Memoiren eines Anwalts: Noch weiter zurück, in die Zeit der Weimarer Republik, reichen die Erinnerungen von Dr. Dr. Erich Frey (1882-1964). Der Mann war damals einer der bekanntesten Strafverteidiger. Zahlreiche spektakuläre Verfahren sahen ihn als Advokaten. Auch bei manchen, bei denen Friedrichshain der Tatort war. Etwa 1921 im Fall des Frauenmörders Carl Grossmann ("Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof") oder bei der „Schlacht am Schlesischen Bahnhof“ im Dezember 1928.

Nach der Machtergreifung der Nazis emigrierte Frey zunächst nach Paris, ab 1939 lebte er in Santiago de Chile. Seine Memoiren mit dem Titel „Ich beantrage Freispruch“ erschienen 1959. Sie handeln von seinen wichtigsten und interessantesten Prozessen, gleichzeitig gibt sich der Verfasser dabei aber auch selbst eine Bühne. Nach seinem Tod gerieten sowohl Erich Frey als auch das Buch weitgehend in Vergessenheit. Ändern soll das die in diesem Jahr im Elsengold Verlag erschienene Neuausgabe. 479 Seiten, einschließlich eines Nachworts von Regina Stürickow. Zu erwerben für 26 Euro.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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