Mehr Mängel als anderswo?
Hygiene in der Gastronomie

Im Jahr 2017 stellte die Lebensmittelaufsicht Friedrichshain-Kreuzberg bei 482 Gastronomiebetrieben Beanstandungen fest. Das war der höchste Wert aller Bezirke.

Was zu der Frage führt, ob Lokal- oder Imbissbesucher im Bezirk besonders der Gefahr eigentlich ungenießbarer Esswaren ausgesetzt sind. Eine Vermutung, die Wirtschafts- und Ordnungsstadtrat Andy Hehmke (SPD) so nicht stehen lassen möchte. Die quantitative Mängelzahl sage erst einmal nichts über Art und Umfang aus, meint er. Registriert werden dort schwere Übertretungen, etwa schlechte oder falsch gelagerte Lebensmittel, ebenso wie eher Kleinigkeiten, zum Beispiel ein vielleicht nicht ganz blankes Fliegengitter. Eher aussagekräftig ist dann möglicherweise ein anderer Wert. 23 Betriebe sind in Friedrichshain-Kreuzberg im vorvergangenen Jahr wegen großer Hygienedefizite ganz oder zeitweise geschlossen worden. Das bedeutet Rang zwei. Allerdings in großem Abstand zu Spitzenreiter Pankow, wo das 221 mal der Fall war.

Dass der "Szenebezirk" aber auch in Sachen Lokalkultur ein spezielles Pflaster ist, räumen der Stadtrat und die Lebensmittelaufsicht ein. Vor einigen Tagen passierte das in Form einer Pressemitteilung. Dort wird unter anderem darauf verwiesen, dass es sich bei vielen Inhabern und Mitarbeitern in Gastronomieeinrichtungen um Quereinsteiger handle, denen oftmals wichtige Fachkenntnisse im korrekten Umgang mit Lebensmitteln fehlten. Gleiches gelte häufig auch für die Gesetzeslage. Eine weitere Besonderheit wäre die hohe Fluktuation in vielen Betrieben. Bei einigen würden die Besitzer oder Pächter manchmal mehrfach im Jahr wechseln.

Es gibt in Friedrichshain-Kreuzberg rund 5500 Gewerbeeinheiten, die mehr oder weniger umfangreich mit Lebensmitteln hantieren. Ihnen stehen sieben Kontrolleure und zwei Tierärzte gegenüber. Die Zahl der Überwacher müsste eigentlich ungefähr doppelt so hoch sein. Vor diesem Hintergrund ist das eigentlich Erstaunlichste, dass anscheinend eine Menge Übertretungen entdeckt und geahndet werden. Das gelingt nur, wenn gewisse Schwerpunkte gesetzt werden. Vor allem bei den Kontrollintervallen. Manche Betriebe bekommen nur etwa alle drei Jahre Besuch der Lebensmittelüberwacher. Bei anderen tauchen die schon nach wenigen Wochen erneut auf.

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