Einweg Elke und Cloud van Daten
Künstlerkollektiv baut humorvolle Kreaturen gegen Plastikmüll

Das ist "Einweg Elke". Jasper Barckhausen und Isabel Ott haben sie aus über 1600 Pet-Flaschen gebaut.
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  • Das ist "Einweg Elke". Jasper Barckhausen und Isabel Ott haben sie aus über 1600 Pet-Flaschen gebaut.
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Auf dem Holzmarkt 25 steht eine Siegessäule aus Plastikmüll. Das Künstlerkollektiv „Planet Trash“ hat sie gebaut – aus fast 2000 Einwegflaschen.

Vier Meter hoch ist „Einweg Elke“. Zusammengebaut aus über 1600 PET-Flaschen und anderem Verpackungsmüll, steht die übergroße Kreatur symbolisch für den Sieg der Verpackungsindustrie über die menschliche Vernunft. Und sie regt zum Nachdenken an über den eigenen Konsum und die Umweltverschmutzung. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf lustige Weise. Denn genau darum geht es dem Berliner Künstlerkollektiv „Planet Trash“: kreativ und humorvoll Position zu beziehen zu einem der ärgsten Umweltprobleme, dem Einwegprodukt.

Gebaut aus knapp 1600 Einwegflaschen

Gut drei Wochen haben Jasper Barckhausen, Isabel Ott und die anderen an „Einweg Elke“ gebaut. Sie ähnelt der Siegessäule und steht auf dem Holzmarkt 25, einem Kreativdorf an der Spree. Die 1600 Einwegflaschen stammen aus einem Werbefilm. Der Kontakt zum Künstlerkollektiv lief über Isabel Ott, die früher als Filmausstatterin gearbeitet hat.

„Wasted Creatures“ halten uns den Spiegel vor

"Einweg Elke" ist eine von insgesamt sieben Figuren der Kunstaktion „Wasted Creatures“, gefördert von der Stiftung Naturschutz Berlin. Hintergrund der Aktion des Künstlerkollektivs ist das Verkaufsverbot für Wegwerfartikel aus Kunststoff. Das hatte das EU-Parlament Anfang Juli zum Schutz der Meere und der Umwelt verabschiedet. Seitdem dürfen Trinkhalme, To-go-Becher, Einwegbesteck und Einweggeschirr aus Plastik oder Behälter aus Styropor in der EU nicht mehr produziert und verkauft werden. Dem Kollektiv geht das aber nicht weit genug. „Elke besteht überwiegend aus Plastikflaschen, deren Verbot in dem Beschluss nicht vorgesehen ist“, erklärt Kollektivsprecherin Tilda Roth. „Symbolisch steht das verbaute Material aber für jeglichen Einwegmüll, der oft achtlos weggeworfen wird und in der Natur landet.“

Gestartet ist das Projekt „Wasted Creatures“ im vorigen September auf dem Holzmarkt 25. Dort fügen sich die Kreaturen in das Treiben des Kreativdorfes ein. Ob an der Bar, auf dem Weg zum Restaurant oder zwischen den Sitzmöbeln: Die Wasted Creatures verteilen sich über den gesamten Platz. Sie stehen neben den Besuchern und erinnern an die Spuren des täglichen Konsums – vor allem im Lockdown. Wobei sich jede Kreatur einem ganz speziellen Müllproblem widmet.

Masken, Kronkorken, Datenmüll

Da ist zum Beispiel „Madelaine“, das mediengeile Maskenmodell, die erste der sieben Kreaturen. Sie treibt das Umweltproblem Einwegmasken auf die Spitze. Über 800 medizinische Masken, gesammelt auf der Straße, zieren ihren Mantel und der wächst stetig weiter. "Das Kronk" ist ein pilzartiges Wesen, gestaltet aus 18 250 Kronkorken. Obwohl diese kleinen bunten Dinger aus wertvollem Stahl sind und leicht zu recyceln wären, landen sie viel zu oft im Park oder auf der Straße. Jetzt schmücken sie die metallisch glänzenden Nervenbahnen der Kreatur. Und dann ist da noch "Cloud van Daten". Der hat Datenmüll-Management an der Dark Data University studiert und seinen Abschluss als „sinnloser Archivar“ gemacht. Cloud widmet sich einer unsichtbaren, aber besonders klimaschädlichen Müllsorte: dem Datenmüll. Seine Folgen für die Umwelt werden unterschätzt: Die großen Mengen sinnlos abgespeicherter Daten verbrauchen wertvolle Speicherressourcen und verursachen jährlich tonnenweise CO2-Emissionen.

Mit „Einweg Elke“ ist das Portfolio der Kreaturen nun weiter gewachsen. Zwei weitere Figuren plant das Künstlerkollektiv bis Ende dieses Jahres. Zu „Planet Trash“ gehören bildende Künstler, Musiker, Performer, Kulturschaffende und Umweltaktivisten. Seit 2017 organisiert das Kollektiv Kunstaktionen zum Thema Müll, bietet Workshops an und entwickelt spielerische Bildungskonzepte.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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