Das tägliche Kampf um das Geschäft: Zwei Einzelhändlerinnen und ihre besonderen Angebote

Wenn Nespressokapseln in Ketten eingewebt werden. Ina Simson neben ihrem Upcycling-Angebot.
2Bilder
  • Wenn Nespressokapseln in Ketten eingewebt werden. Ina Simson neben ihrem Upcycling-Angebot.
  • Foto: Thomas Frey
  • hochgeladen von Thomas Frey

Friedrichshain-Kreuzberg. Was wäre Berlin ohne lebendige Einkaufsstraßen und attraktive Geschäfte. Damit der lokale Einzelhandel eine Zukunft hat, engagieren sich zahlreiche Geschäftsleute. Wie die Situation in Friedrichshain-Kreuzberg eingeschätzt wird, stellt die Berliner Woche im Rahmen der Aktion "Das geht uns alle an" vor.

Wie läuft der Laden? Sie sei ganz zufrieden, sagt Ines Pavlou. Er könnte besser gehen, meint Ina Simson. Zwei Einzelhändlerinnen, eine in Friedrichshain, die andere in Kreuzberg. Beide mit einer originellen Geschäftsidee. Zwischen ihnen gibt es Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Ines Pavlou hat 2007 in der Gärtnerstraße ihren Laden "Amitola" eröffnet. Ihr Angebot bestand zunächst aus Second-Hand-Kindermode. Zwei Jahre später bezog sie größere Räume in die Krossener Straße 35. Dort gibt es inzwischen nicht nur Bekleidung, sondern eine Art Rundum-Programm für Kinder und ihre Eltern. Workshops, einen Indoor-Spielplatz, Theater- und Ballettaufführungen. Zentrum des ganzen und Namensgeber ist das Familiencafé "Amitola". Das Wort kommt aus dem indianischen und heißt Regenbogen.

Ina Simson startete Ende 2011 ihr Geschäft "Kunstgriff" in der Riemannstraße 10. Wie der Name schon andeutet, geht es hier um ein künstlerisch wertvolles Sortiment von Souvernirs über Seidentücher bis zu handgemachten Spielen. Ein Schwerpunkt sind inzwischen sogenannte Upcycling-Waren, die die Chefin selbst herstellt. Dabei handelt es sich um Schmuckstücke wie Ketten, Armreifen oder Ohrringe, in die Papierreste, Kronkorken, auch Nespressokapseln eingearbeitet werden. Wie diese Kreationen gefertigt werden, dazu bietet Ina Simson ebenfalls regelmäßige Workshops an. Sie finden ab 1. Oktober wieder jeden Sonnabend von 14 bis 17 Uhr statt.

Ina Simsons Geschäftsidee müsste sich eigentlich gut in Kreuzberg machen. Aber sie sagt, sie hangle sich eher durch die Jahre. Woran das liegt, darüber hat sie sich Gedanken gemacht. Die Riemannstraße sei eben nicht die benachbarte Bergmannstraße, ist ein Erklärungsversuch. Auch Touristen würden sich eher selten hierher verirren. Und klar, sie müsste wohl mehr auf sich aufmerksam machen. "Werbung, Werbung, Werbung", so formuliert es Ina Simson. Nur, wie sich bei nicht nur knappem Geld-, sondern vor allem Zeitbudget darum noch kümmern? Denn der Arbeitstag endet ja meist nicht nach Betriebsschluss. Anderen Einzelhändlern gehe es ähnlich.

Minimum drei Jahre

Minimum drei Jahre dauere es, bis ein Laden sich amortisiere, ist die Erfahrung von Ines Pavlou. Mit ihrem "Amitola"-Konzept hatte sie zur richtigen Zeit das richtige Gespür, dazu vielleicht auch etwas Glück. Denn ihr Start und weiterer Werdegang verlief parallel mit dem Verbleib und später starkem Zuzug von jungen Paaren und Familien nach Friedrichshain, in dessen Folge es dort immer mehr Kinder gab. Also genau die Kundschaft für das Familiencafé. Das ist deshalb inzwischen eine eingeführte Adresse.

Was aber nicht heißen soll, dass alles rosarot ist. Ein zunehmendes Problem werde die Online-Konkurrenz, hat die "Amitola"-Chefin festgestellt. Auch in ihren Laden kommen immer wieder vermeintliche Kunden, die sich Waren zeigen lassen, dann aber wahrscheinlich im Netz bestellen. Ähnlich wie Ina Simson findet auch sie, dass es in puncto Eigenreklame noch Potenzial gibt.

Allerdings hat gerade Ines Pavlou zuletzt für Beachtung gesorgt. 2015 erhielt sie den Berliner Inklusionspreis im Bereich Kleinunternehmen. Im Juni folgte ein Sonderpreis beim Wettbewerb "Berlins bester Ausbildungsbetrieb". Gewürdigt wurde beide Male ihr Engagement für Menschen mit Behinderung oder Lernschwäche. Sieben Azubis mit einem Handicap hat sie inzwischen erfolgreich durch ihre Lehrzeit im "Amitola" gelotst. Vier arbeiten aktuell dort. Inzwischen nicht nur in Friedrichshain, sondern seit September 2015 auch in einem weiteren Geschäft in der Treskowallee in Karlshorst. tf

Weitere Informationen zum Kunstgriff finden sich auf www.kunstladen-kreuzberg.de und zu "Amitola" auf www.amitola-berlin.de.
Wenn Nespressokapseln in Ketten eingewebt werden. Ina Simson neben ihrem Upcycling-Angebot.
Ines Pavlou (links) nimmt im Juni den Sonderpreis Berlins bester Ausbildungsbetrieb entgegen. Ihr Amitola-Familiencafé ist inzwischen eine Institution in Friedrichshain. Foto: Simone Ulrich
Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

27 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Wer sein Altmetall loswerden möchte, ist bei der Firma Peglow in der Soltauer Straße 27-29 genau an der richtigen Adresse.

Peglow Schrott und Metall
Bares für Schrott und Metall

Wer sein Altmetall loswerden möchte, ist bei der Firma Peglow in der Soltauer Straße 27-29 genau an der richtigen Adresse, denn hier gibt es Bargeld bei der Abgabe von Kupfer, Messing, Edelstahl, Aluminium, Zink, Blei oder Eisen sowie für Kabel. Die Mindestmenge, die abgegeben werden muss, beträgt dabei drei Kilogramm. "Für größere Mengen wird Ihnen von uns ein Container zum Sammeln zur Verfügung gestellt. Je nach Schrottmenge handelt es sich um Absetzcontainer (Mulden) oder Abrollcontainer,...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 02.12.21
  • 116× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Team von Optik an der Zeile.

Optik an der Zeile
Besuchen Sie die 10. Brillenmesse vom 2. bis 4. Dezember 2021

Wir feiern unsere 10. Brillenmesse vom 2. bis 4. Dezember 2021 in den neuen Räumlichkeiten. Feiern Sie mit uns! Wir bieten Ihnen die gesamte Kollektion namhafter Designer. Baldessarini, Betty Barclay, Blackfin, Jaguar, Swarovski und Tom Tailor, alles nur bei uns! Eine riesige Auswahl und attraktive Angebote: Den gesamten Dezember bieten wir Ihnen einen Advents- und Weihnachtsrabatt von 15 %. Wer sich zur Messe entschließt eine neue Brille zu ordern, bekommt 20 % Nachlass auf die gesamte Brille....

  • Bezirk Pankow
  • 02.12.21
  • 95× gelesen
WirtschaftAnzeige
Stimmungsvoll und sicher: Der Spandauer Weihnachtsmarkt auf der Zitadelle hat bis 23. Dezember geöffnet.
10 Bilder

Lichterzauber Zitadelle
Spandauer Weihnachtsmarkt freut sich auf Besucher

Glück im Unglück: Nachdem aufgrund der Corona-Bestimmungen die Durchführung des traditionellen Spandauer Weihnachtsmarkts in der Spandauer Altstadt nicht möglich ist, fand sich eine wunderbare Alternative: Bis 23. Dezember 2021 dürfen Besucher auf der Zitadelle ein vorweihnachtliches Märchenland bestaunen. Romantisch in die schützenden Mauern der Festung eingebettet, verzaubert der Spandauer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr mit stimmungsvollen Hütten, weihnachtlichem Naschwerk, traditionellem und...

  • Bezirk Spandau
  • 25.11.21
  • 619× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen