Seelsorger und manchmal auch Lebensretter
Steffen Weinhold-Pohl ist als Kontaktbereichsbeamter täglich im Kiez unterwegs

Steffen Weinhold-Pohl ist einer von vier Kontaktbereichsbeamten Köpenicks. Polizist zu werden, war sein Kindheitswunsch. Eigentlich müsste er bis zum Ruhestand nur noch drei Jahre arbeiten. Doch er überlegt bereits, ein Jahr zu verlängern.
  • Steffen Weinhold-Pohl ist einer von vier Kontaktbereichsbeamten Köpenicks. Polizist zu werden, war sein Kindheitswunsch. Eigentlich müsste er bis zum Ruhestand nur noch drei Jahre arbeiten. Doch er überlegt bereits, ein Jahr zu verlängern.
  • Foto: Philipp Hartmann
  • hochgeladen von Philipp Hartmann

Die Polizei will wieder präsenter im öffentlichen Raum werden, bürgernah und kiezorientiert. Dafür stellten Innensenator Andreas Geisel und Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik im Dezember ein Konzept vor: den Kontaktbereichsdienst 100 (KoB 100). Der Probelauf außerhalb des S-Bahnrings läuft bis Anfang April. Geplant ist danach die Ausweitung auf ganz Berlin.

Der Polizeiabschnitt 36 (Köpenick) zählt zu den ausgewählten Gebieten. Vier Kontaktbereichsbeamte sind hier im Einsatz. Im Rahmen ihrer Fußstreifen bleiben sie im Austausch mit den Menschen. Zu ihren Aufgaben gehören Verkehrsunfall- und Kriminalitätsprävention, Verkehrsüberwachung sowie Hilfeleistungen für Bürger wie Beratung oder die Vermittlung von Verbindungen zu anderen Behörden.

Einer von ihnen ist Steffen Weinhold-Pohl. Der erfahrene Polizeioberkommissar fing 1985 als Schutzpolizist an. Später arbeitete er lange in Kreuzberg und Neukölln bei der Einsatzbereitschaft. 1995 kam er nach Köpenick, war hier anfangs Streifenpolizist. Inzwischen ist er seit sechs Jahren im Kontaktbereichsdienst tätig, der jetzt also „KoB 100“ genannt wird. Kontaktbereichsbeamte gibt es eigentlich bereits seit 1975. Zu DDR-Zeiten hießen sie Abschnittsbevollmächtigte (ABV). In der Wendezeit wurden sie abgeschafft und erst später wieder eingeführt. „Denn man hat festgestellt, dass der Kontakt der Polizei zu den Bürgern besser ist, wenn man allein und zu Fuß unterwegs ist“, erklärt Weinhold-Pohl, der aufgrund der neongelben Dienstjacke schon von Weitem zu erkennen ist.

Sein Zuständigkeitsgebiet liegt in der Köllnischen Vorstadt rund um die Grünauer, Glienicker und Mahlower Straße. Wenn er dort seinen täglichen Rundgang macht, schauen manche Bewohner bereits aus dem Fenster und warten auf ihn. Sie kennen seinen Weg und wissen inzwischen, wann er zeitlich auf seiner Tour ungefähr bei ihnen vorbeilaufen wird. Viele duzen ihn einfach, doch das stört ihn nicht. „Ich komme mit den Leuten wunderbar zurecht. Viele haben jetzt in der Corona-Zeit Probleme“, berichtet er. Einsamkeit sei ein großes Thema geworden. „Viele ältere Leute sind völlig allein. Sie wollen einfach mal reden, suchen richtig den Kontakt zu mir.“ So ist er nicht selten als Seelsorger gefragt. Seine Aufgabe besteht dann nur darin, vor Ort und ansprechbar zu sein. Das komme sehr gut an.

Sein Arbeitstag beginnt um 5 Uhr morgens auf der Wache in der Karlstraße. Dort zieht er sich um und ist ab 6 Uhr draußen. In seiner Umhängetasche trägt er ein Funkgerät, Schreibzeug und Mund-Nasen-Schutzmasken mit sich, falls er beispielsweise in der Bahn jemanden ohne antrifft. Sollte er in eine bedrohliche Situation geraten, kann er schnell ein Pfefferspray zücken. Auf einen Schlagstock verzichtet er dagegen: „zu unhandlich“. Außerdem hat der Polizeioberkommissar immer ein paar Unterlagen dabei, um beispielsweise Haftbefehle vollstrecken zu können. Zehn Kilometer legt er jeden Tag zurück. Unter anderem kontrolliert er die oft zugeparkten Einfahrten vor Kitas, damit die Kinder sicher ankommen. Dabei wird er von ihnen auch schnell mal umlagert. Sie fragen ihn manchmal, ob er vielleicht ein Bauarbeiter sei. Es sind nicht die einzigen witzigen Momente. „Auf dem Markt in der Altstadt Köpenick wurde ich mal gefragt, ob ich wirklich echt bin und man mich mal anfassen kann.“

Tragische Situationen gibt es aber auch. So erinnert er sich an eine Frau, die gerade vom Friedhof kam, wo ihr Mann erst kürzlich begraben wurde, und dann von einem Lkw überfahren wurde. „Die Gießkanne lag noch neben ihr“, erzählt Weinhold-Pohl. Einmal rettete er aber auch zufällig einem Mann das Leben, dem er persönlich einen Haftbefehl übergeben wollte. Der Mann war schwer krank, sackte in seiner Wohnung zusammen und wäre gestorben, wäre Steffen Weinhold-Pohl nicht genau in diesem Moment dort gewesen.

Insgesamt sei Köpenick ein „sehr friedliches Pflaster“. „Ich kenne auch andere Milieus, aber irgendwann muss man kürzertreten“, sagt er. Als Funkwagenfahrer sei er früher regelmäßig in brenzlige Situationen geraten. Polizisten in der Gruppe würden oft auf massive Ablehnung und Aggressivität stoßen. Insbesondere bei Jugendlichen unter Alkohol- und Drogeneinfluss sei die Zündschnur kurz. Als Kontaktbereichsbeamter spüre er den sinkenden Respekt vor der Polizei dagegen nicht. Auch mit 57 Jahren ist Weinhold-Pohl „immer noch Feuer und Flamme“ für seinen Beruf. So sehr, dass er bereits überlegt, noch ein Jahr zu verlängern, wenn er in drei Jahren normalerweise in den Ruhestand gehen könnte. „Dafür muss ich dann noch mal mit meiner Frau sprechen.“ Sie arbeitet ebenfalls bei der Polizei, sogar auf demselben Abschnitt. Nur die zwei inzwischen erwachsenen Kinder wollten beruflich damit nichts zu tun haben. „Wegen der Nachtschichten“, meint Weinhold-Pohl.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

18 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Mike Werner kauft Fototechnik, Lupen, Ferngläser und vieles mehr an.
2 Bilder

"Analog Lounge GmbH"
Ankauf von Fototechnik, Ferngläsern & Co.

"Guten Morgen“, ertönt es im Treppenhaus von einer älteren Dame. Sie greift einen gefüllten Stoffbeutel und übergibt Ihn Herrn Werner. Im Stoffbeutel der älteren Dame kommen eine Kamera, einige Objektive und ein Zielfernrohr zum Vorschein. Vorsichtig reiht Ankäufer Werner die Gegenstände aus dem analogen Zeitalter auf. Gern würde sie diese Dinge bei Werner gegen Bares loswerden. Denn der 40-Jährige ist von der Firma "Analog Lounge GmbH" und kommt regelmäßig nach Berlin, um Kameras, Objektive,...

  • Tiergarten
  • 12.04.21
  • 192× gelesen
PolitikAnzeige
„Wir wollen Reinickendorfs Zukunft gestalten“, erklärt Torsten Einstmann.

"Tesla-Effekt für Reinickendorf"
SPD-Kandidat Torsten Einstmann will sich im Bundestag für Reinickendorfs Zukunft einsetzen

Über 5.000 Wohnungen sollen im neuen Wohnquartier am Kurt-Schumacher-Platz entstehen; dazu Schulen, Kitas, Sportanlagen, Einkaufsmöglichkeiten und viel Grün. Für Torsten Einstmann, der bei der Bundestagwahl im September für die SPD in Reinickendorf antritt, ein wichtiger Schritt für den gesamten Bezirk: „Wie Tesla für Teile Brandenburgs eine Initialzündung für mehr Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze ist, kann auch die Nachnutzung des TXL ein Schub für die Entwicklung im Fuchsbezirk sein.“...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 06.04.21
  • 209× gelesen
WirtschaftAnzeige
Willkommen in den neuen Räumlichkeiten von Optik an der Zeile.

Optik an der Zeile
Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen

Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen. Seien Sie neugierig und schauen Sie bei uns rein. Es lohnt sich, denn mit unserer 9. Brillenmesse feiern wir unseren Umzug und unser neues Geschäft im Osteingang vom Märkischen Zentrum. Nach über 30 Jahren im Märkischen Viertel eröffnen wir ein neues Kapitel in unserer Geschichte. Das neue Geschäft bietet mehr Platz und Sie werden sich sicher wohlfühlen. Bei unserer 9. Brillenmesse bieten wir Ihnen wieder die kompletten Kollektionen namhafter...

  • Märkisches Viertel
  • 23.02.21
  • 339× gelesen
WirtschaftAnzeige
Parfümerie Gabriel Frau Lang (links) und Frau Gutenmorgen begrüßen Sie ab sofort gern in der Parfümerie Gabriel in Frohnau.
2 Bilder

Wir sind für Sie da
Parfümerie Gabriel: Ab sofort auch in Frohnau!

Ab sofort finden Sie uns in neuem Glanze auch am Zeltinger Platz 1 + 3 in Berlin-Frohnau. Ob Düfte, Pflegeprodukte, Make-up oder besondere Accessoires – bei unseren Beautyexperten finden Sie bestimmt das Richtige für sich oder Ihre Liebsten. Oder verschenken Sie doch einen unserer liebevoll verpackten Geschenkgutscheine. Da ist garantiert für jeden die passende Oster-Überraschung dabei. Verwöhn-Momente in der Beauty Lounge Demnächst laden wir Sie auch gerne zu unvergesslichen Verwöhn-Momenten...

  • Frohnau
  • 24.02.21
  • 368× gelesen
WirtschaftAnzeige
Lars Sommer, Julius Voigt, Christian Schröder und Daniel Eggert (von links) sorgen gern für Ihr Catering.
5 Bilder

Airstream Catering
Mit dem Foodtruck bei Ihnen vor Ort

Der Airstream-Wohnwagen aus den USA ist das Highlight der Catering-Szene in Berlin und Brandenburg. Seit 2013 touren der 38-jährige Daniel Eggert und der 41-jährige Lars Sommer mit ihrer „rollenden Küche“, wie sie den umgebauten Wohnwagen nennen, durch Berlin und Brandenburg. Die aus der internationalen Spitzengastronomie entstammenden Gründer Daniel Eggert und Lars Sommer bieten professionell und emotional ihre Food-Innovationen einer internationalen Kundschaft an. Die Inhaber setzen vor allem...

  • Bezirk Pankow
  • 11.02.21
  • 1.026× gelesen
WirtschaftAnzeige
"Wir halten Sie mobil!", sagt Marlies Wegener, Geschäftsführerin vom Autohaus Wegener. Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider nicht möglich ist: Das Autohaus Wegener ist für Sie erreichbar. Und natürlich bleibt der Werkstattbereich weiterhin geöffnet.

"Wir halten Sie mobil!"
Autohaus Wegener ist auch während der Pandemie für Sie da

Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider geschlossen bleiben muss: Die Mitarbeiter vom Autohaus Wegener sind für Sie da! Unter dem Motto "Wir halten Sie mobil!" erreichen Sie das kompetente Team telefonisch unter der Rufnummer 0800/906 72 58 oder per E-Mail info@autohaus-wegener.de. Montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 13 Uhr stehen Ihnen die Mitarbeiter zur Verfügung. Ob Neu- oder Gebrauchtwagen, Kauf, Leasing oder Werkstattservice: Trotz der coronabedingten...

  • Charlottenburg
  • 18.01.21
  • 392× gelesen
WirtschaftAnzeige
Niederlassungsleiter Klemens Möhne und seine Mitarbeiterinnen Tanja Alber und Katrin Dröse vor der runderneuerten Fielmann-Filiale in der Frankfurter Allee.

Nach 25 Jahren im neuen Glanz
Fielmann eröffnet umgebaute Niederlassung in der Frankfurter Allee

Seit 1995 verkauft Fielmann seine Brillen in Friedrichshain. In diesem Vierteljahrhundert wurden hier mehr als 250.000 Brillen verkauft. Das wären umgerechnet zwei für jeden Einwohner des Stadtteils. Passend dazu hat Deutschlands erfolgreichster Optiker nun seine komplett umgestaltete Niederlassung wiedereröffnet. Trotz der herrschenden Maskenpflicht ist auf ersten Blick zu erkennen, dass Fielmann-Niederlassungsleiter Klemens Möhne über beide Ohren strahlt. Und das aus gutem Grund: In den...

  • Friedrichshain
  • 05.02.21
  • 391× gelesen
SozialesAnzeige

Online den richtigen Partner finden: Herzklopfen-berlin.de
Die Liebe hält keinen Winterschlaf – mit richtigem Dating den Traumpartner finden

Im Winter verlagert sich das Leben nach drinnen. Das gilt in diesem Jahr besonders. Wenn es draußen kalt und dunkel wird, freut man sich umso mehr auf ein warmes Zuhause. Mit einem Glas Wein oder einem heißen Kakao, einem guten Buch in der Hand oder einem schönen Film im Fernsehen – während vor den Fenstern die Lichter der Hauptstadt leuchten oder sogar ein paar Schneeflocken vorbeiwirbeln. Was es gäbe es da schöneres, als das Glück eines entspannten Winterabends auf dem Sofa oder im Bett mit...

  • Schöneberg
  • 21.12.20
  • 1.403× gelesen
KulturAnzeige
Jami-ul-Alfar
Video 2 Bilder

Der Traum vom Reisen in der Zeit von Corona
Sri Lanka: eine kleine, wunderschöne Insel

In dieser Zeit, in der die Welt vom Coronavirus geplagt wird, träumt jeder davon, wieder neue Länder und Kulturen zu entdecken und zu erleben. Davon können wir im Moment nur träumen. In Südasien gibt es eine wunderschöne Insel, klein, aber mit vieles zu entdecken und zu erleben, wenn das Reisen wieder möglich ist: Sri Lanka. Abwechslungsreiche LandschaftenSri Lanka befindet sich im Indischen Ozean. Die Insel ist größtenteils flach, aber im südlich-zentralen Teil der Insel gibt es auch Berge,...

  • Schöneberg
  • 15.02.21
  • 516× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen