Zapf muss nacharbeiten: Baukollegium vermisst Details zum Bauvorhaben an der Köpenicker Straße

Das geplante Bauvorhaben auf dem Zapf-Grundstück.
  • Das geplante Bauvorhaben auf dem Zapf-Grundstück.
  • Foto: Simulation: Faber + Faber Architekten
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von Thomas Frey

Peter Zetzsche war sichtlich angefressen. Regula Lüscher ebenfalls nicht besonders amüsiert. Und Matthias Peckskamp sah eine Fortsetzung des schon bisher nicht einfachen Aushandlungsprozesses.

Peter Zetzsche ist der Chef des Umzugsunternehmens Zapf. Und gleichzeitig Bauherr. Auf dem ehemaligen Firmengrundstück an der Köpenicker Straße 13-14 soll ein neues Wohnquartier entstehen. Zapf, sprich Zetzsche, entwickelt das Vorhaben selbst, unterstützt von der Planungsgruppe Berlin. Und natürlich eines Architekturbüros.

An dem Projekt wird schon seit mehreren Jahren herumgefeilt. Auch weil die Fläche an der Spree einige Herausforderungen und Vorgaben mit sich bringt. Eine davon lautet, es muss entlang des Areals einen eigentlich mindestens 20 Meter breiten öffentlichen Uferbereich geben. Was nach den bisherigen Skizzen so lala erfüllt wird. An einigen Abschnitten wird diese Marke erreicht und möglicherweise sogar übertroffen. An der engsten Stelle sind es aber nur zwölf Meter. Das war aber nur ein Punkt bei den bisherigen Verhandlungen mit dem Bezirk. "Die haben uns ziemlich rangenommen", beklagte Peter Zetzsche bereits bei seiner Präsentation am 5. September im Stadtplanungsausschuss.

Warum das so ist, wurde fünf Tage später im Baukollegium bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung deutlich. Da wurden die Zapf-Pläne mit dem Verdikt "Nachsitzen" bewertet. Sie seien noch viel zu wenig konkret. Es werde lediglich deutlich, was wo passieren soll. Aber nicht, auf welche Weise.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die nach ihrer einige Monate dauernden Auszeit das Gremium zum ersten Mal wieder einberufen hatte, war deshalb einigermaßen verärgert. Sich mit solchen unausgegorenen Vorlagen zu beschäftigen, sei keine Aufgabe des Baukollegiums. Schon deshalb nicht, weil ein scharfes in die Ecke stellen, wie in diesem Fall, der Öffentlichkeit einen falschen Eindruck vom Vorgehen dieser aus verschiedenen Architekten und Stadtplanern zusammengesetzten Runde vermittle.

Der Ärger traf Matthias Peckskamp, den Leiter des Stadtplanungsamtes Friedrichshain-Kreuzberg. Seine Verwaltung hatte Zapf auf die Tagesordnung bugsiert. Mit der unwidersprochenen Einschätzung, dass es sich dabei um eine Art Hilferuf gehandelt hat. Denn was Regula Lüscher und ihre Experten bemängelten, spielte zuvor auch in seinem Amt eine Rolle. Und das nicht nur beim Uferweg.

Geplant ist ein kammartiger Gebäudekomplex mit einer Front entlang der Köpenicker Straße und drei Spitzen in Richtung Spree. Zwischen ihnen Innenhöfe. Schon das fand das Baukollegium bereits vor vier Jahren nicht so toll und plädierte stattdessen für eine "Parzellenlösung". Aber gut, es lasse sich auch mit der vorgestellten Struktur leben. Nicht allerdings damit, dass zum Beispiel der detaillierte Entwurf für die Freiflächen fehle. Ganz simpel, wo kommen zum Beispiel Bänke hin, was ist sonst noch vorgesehen?

Auch die Fassadengestaltung brachte dem Baukollegium noch zu wenig Klarheit. Obwohl, oder besser weil der Bauherr mehrere Varianten vorstellte. Der endgültige Zuschlag sollte nach einem konkurrierenden Verfahren zwischen verschiedenen Büros erfolgen, wurde angeregt. Könnte nicht einfach eine Auswahl unter den gezeigten Beispielen erfolgen, fragte Peter Zetzsche. "Nö, so geht das nicht", entgegnete ihm die Senatsbaudirektorin. Spätestens jetzt verstand der Zapf-Chef die Welt nicht mehr. Als er einst nur eine Vorlage geliefert habe, wäre angemerkt worden, es brauche Alternativen. Die biete er jetzt, und trotzdem gebe es Einwände.

Es prallen zwei Welten aufeinander. Peter Zetzsche fand, er habe doch alles erfüllt,was ihm auferlegt wurde. Das Baukollegium erwartete dagegen mehr als die bisherige Blaupausen. Dazwischen der Bezirk, der auf die Defizite hinwies, aber anscheinend nicht wirklich durchdrang. "Wenn wir das als Bebauungsplan durchgewunken hätten, wäre es uns um die Ohren gehauen worden", unterstrich Matthias Peckskamp. Für alle am Ende eine eher frustrierende Erfahrung.

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