Was ist mit Sandra Wißmann passiert?

Kreuzberg. Seit dem 8. Juli wird in Potsdam der sechsjährige Elias vermisst. Der Junge war vom Spielen nicht mehr nach Hause zurück gekehrt. Sein Verschwinden erinnert an einen ähnlichen Fall in Kreuzberg.

Berlin, 28. November 2000: Es ist der Tag, an dem Sandra Wißmann zum letzten Mal von ihrer Familie gesehen wird. Die damals 12-Jährige verlässt am Nachmittag zusammen mit ihrer Mutter das Elternhaus in der Böckhstraße. An der Kreuzung Kottbusser Damm trennen sich ihre Wege. Sandra will für die Mutter noch ein Geburtstagsgeschenk kaufen. Wahrscheinlich läuft sie deshalb zu Karstadt am Hermannplatz. Gegen 16.40 Uhr wollen sie zwei Mitschülerinnen noch einmal gesehen haben. Danach verliert sich ihre Spur. Sandra Wißmann kommt nicht mehr nach Hause.

Ähnlich wie bei Elias beginnt auch hier sehr schnell eine groß angelegte Suche. Dass das Mädchen einfach weggelaufen ist, konnte sehr schnell ausgeschlossen werden. Ebenso groß wie aktuell in Potsdam war damals die Anteilnahme der Menschen im Graefekiez. Geschäftsleute hängen Fahndungsplakate und Fotos in ihre Schaufenster. Eine Belohnung von insgesamt 10 000 Euro wird ausgesetzt, die Hälfte davon von Sandras Eltern. Es gehen auch zahlreiche Hinweise ein. Aber alle führen ins Leere.

Zum Beispiel die Suche nach dem „Mann mit der Wasserwaage“. Ein 13-jähriges Mädchen gibt an, es sei an diesem Tag am Kottbusser Damm von einem Fremden angesprochen worden. Er bat sie mitzukommen, um eine Wasserwaage zu halten. Das Mädchen lehnte ab. Sie beschrieb den Mann als „mittelalt, klein und dicklich.“
Die Berliner Kripo verhörten auch Verdächtige oder überführte Täter in anderen Fällen von Kindesentführungen oder Kindermord.

Bis heute hat die Polizei das Schicksal von Sandra Wißmann nicht vollständig zu den Akten gelegt. Auf der Website wird sie weiter unter vermisste Personen geführt. Auch wenn die Ermittler davon ausgehen, dass das Mädchen Opfer eines Kapitalverbrechens geworden ist.

Ihre Schwester Jennifer erinnert sich regelmäßig an Sandra. Auch in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit der Suche nach Elias kamen wieder viele Erinnerungen hoch. Bei Youtube hat sie einen Clip eingestellt. Bilder ihrer Schwester sind darin zu sehen. Sie soll nicht vergessen werden, heißt es. Genau wie alle anderen Kinder, die plötzlich verschwunden sind. tf

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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