Totgesagtes Handwerk mit Zukunft
PieReg-Druckcenter weiht Anbau ein und sichert Arbeitsplätze

PieReg-Betriebsleiter Sebastian Preißler zieht einen frisch bedruckten Bogen aus der Maschine.
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Der Beruf des Druckers sei zwar totgesagt, aber längst nicht tot, sagt Sebastian Preißler. „Wir arbeiten mehr denn je“, betont der Betriebsleiter des PieReg-Druckcenters in der Benzstraße. Zum Beweis hat das mittelständische Unternehmen gut 2,5 Millionen Euro in einen Anbau investiert, der am 30. August öffentlich vorgestellt wurde.

Beim Tag der offenen Tür konnten sich interessierte Bürger bei laufendem Betrieb einmal ausführlich in der Druckerei umsehen. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ließ sich den Termin nicht entgehen, denn er selbst lernte einst das Druckerhandwerk. Gemeinsam mit seiner Mutter besitzt er noch heute eine kleine Buchdruckerei in der Manfred-von-Richthofen-Straße. „Die ist aber längst nicht so erfolgreich wie PieReg“, gab er in seiner Eröffnungsrede zu.

Im Druckcenter in Marienfelde lässt zum Beispiel die Berliner Philharmonie ihre Broschüren zur Saisonvorschau anfertigen. Weitere Kunden sind das Gorki- und das Renaissance-Theater. Außerdem lassen Lieferdienste wie „Pizza Max“ und „Sushi For You“ dort ihre Speisekarten und Werbeflyer drucken, wie Sebastian Preißler berichtet. Er führt beim Rundgang durch das Kernelement der Druckerei, den sogenannten Drucksaal. Dorthin führt eine kleine Wendeltreppe aus dem Obergeschoss hinunter. Preißler deutet auf einen riesigen Stapel weißen Papiers auf der rechten Seite der Halle. In Sekundenschnelle wird jeder Bogen von der Maschine einzeln gegriffen und anschließend durch die vier Farbwerke Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb gejagt. Nachdem die Farbe auf das Papier gepresst und getrocknet wurde, landet es am Ende der Produktionsstrecke wieder millimetergenau übereingestapelt auf einer Palette. Pro Stunde durchlaufen 16 000 Bögen, wobei ein Bogen der Größe von acht DIN-A4-Blättern entspricht, diesen Prozess. Eine andere Maschine auf der gegenüberliegenden Seite verfügt über eine zusätzliche Vorrichtung zum Perforieren und Stanzen. Dies ist erforderlich, wenn ein Kunde Abreißcoupons drucken lassen möchte.

Was der Besucher nicht bemerkt, sind die Klimaanlagen, die die Maschinen kühlen. Sie sind auch dafür erforderlich, die Farbe weder zu flüssig noch zu pastös werden zu lassen. Zugleich wird im Drucksaal auch die gewünschte Luftfeuchtigkeit hergestellt. „Das Papier muss entsprechend klimatisiert sein“, erklärt Preißler. Probleme mit Farbdämpfen treten nicht auf. Das liege daran, dass alle verwendeten Farben auf nachwachsenden Rohstoffen basieren und Chemikalien schon seit vielen Jahren nicht mehr verwendet werden, so der Betriebsleiter. Die gesamte Druckproduktion sei klimaneutral.

Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen stetig weiterentwickelt. Ursprünglich unterhielt die Supermarktkette Otto Reichelt GmbH an der Benzstraße ihre betriebseigene Druckerei. Deren langjähriger Leiter Erhard Pietsch, er verstarb 2018, kaufte sie im Jahr 2003 und gründete zusammen mit seinem Stellvertreter und heutigen Geschäftsführer Sven Regen das PieReg-Druckcenter mit damals 27 Mitarbeitern. Wie der Name verrät, handelt es sich um eine Kombination aus den Nachnamen Pietsch und Regen. Ein Online-Portal für Bestellungen gibt es nicht. Stattdessen wird bewusst noch auf persönliche Beratung gesetzt. Durch den Anbau wurde nun die Produktionsfläche um 450 Quadratmeter erweitert und für die Belegschaft zudem ein moderner Aufenthaltsraum geschaffen. „Es ging dabei auch um die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze“, sagt Preißler. 60 sind es insgesamt. Bei PieReg arbeiten Drucker, Buchbinder, Kaufleute, Buchhalter und Diplom-Ingenieure. In den vergangenen zehn Jahren wurden 30 Azubis in vier Ausbildungsberufen ausgebildet. Der Beruf des Druckers bleibt somit auch in Zukunft erhalten.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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