Coronavirus
Hamsterkäufe bei Fleisch - hier Panik, da alles voll

Freitagabend, 28. Februar 2020, 20.30 bzw. 21.45 Uhr: Ein Händler ist noch gut gefüllt (li.); die Regale der abgepackten Fleischerzeugnisse im anderen Markt waren bereits eine Stunde vorher fast leer gekauft. Ein Bezirk, zwei Supermärkte - so unterschiedlich.
  • Freitagabend, 28. Februar 2020, 20.30 bzw. 21.45 Uhr: Ein Händler ist noch gut gefüllt (li.); die Regale der abgepackten Fleischerzeugnisse im anderen Markt waren bereits eine Stunde vorher fast leer gekauft. Ein Bezirk, zwei Supermärkte - so unterschiedlich.
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  • hochgeladen von Marcel Adler
Corona- Unternehmens-Ticker

BERLIN - Das Coronavirus sorgt für erste Hamsterkäufe auch beim Fleisch. Ich besuchte zwei Supermärkte, sprach in einem mit Verkäuferinnen und fand im anderen - nur wenige Kilometer weiter - volle Regale vor. Wie kann das sein? 

Nein, es geht nicht darum Menschen zu kritisieren, die in Sorge Vorräte kaufen. Das ist sogar nachvollziehbar. Denn wir alle möchten im Ernstfall gerüstet sein. Vielmehr will ich aufzeigen, wie unterschiedlich Berlinerinnen und Berliner auf das Coronavirus gestern beim Wochenendeinkauf reagierten. Es ist eine Momentaufnahme an einem Freitagabend in zwei Supermärkten in den Stadtteilen Marzahn und Hellersdorf. Vielleicht rege ich damit zum umsichtigeren Einkauf an. Ferner möchte ich auf eine App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hinweisen, das einen Ratgeber für einen Notvorrat parat hat, der auch sinnvoll sei.

Das sagen Lidl, Rewe und Co.

Denn die Kunden in einem Markt in Marzahn-Hellersdorf kauften gestern vor allem viel gekühltes Fleisch ein - neben unzähligen Dosen. Hackfleisch war komplett ausverkauft, selbst an der Frischetheke. "Manche Kunden kommen hier mehrmals am Tag, um über die haushaltsübliche Menge Fleisch zu horten", beobachtete eine Verkäuferin. Es wurden aber auch kiloweise Weizenmehl zur Kasse geschoben, in nur einem Wagen. Unabhängig davon berichtete auch der SPIEGEL über erste Hamsterkäufe in Supermarktketten. Der Großflächendiscounter Kaufland (gehört zur Schwarz-Gruppe) sagte dem Magazin: "Bei stark nachgefragten Produkten kann es kurzfristig zu Engpässen kommen." Auch Lidl gehört zur Handelsgruppe. "In einigen Regionen und Filialen verzeichnen wir deutlich erhöhte Abverkäufe." Vor allem haltbare Lebensmittel wie Konserven und Nudeln, aber auch Toilettenpapier und Desinfektionsmittel würden aktuell stark bei diesem Discounter nachgefragt werden, so das Magazin weiter. Außerdem verzeichnete die Supermarktkette Rewe "nicht flächendeckend, aber durchaus bundesweit" eine erhöhte Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln. Lieferengpasse gebe es temporär nicht.

Hier war nur das Mehl fast aus

Ein völlig anderes Bild zeigte sich für mich in einem Markt im selben Bezirk, nur wenige Kilometer weiter. Hier gab es ausreichend Fleisch, Gemüse und sogar noch Hygienereiniger eines bekannten Herstellers. Wie kann das sein? "Wir haben unseren Kunden klar gemacht, dass wir ein volles Lager haben und wir regelmäßig auffüllen können", so eine Mitarbeiterin. Ein Sicherheitsdienst schaute, dass alles seine Ordnung an den Kassen hat. Und in dem Kiezmarkt würde man Kunden schnell wiedererkennen, die wiederholt kommen, um zum Beispiel Fleisch zu horten. Nur die Mehlmischung für die Zubereitung von Brot sei am Freitagabend in dem besagten Geschäft knapp geworden. "Hier haben wir nur noch wenige Pakete unserer Eigenmarke." 

Fazit: Es gibt nach meiner Auffassung ausreichend Lebensmittel, wenn alle Kunden weiterhin besonnen und vor allem richtig einkaufen. 

Notfall App NINA zeigt Checkliste

Doch was ist denn richtig und ausreichender Notvorrat? Hierfür gibt es eine hervorragende kostenlose App namens NINA vom BBK. Die Behörde, die die App betreut, ist zuständig für Informationen bei Hochwasser, schweren Unwettern, Feuer und eben in Krisensituationen. Das BBK informiert auf seiner Homepage und in seiner App NINA zum Beispiel, was man pro Person einkaufen sollte, um 10 Tage ohne Einkaufen gut zu überstehen. Die Einkaufsliste wurde so zusammengestellt, dass ein gesunder Mensch damit ausreichend mit Nährstoffen über mehrere Tage versorgt werden kann.

Unter Checkliste - Notvorrat werden bei NINA allgemein pro Person zum Beispiel 20 Liter Getränke für den Notfall empfohlen. Das sind gut 2 1/2 Sixpack mit 1,5 Liter. Fette, Öle werden mit 0,357 kg angegeben. An Fleisch, Fisch und Eier reichen pro Erwachsener 1,5 Kilo aus. Das BBK schreibt ausdrücklich "Keine Experimente." Man solle nur das kaufen, was man auch normalerweise isst. Die Liste setzt außerdem auf frische Artikel. Trockenerzeugnisse wie Tütensuppen finden kaum Erwähnung. Sie enthalten sehr viel Salz und zu wenig Nährstoffe. Und 20 Kilo Weizenmehl sind für eine kleine Familie einfach übertrieben. Solche Szenen beobachtete ich auch gestern Abend. Achten Sie auf Hülsenfrüchte und Gemüse (gefroren geht auch), auf Reis und Nudeln. Vor der Angst nicht genügend im Haus zu haben, vergessen wir die mindestens genauso wichtige zweite Notfallliste - die einer guten Hausapotheke. NINA verweist hier auf die Checkliste von Medikamenten, die man im Notfall im Haus haben sollte und rezeptfrei erhält.

NINA ist die offizielle App vom BBK und kostenlos in den Appstores von Google und Apple erhältlich - Sie müssen auch nach dem Download keine einmalige Gebühr zahlen. Weitere Informationen beim Robert Koch Institut HIER und beim BBK HIER

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt die persönlichen Erfahrungen als Leserreporter. Es wurde aus Checklisten zitiert, die Angaben sind jedoch unvollständig. Informieren Sie sich deshalb im Zweifel immer bei den zuständigen Behörden. In Berlin können Sie Fragen zum Coronavirus mit der Senatsgesundheitsverwaltung unter (030) 9028 2828 telefonisch besprechen. Im "Speckgürtel" bzw. Land Brandenburg sind die Gesundheitsämter der jeweiligen Landkreise zuständig, deren Telefonnummer erfahren Sie über die Internetseite der entsprechenden Behörde.

Autor:

Marcel Adler aus Friedrichshain

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