Ben Wagins Lebenswerk gesichert
Nach 30 Jahren soll die Mauerstiftung den Gedenkort „Parlament der Bäume“ übernehmen

Baumkünstler Ben Wagin an der Mauer im "Parlament der Bäume" am Schiffbauerdamm, das er vor 30 Jahren gegründet hat.
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  • Baumkünstler Ben Wagin an der Mauer im "Parlament der Bäume" am Schiffbauerdamm, das er vor 30 Jahren gegründet hat.
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Vor 30 Jahren, am 9. November 1990, hat der Aktionskünstler Ben Wagin auf dem einstigen Mauerstreifen im heutigen Regierungsviertel sein „Parlament der Bäume“ errichtet. Der Gedenkort für die Maueropfer und alle Opfer von Krieg und Gewalt soll künftig von der Stiftung Berliner Mauer betreut werden. Damit dürfte das Lebenswerk des 90-jährigen Baumkünstlers nach jahrelanger Diskussion dauerhaft gesichert sein.

Eingeklemmt zwischen dem Haus der Bundespressekonferenz und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, der Bibliothek des Deutschen Bundestages, am Schiffbauerdamm in Mitte ist das grüne Idyll ein merkwürdiger Ort. Vor originalen Mauersegmenten liegen Granitplatten mit den Namen von 258 Mauertoten; es gibt Gräber mit Efeu, bunte Beete, künstlerische Installationen, Panzersperren und Teile der Grenzanlagen, Kinderbilder und grüne Gießkannen in den Baumkronen. Ben Wagin, der 90-jährige Berliner Baumkünstler, nennt den Ort auch Denkstätte für die Opfer von Krieg und Gewalt. Entlang des ehemaligen Postenwegs stehen 58 Mauersegmente. Als Wagin dort vor 30 Jahren sein „Parlament der Bäume“ gründete, gab es rundherum nur Brachland. Die 16 deutschen Ministerpräsidenten pflanzten damals jeweils einen Baum und setzten so ein Zeichen gegen Krieg und Gewalt. Ben Wagin hat in den drei Jahrzehnten danach aus dem früheren Mauerabschnitt eine einzigartige Kunst-Gedenk-Natur-Oase gemacht.

Natur, Kunst, Geschichte

Die Anlage war auch zu Anfang viel größer. Für den Bau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses mussten jedoch etliche Mauerteile entfernt werden. Einige der 3,60 Meter hohen Platten stehen jetzt in zweiter Reihe hinter der Originalflucht. Andere hingegen wurden im Untergeschoss der Bibliothek im Lüders-Haus aufgestellt und führen den ehemaligen Mauerverlauf im Bundestagsbau weiter. Ben Wagin hat die originalen Mauersegmente mit Jahreszahlen und den Zahlen der im jeweiligen Jahr ermittelten Maueropfer beschriftet. Das 2005 eröffnete „Mauermahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus“ können Besucher freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr besichtigen.

In Wagins „Parlament der Bäume“ direkt daneben kann man nicht so ohne Weiteres rein. „Nur wenn Ben da ist oder gerade mit Kindern gärtnert“, sagt Katharina Lampe vom Baumpatenverein, den Wagin schon in den 1970er-Jahren gegründet hat. Bei der Pflege helfen zwar Ehrenamtliche. Jahrelang war jedoch unklar, ob das „Parlament der Bäume“ erhalten werden kann. Grund und Boden gehörten nämlich dem Bund und galten bisher als Ersatzbaufläche. Seit 2017 steht das Areal unter Denkmalschutz; der Bundestag hat sich 2018 für den Bestandsschutz ausgesprochen.

Ben Wagin mit Kulturstaatsekretätrin Monika Grütters, Grünen-Urgestein Michael Cramer und Kindern  der Grundschule Neues Tor.
  • Ben Wagin mit Kulturstaatsekretätrin Monika Grütters, Grünen-Urgestein Michael Cramer und Kindern der Grundschule Neues Tor.
  • Foto: Dirk Jericho
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Anlässlich des 30-jährigen Bestehens waren neben vielen Gästen wie dem langjährigen Unterstützer Michael Cramer von den Grünen auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, gekommen. Sie pflanzten nicht nur mit Ben Wagin einen Kirschbaum, sondern hatten auch eine Überraschung im Gepäck. Grütters hat für die Stiftung 120 000 Euro mehr im Haushaltsplan 2021 herausgeholt. 70 000 Euro davon sollen jährlich in die Pflege des „Parlaments der Bäume“ fließen. „Mann, bist du jetzt ein Reicher?“, meinte Wagin scherzhaft zu Klausmeier, um sich dann sofort den Kindern der Grundschule Neues Tor zuzuwenden, die regelmäßig mit ihm gärtnern. „Ihr seid es. Es ist für euch“, rief Ben Wagin in den tobenden Applaus.

Das komplette Denkmal soll nun an die Mauerstiftung, dessen Träger der Bund und das Land Berlin sind, übertragen werden. Laut Axel Klausmeier wird ein Konzept erarbeitet, wie man den Gedenkort regelmäßig für Touristen und Besucher öffnet. „Wir wollen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, Kunst machen und Führungen anbieten“, so der Stiftungsdirektor. „Wir wollen hier aber keine Busse auskippen.“

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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