Der Mut vieler Einzelner
Tom Sello fordert Erinnerungs- und Lernort zur DDR-Bürgerbewegung

Vor dem Humboldt Forum wird ein riesiges Freiheits- und Einheitsdenkmal gebaut. Die auch Einheitswippe genannte Konstruktion soll an die friedliche Revolution und die deutsche Wiedervereinigung erinnern.

Doch dass der SED-Staat letztlich nach 40 Jahren implodierte, lag vor allem an dem immer stärker werdenden Druck der DDR-Opposition. Die Stasi konnte zum Schluss den Deckel nicht mehr draufhalten. Mutige DDR-Bürger wie die Malerin Bärbel Bohley gründeten das Neue Forum und trugen den Protest auf die Straße. Es gab im sozialistischen Herrschaftsstaat viele Widerstandsgruppen – vor allem in der Friedens- und Umweltbewegung unter dem Dach der Kirche.

Tom Sello, Berlins Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, fordert einen Erinnerungsort für diese Bürgerbewegung und DDR-Opposition. Diese Menschen hätten dazu beigetragen, dass das SED-Regime überwunden wurde. Es sei 32 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer höchste Zeit, endlich einen Erinnerungs- und Lernort einzurichten.

„Was sich Anfang 1989 in einer steigenden Zahl von Ausreiseanträgen ausdrückte, entwickelte sich im Laufe des Jahres zu einer regelrechten Fluchtwelle. Der Mut vieler Einzelner ebnete den Weg für den 9. November 1989“, so Sello. Die 1990 von der Bürgerbewegung Neues Forum als politischer Bildungsverein gegründete Robert-Havemann-Gesellschaft plant ein „Forum Opposition und Widerstand (1945-1990)“. Sie hat ein umfangreiches Archiv der DDR-Opposition. Der Erinnerungsort soll auf dem Campus für Demokratie in Lichtenberg entstehen. Bund und Land sollten jetzt endlich die Realisierung im Rahmen des Gedenkstättenkonzeptes des Bundes ermöglichen.

Brauchen wir einen Ort der Erinnerung an die DDR-Opposition?
Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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