Gedanken zur Entwicklung des Gartendenkmals Luisenstädtischer Kanal
Einschätzungen zur Situation und künftigen Entwicklung aus Sicht eines Anwohners

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Aufbauend auf meinen vorangegangenen Artikeln zum Thema Luisenstädtischer Kanal / Engelbecken / Michaelkirchplatz hier bei der Berliner Woche und dem kürzlich bei der Berliner Woche erschienen Bericht über die Gutachten zum Engelbecken im Umwelt, Natur, Verkehr und Grünflächen der BVV Mitte möchte ich ein paar Gedanken vorstellen, die sich mit der Situation insgesamt beschäftigen. 

Seit ca. 2017 bin ich jetzt Themen der Luisenstadt, dem Luisenstädtischen Kanal und als sein Teilbereich, dem Engelbecken u.a. beschäftigt. Das als "Alleinkämpfer". Zusätzlich gibt es meine Gruppe "Die Berliner Luisenstadt" bei Facebook.

Den am 26.01.2021 vorgestellten Gutachten über die Situation im Engelbecken (Wasser) geht eine Reihe von Anfragen von Fraktionen der BVV an das Bezirksamt voraus, zahlreiche eigene Korrespondenz von Bürgern u.s.w. Das ist gut auf der Webseite des Bezirksamtes Mitte - Bezirksverordnetenversammlung - nachvollziehbar und kann dort eingesehen werden. 

Das Engelbecken, wie auch der gesamte Luisenstädtische Kanal und der Michaelkirchplatz wurden für viel Geld denkmalgerecht saniert. Doch es schlug die notorisch leere Kasse zu. Pflege, Reparaturen und dergleichen kamen viel zu kurz. Der exzessive Trend in dieser Stadt, alles zu tolerieren, kaum Fehlverhalten zu ahnden und sehr viele Anwohner und sonstige Besucher, die meinten, sie könnten sich alles erlauben, führte zum jetzigen Zustand. Hinzukommt, dass ein Nutzungskonzept für den gesamten Luisenstädtischen Kanal fehlt. Damit generiert der Kanal nur Kosten, jedoch keine Erträge. Ein Profitcenter wird er nie werden. Doch wäre über Einnahmen sicher einiges finanzierbar. Ebenso würde die Attraktivität gesteigert werden. 

Wer die Berichterstattung verfolgt, findet jedes Jahr ein paar offene Briefe von Bürgern oder Vereinen, die über die Situation dort geklagt haben, Maßnahmen forderten. Erst in den letzten Jahren ist m.E. - auch durch die Einbeziehung von Fraktionen wie die der Linken, der FDP und den Piraten - mehr Bewegung in die Sache gekommen. Der Druck wurde schlicht erhöht, die Schäden unübersehbar.

Es läßt sich trefflich über die Fehler der Vergangenheit reden und grübeln, doch bringt das keine Lösung der Probleme.

Ich möchte es noch einmal betonen: Wir haben bei dem gesamten Gartendenkmal nicht nur ein Problem mit dem Wasser im Engelbecken. M.e. muß das komplette Gartendenkmal insgesamt betrachtet werden. Einer der Gründe, warum z.B. ein Vorschlag (auch in der BVV Mitte) von der ehemaligen Gruppe der Piraten eingebracht wurde, einen Runden Tisch Luisenstädtischer Kanal einzurichten. Wie auch zuvor bei einem gleichen Vorschlag der "Fraktion Die Linke" stehen einige Fraktionen und das Bezirksamt dem eher ablehnend gegenüber.
Ebenso herrscht darüber bei den verschiedensten Akteuren (Anwohner, Engagierte, Vereine etc.) wenig Begeisterung. Das wird im Übrigen die Bürgerbeteiligung sehr erschweren und schlimmstenfalls sehr behindern. Was fehlt ist eine Lösung der Diskrepanzen, der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich alle einigen.
Die Spannweite der Vorstellungen ist sehr breit: Von der Bewahrung des Gartendenkmals bis hin zu einem der Natur überlassenen Anlage reichen diese. Es wird darauf ankommen, ein ausgewogenes Verhältnis zu finden, was die Grünanlage erhalten hilft und sie für die Zukunft bewahrt.

M.e. ist der gesamte Luisenstädtische Kanal als denkmalgeschützte Grünanlage zu erhalten. In Teilen des Luisenstädtischen Kanals braucht es auch mehr Bepflanzung, ich könnte mir im Teilabschnitt zwischen Melchior- und Köpenicker Str. auch sehr gut vorstellen, dort einen Schmetterlingsgarten einzurichten, mehr Blühpflanzen. Vielleicht auch in Kooperation mit Schulen, Kindergärten und Anwohnern, die bei der Pflege und der Bewässerung unterstützen? 

D.h. eine Nutzung für den Breitensport, Radweg, Hundeplatz, Badeanstalt, Naturerfahrung für Erwachsene und Kinder beim Füttern von Wasservögeln, Leinwand für Wandbemalungen, Drogen- und Partyort und dergleichen mehr scheidet aus.

Damit sind wir auch bei den grundsätzlichen Problemen dieser Grünanlage.

Seine Über- und Falschnutzung. Schon auf Grund der Platzverhältnisse kann diese Grünanlage nicht unendlich Nutzungen aufnehmen. Das Engelbecken als stehendes Gewässer (allein Speisung über Regen, Grundwasser) kann nur begrenzte Mengen von tierischen Bewohnern verkraften. Hier muß das biologische Gleichgewicht wieder hergestellt werden.

Dazu wird es Maßnahmen benötigen, die für viel Frustration sorgen werden. Eine Durchsetzung des Fütterungsverbotes für Wasservögel, die Durchsetzung des Leinenzwanges und Kotbeseitigungspflicht, Ahndung von Müllablagerungen, konsequente Beseitigung von Müll in der Hauptsaison täglich, eines nächtlichen Verschlusses der gesamten Anlage, Abstellung der Benutzung mit Fahrrädern u.a. Fahrzeugen (die ebenfalls Schäden am Wasser, den Grün- und Pflanzflächen bzw. dem Mauerbewuchs, (auch durch Einwurf in das Wasserbecken)) und Wegen hinterlassen sowie die Besucher gefährden sowie eine Sperrung des Grünstreifens zwischen Hecke und Beckenrand am Engelbecken für Besucher. Hinzukommen die Beseitigung der Schmierereien an den Wänden des Beckens, eine bessere Besucherinformation zu den "Regeln" in der Grünanlage und Neupflanzungen von Efeu, wilden Wein an den Außenmauern. An der Waldemarbrücke sollte die Ein- und Ausfahrt von Fahrzeugen (z.B. Fahrrädern) durch technische Lösungen zumindest erschwert werden, ebenso der Transport von Müll und ähnlichem. Vieles weht aus Kreuzberg rüber. Durch "Aufklärung" mittels Flyern, Informationstagen u.ä. sollte eine Bewusstseinsänderung befördert werden. 

Das ist zumindest meine Einschätzung. Das verlangt eine häufige Bestreifung durch Ordnungsamt und Polizei. Jetzt bekommen wir zumindest erstmal Parkläufer, die hoffentlich ein paar Probleme angehen können und reduzieren helfen. Sehr erfreulich, dass sowohl der Ausschuss für Natur, Umwelt etc. der BVV Mitte den Antrag der Fraktion der FDP nach Änderungen durch andere Fraktionen zu einem besseren Schutz des Engelbeckens zugestimmt haben. Es wird notwendig sein, diesen Schutz auch auf den gesamten Luisenstädtischen Kanal Mitte und den Michaelkirchplatz zukünftig auszuweiten. 

Es braucht auch an mehreren Stellen der gesamten Grünanlage WCs, damit endlich diese Wildpinkelei aufhört, z.B. Höhe Melchiorstr, am Michaelkirchplatz und am Engelbecken (z.B.) Höhe Waldemarbrücke. Ebenso wird m.E. ein Nutzungskonzept benötigt. D.h. Etablierung von Ausstellungen (wie auf dem Michaelkirchplatz), vielleicht kleinen Konzerten. Bei Großveranstaltungen, wie dem Myfest und dem Fest der Linken in Kreuzberg hoffe ich auf mehr Schutz des Luisenstädtischen Kanals durch Ordnungskräfte. Wie kann es sein, dass eine Anwohnerin dort über Jahre ihren Geburtstag jedes Jahr feiert und eine Spur der Verwüstung hinterlässt? Hunderte dort ihren Müll hinterlassen und in jede Ecke urinieren?

Der Erhalt dieses Gartendenkmals ist nicht nur die Aufgabe des Bezirksamtes sowie der Denkmalpflege oder einzelner. Es kann jeder Besucher dazu beitragen, diese Grünanlage - wie auch alle anderen - durch sein persönliches Verhalten, die Respektierung der Regeln des Grünanlagengesetzes und allgemeiner Verhaltensregeln - wieder gesunden zu lassen. 

Packen wir es gemeinsam an.

Autor:

Jörg Simon aus Mitte

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