"Ich kann mich auch über kleine Erfolge freuen"
Interview mit der unermüdlichen Moabiter Kiezheldin Susanne Torka

Susanne Torka ist viel in Moabit unterwegs, um sich für die Belange ihres Kizes einzusetzen.
  • Susanne Torka ist viel in Moabit unterwegs, um sich für die Belange ihres Kizes einzusetzen.
  • Foto: KEN
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Man trifft sie auf nahezu jeder wichtigen Veranstaltung in Moabit. Seit 33 Jahren engagiert sich Susanne Torka leidenschaftlich in und für ihren Kiez und insbesondere für die Gegend rund um die Lehrter Straße. Wer ist diese in Heidelberg aufgewachsene Frau, die stets gut gelaunt auftritt und in Bezug auf lokalpolitische Themen ein wandelndes Lexikon ist? Berliner-Woche-Reporterin Karen Eva Noetzel sprach mit ihr.

Seit wann engagieren Sie sich überhaupt?

Susanne Torka: Mein Engagement in der Lehrter Straße begann 1985 mit einem privat organisierten Straßenfest. Gemeinsam mit Freundinnen, die alle kleine Kinder hatten, war ich für Kinderaktivitäten zuständig und habe eine große Malaktion auf alten Tapeten mit angerührten Farbpigmenten angeboten. Das gab eine ganz schöne Sauerei! Ein paar Jahre später wurde der Verein „Für eine billige Prachtstraße – Lehrter Straße“ gegründet, der Betroffenenrat Lehrter Straße (Vertretung von Mietern und Gewerbetreibenden; Anm.d.Red.) gewählt und der B-Laden (Stadtteilzentrum; Anm.d.Red.) eingerichtet. Seitdem bin ich dabei.

Was motiviert Sie, sich über Jahre für den Kiez einzusetzen?

Susanne Torka: Es macht mir einfach Spaß, vielleicht deshalb, weil ich eher ein optimistischer Mensch bin und mich auch über kleine Erfolge freuen kann.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Ihrem bürgerschaftlichen Engagement?

Susanne Torka: Am Anfang ging es bei mir nur um die Lehrter Straße, die Sanierung der Häuser, den Bau des Spielplatzes, zunächst als Selbstbau von Nachbarinnen und Nachbarn, Verkehrsberuhigung und so weiter. Dann habe ich auch bei der Stadtteilzeitung Blickwinkel mitgearbeitet, später beim stadtplan.moabit und, als der 2007 eingestellt wurde, gemeinsam mit anderen die Redaktion von Moabit Online übernommen.

Worum geht es Ihnen bei Ihrem Engagement?

Susanne Torka: Ich möchte dazu beitragen, dass die Forderungen und Bedürfnisse von Anwohnerinnen und Anwohner von der Politik wahrgenommen werden.

Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Susanne Torka: Auf dem völlig aus den Fugen geratenen Immobilienmarkt, Markt in Anführungszeichen. Im Neubaugebiet an der Lehrter Straße konnten wir wenigstens 158 Sozialwohnungen durchsetzen zu einem Zeitpunkt, als der Senat noch keine 30 Prozent festgelegt hatte. Aber bei den vielen kleineren Bauprojekten in Hinterhöfen werden mit wenigen Ausnahmen Wohnungen gebaut, die wir hier nicht brauchen. Denn wer kann schon 16 bis 20 Euro pro Quadratmeter netto-kalt bezahlen.

Sie sind ein Moabiter Urgestein?

Susanne Torka: Ich bin kein „Moabiter Urgestein“, sondern in Hameln geboren. Nach Westberlin bin ich zwischen Weihnachten und Silvester 1974 gezogen, nach Abitur und einer Buchhändlerlehre. Meinen Job ab 2. Januar 1975 hatte ich schon – bei Kiepert am Ernst-Reuter-Platz, aber eine Wohnung zu finden war damals nicht ganz einfach.

Wie kamen Sie nach Moabit?

Susanne Torka: Ein Dreivierteljahr wohnte ich an der Lehrter Straße im Erdgeschoss und zum ersten mal mit Ofen – das Zimmer war nicht warm zu kriegen. Danach habe ich in Charlottenburg in einer WG gewohnt, nah bei der Buchhandlung, in der ich etwa sechs Jahre gearbeitet und mich im Betriebsrat engagiert habe. Dann habe ich mich entschlossen, Landschaftsplanung an der TU zu studieren und bin 1981 wieder an die Lehrter Straße gezogen. Im gleichen Haus wohne ich bis heute, aber ich bin schon fünfmal innerhalb des Hauses umgezogen.

Während des Studiums habe ich mein erstes Kind bekommen und nach einigen kleinen Jobs bin ich Anfang der neunziger Jahre beim Moabiter Ratschlag als Honorarkraft in der Bürgerbeteiligung eingestiegen. Ich habe noch zwei weitere Kinder bekommen und immer nur Teilzeit gearbeitet.

Was glauben Sie: Wie sieht Moabit in 20 Jahren aus?

Susanne Torka: Ehrlich gesagt befürchte ich, dass sich die Verdrängung von Geringverdienern und Menschen, die auf Jobcenter und Grundsicherung angewiesen sind, an den Rand der Stadt kaum aufhalten lässt, wenn nicht die Renditen von Grundstücks- und Immobilienbesitzern radikal beschnitten werden. Und das gelingt nicht mit ein paar mehr Milieuschutzgebieten oder ähnlichem. Trotz einem Jahr Leerstand nach der Zwangsräumung der Berlichingenstraße 12 wurden die Besetzerinnen und Besetzer geräumt.

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