Der Kältebus hat Verstärkung
Rollende Ambulanz bringt Obdachlose nachts in Notunterkünfte und ist mobiles Sprechzimmer

Im Ambulanz-Bus der Berliner Stadtmission können Patienten von der Straße von Ärzten und Krankenpflegern medizinisch versorgt werden.
  • Im Ambulanz-Bus der Berliner Stadtmission können Patienten von der Straße von Ärzten und Krankenpflegern medizinisch versorgt werden.
  • Foto: Berliner Stadtmission
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Der Kältebus der Berliner Stadtmission hat einen „großen Bruder“ bekommen. Der neue Ambulanz-Bus der evangelischen Hilfsorganisation ist seit 1. November mit den bereits vorhandenen drei Kältebussen auf nächtlicher Hilfe-Tour zu den Obdachlosen der Stadt.

Ihr Auftrag ist es, in der Zeit zwischen 21 und 3 Uhr Menschen aufzusuchen, die draußen schlafen müssen. Der Bus bringt sie in eine Notübernachtung, damit sie nicht Gefahr laufen, den Kältetod zu sterben. In der Notübernachtung erhalten die Betroffenen zudem eine warme Mahlzeit. Wer in den Kältebus nicht einsteigen möchte, bekommt heißen Tee oder Kaffee und – wenn nötig – auch einen Schlafsack.

Die Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße verfügt aktuell über 327 Schlafplätze. Das sind 60 Plätze mehr als in der vergangenen Kältehilfesaison. So muss derzeit niemand in Schlafsäcken auf Isomatten nächtigen. Grund zum Zurücklehnen gibt es nicht. Wie die Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg, Barbara Eschen, festhält, stünden in diesem Winter insgesamt 1157 Plätze der Berliner Kältehilfe zur Verfügung. „Die Wohnraumsituation ist ähnlich katastrophal wie vor 30 Jahren, als die Kältehilfe begann“, sagt Eschen.

Rollstuhlfahrer kommen über Rampe in den Bus

Die Anschaffung des geräumigen Spezialfahrzeugs mit einem Schrank voller Medikamente, Geräten und Verbandsmaterial sowie einem kleinen Waschbecken mit fließend warmem Wasser wurde von der Conrad-Stiftung mit 87 000 Euro unterstützt. Die rollende Ambulanz ist größer als der herkömmliche Kältebus. „Außerdem ist der Ambulanz-Kältebus barrierefrei zugänglich“, erläutert Ulrich Neugebauer, Leiter der Kältehilfe bei der Berliner Stadtmission. Erstmals könnten Rollstuhlfahrer über eine Rampe in den Bus fahren. Dort könnten sie versorgt und transportiert werden.

Der große Ambulanz-Bus hat noch eine weitere Aufgabe. Einmal wöchentlich ist er eine mobile Arztpraxis. Arzt, Krankenschwester, Dolmetscher und Fahrer erreichen ihre Patienten auf der Straße, ohne sich wie bisher in einen engen Bus quetschen zu müssen.

„Wir sind sehr froh über dieses Fahrzeug, weil es unsere Arbeit auf der Straße enorm erleichtert”, sagt Svetlana Krasovski-Nikiforova. Sie leitet die Ambulanz der Stadtmission in Moabit. In der medizinischen Versorgungseinrichtung erhalten Menschen Hilfe, die nicht krankenversichert sind. „Mit der neuen Straßen-Ambulanz können wir unseren Patienten endlich menschenwürdige Bedingungen bieten“, so Krasovski-Nikiforova weiter.

Die Berliner Stadtmission bittet Passanten, die nachts Menschen auf der Straße schlafen sehen, diese anzusprechen und ihnen anzubieten, den Kältebus zu rufen: 0178 523 58 38.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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