Chancen und Risiken für den Einzelhandel in der Turmstraße

Georg Thieme vom Büro für Stadt- und Regionalentwicklung „die raumplaner“ setzt auf engagierte Gewerbetreibende.
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Moabit. Was wäre Berlin ohne lebendige Einkaufsstraßen und attraktive Geschäfte? Doch der Wandel im Handel hinterlässt Spuren. Damit der lokale Einzelhandel eine Zukunft hat, engagieren sich viele Akteure. Was zum Beispiel das Geschäftsstraßenmanagement Turmstraße tut, stellt die Berliner Woche im Rahmen der Aktion „Das geht uns alle an!“ vor.

Die Turmstraße war einmal eine florierende Einkaufsstraße. In den 60er- und 70er-Jahren ließ sich dort so gut wie auf dem Kurfürstendamm einkaufen. Seit Ende der 90er-Jahre ging es aber stetig bergab.

Warum das so war und wie die Moabiter Magistrale wieder zu ihrem alten Glanz zurückfinden könnte, weiß Georg Thieme vom Büro für Stadt- und Regionalentwicklung „die raumplaner“. Das Team ist im Rahmen des Bund-Länder-Förderprogramms „Aktive Zentren“ vom Bezirk Mitte mit dem Geschäftsstraßenmanagement in der Turmstraße und einigen angrenzenden Straßen beauftragt.

Der Abwärtstrend um die Jahrtausendwende in der Turmstraße habe zu einer Ausdünnung des Einzelhandels geführt, sagt Thieme. Zu finden seien nur noch überwiegend Geschäfte der Nahversorgung sowie Fastfoodrestaurants. Der Stadtgeograph spricht von einer „Gastronomisierung“ der Gegend. „Das ist aber kein lokales Phänomen“, so Georg Thieme, „sondern überall in der Stadt zu finden. Der Einzelhandel ist in einem steten Wandel.“ So haben sich die Geschäftsmodelle der Gewerbetreibenden geändert, beispielsweise weg vom Fachgeschäft mit Spezialsortiment hin zum Fachmarkt mit breitem Warenangebot.

„Knackpunkt ist das Kaufverhalten der Konsumenten“, sagt der Raumplaner-Mitarbeiter, wobei nicht klar ist, wer sich nach wem richtet: der Handel nach den Wünschen der Käufer oder der Verbraucher nach dem Angebot. Georg Thieme nennt es eine Huhn-Ei-Debatte. Mit die U-Bahnlinie 9 führen die Moabiter beispielsweise in die City West und in die Steglitzer Schloßstraße. So wandere die ohnehin unterdurchschnittliche Kaufkraft aus Moabit ab.

Fest steht auch, der Online-Handel ist eine wachsende Konkurrenz für den Einzelhandel vor Ort, insbesondere bei Elektro-Artikeln, Schuhen und Bekleidung. Die andere Herausforderung sind die riesigen Einkaufszentren. In keiner anderen deutschen Großstadt gebe es so viele Center wie in Berlin, sagt Georg Thieme. 2015 waren es mehr als 60. Die Einkaufszentren verursachten eine hohe Konkurrenz auch zwischen den Berliner Stadtteilen.

Zur „entscheidenden Sache“ für Moabit werde das „Schultheiss-Quartier“, für das unlängst der Grundstein gelegt worden ist. Trotz des künftig dort gebotenen „Allerweltsbreis“ könnte das neue Einkaufszentrum Lücken decken. „Die Sortimente im Schultheiss-Quartier gibt es auf der Turmstraße kaum.“ Und vielleicht ziehen die „Schultheiss-Kunden“ weiter und „entdecken die vielen manchmal etwas versteckten, meist liebevoll inhabergeführten Fachgeschäfte und Gastronomien“.

Und was kann ein Geschäftsstraßenmanagement bewirken, um den Trend in der Turmstraße umzukehren? Neben städtebaulichen Veränderungen wie der Verschönerung von Grünanlagen, Straßen und Plätzen und der Sanierung bedeutender Einzelbauten wie der Arminiusmarkthalle, der Heilandskirche oder des Brüder-Grimm-Hauses gehe es darum, die Attraktivität der Straße in erster Linie gemeinsam mit lokalen Akteuren zu steigern, sagt der Experte. Dazu wird das Netzwerk „Turmstraßen-Initiative Moabit“ mit engagierten Gewerbetreibenden aufgebaut und Aktionen wie das Moabiter Kiezfest organisiert. Bei der Schaffung eines chancenreichen Branchenmixes spielen die Hauseigentümer eine wichtige Rolle. Denn sie bestimmen, wer die Ladenfläche anmietet. „Auf alle Fälle“, so Georg Thieme, „braucht man einen langen Atem.“ KEN

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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