Eine Theaterinstitution seit dem Kaiserreich
Amateurbühne Vineta 1900 zeigt "Das Gespenst von Canterville" in der Neuköllner Oper

Hat nicht viel zu lachen: Das Gespenst von Canterville, verkörpert von Thomas Michutta.
  • Hat nicht viel zu lachen: Das Gespenst von Canterville, verkörpert von Thomas Michutta.
  • Foto: Vineta
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Die alljährlichen Aufführungen der Vineta Amateurbühne stehen ins Haus: Dieses Mal bringt die Truppe „Das Gespenst von Canterville“ auf die Bühne der Neuköllner Oper, Karl-Marx-Straße 131 – ein Spaß, nicht nur für Erwachsene. Premiere ist Sonnabend, 9. März.

„Die Kinder sollten nicht jünger als acht Jahre sein, denn manchmal wird’s schon etwas gruselig, mit viel Rabatz und Rauch“, sagt Regisseur Ulrich Schlottau. Damit alles wie am Schnürchen läuft, sind die Proben unterm Dach der Neuköllner Oper in vollem Gange. Hier hat die Bühne seit vielen Jahren feste Räume, samt Teeküche und kleinem Kostümfundus.

Dass die Wahl auf Oscar Wildes Werk aus dem Jahr 1887 fiel, ist zum großen Teil dem Gespenst-Darsteller Thomas Michutta zu verdanken. „Als Anfänger, vor mehr als 20 Jahren, habe ich es schon mal gespielt, das wollte ich unbedingt wiederholen“, erzählt er.

Leo-Stretch trifft auf Rüschenhemd

Zum Inhalt: Eine amerikanische Familie zieht ins englische Schloss Canterville. Das Gespenst, Sir Simon, ist begeistert. Endlich kann er wieder Bewohner zu Tode erschrecken. Doch die Ankömmlinge sind völlig unbeeindruckt von seinen Spukereien – zur großen Empörung der britischen Schlossbediensteten und zum Entsetzen des gedemütigten Geistes. Die frechen Zwillinge der Familie drehen sogar den Spieß um und spielen Sir Simon böse Streiche. Es sähe übel für ihn aus, wäre da nicht die junge Virginia, die dem depressiven Gespenst zur Seite steht.

Die Schauspielerin und Regisseurin Susanne Lietzow hat das Stück in eine moderne Fassung gebracht, sodass auch die Kinder dem turbulenten Geschehen leicht folgen können. Tänzelt die überdrehte amerikanische Hausfrau schon mal mit einem Leoparden-Stretchanzug über die Bühne, hat sich jedoch für den Geist in Sachen Kostümierung wenig geändert – schließlich spukt er seit hunderten von Jahren im Schloss. So wandet sich Thomas Michutta stilecht in samtene Kniebundhosen und Rüschenhemd. Sogar einen Spitzbart hat er sich wachsen lassen. „Ich musste aber meiner Frau versprechen, dass er nach den Aufführungen wieder verschwindet“, sagt er ein wenig bedauernd.

Auch die anderen Darsteller, insgesamt 13, sind mit Begeisterung bei der Sache – und sie spielen gut. „Wir sind zwar Amateure, aber keine Laien“, bekräftigt Ulrich Schlottau. Sie treffen sich zweimal in der Woche am Abend und proben konzentriert zwei bis drei Stunden lang. Mit dabei sind auch Experten für Licht und Ton, Kostüm, Maske und ein Souffleur. Eine bunt gemischte Schar, von der Schülerin bis zum Rentner, von der Sekretärin über den Schornsteinfeger bis zum Erzieher.

Theater seit 1900

Die Geschichte der Theatertruppe reicht weit zurück. Sie gründete sich am 11. Januar 1900 am Vinetaplatz in Wedding und ist damit einer der ältesten Vereine der Stadt. „Damals firmierte Vineta noch als Theater- und Vergnügungsverein, reines Theater war dem Kaiser suspekt“, erklärt Schlottau. In den 1920er-Jahren gab es sogar ein eigenes Orchester. In der Nazizeit war der Verein dann verboten. 1965 gründete er sich als „Amateurbühne“ neu und war viel in öffentlichen Einrichtungen unterwegs, bis dann Mitte der Achtziger eine Heimat in der Neuköllner Oper gefunden wurde.

Seitdem gibt es dort jedes Frühjahr ein Stück zu erleben. Ab und zu produziert die Bühne darüber hinaus ein reines Kinderstück und seit rund sechs Jahren stehen auch Live-Hörspiele auf dem Programm. Momentan hat der Verein rund 24 Mitglieder, weitere sind willkommen.

Premiere des Stückes ist Sonnabend, 9. März, um 19 Uhr. Die weiteren Aufführungen am Sonnabend und Sonntag (10. März, 16./17. März, 23./24. März) beginnen um 16 Uhr. Der Eintritt zur Premiere kostet 15 Euro, ansonsten zwölf, und für Kinder unter 15 Jahren acht Euro.

Etwas Besonderes gibt es Freitag, 22. März, um 19 Uhr zu sehen: Dann ist Ladies’ Day, erstmals erprobt zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und seitdem ein großer Erfolg. Für Frauen gibt es ein Glas Sekt gratis, der Eintritt beträgt zehn, für Kinder sechs Euro. Auch Männer sind erlaubt, sie müssen für ihr Getränk jedoch zahlen.

Tickets können unter 686 77 85 und info@vineta-buehne.de bestellt werden.

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