Winzige Baumeister - Gespinstmotten überziehen Bäume und Sträucher

Bei diesem Anblick bleiben viele Spaziergänger in der Hasenheide stehen.
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Neukölln. Auf den ersten Blick glaubt der Betrachter an das Werk von unzähligen Spinnen: In der Hasenheide und anderen Grünanlagen sind einige Sträucher und Bäume mit dichten Netzen überzogen. Aber nicht Spinnen, sondern Spindelstrauch-Gespinstmotten sind für das Phänomen verantwortlich.

Darüber informierte Bürgermeisterin Franzsika Giffey (SPD) kürzlich. Damit reagierte sie auf Anfragen von Neuköllnern, die sich über die seltsamen Gebilde gewundert haben. Und sie kann Entwarnung geben: Bei den winzigen Baumeistern handelt es sich nicht, wie von einigen vermutet, um Eichenprozessionsspinner. Die sind zu Recht gefürchtet, weil ihre Brennhaare ein Eiweißgift enthalten und bei Menschen eine starke Hautallergie, eine Raupendermatitis, auslösen können.
Die Spindelstrauch- oder Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella) ist dagegen ein harmloser und sehr kleiner Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von maximal zweieinhalb Millimetern. Die Weibchen legen ihre Eier in Gruppen von 50 bis 100 Stück in Spindelsträucher, die auch Pfaffenhütchen genannt werden, manchmal auch an Zweige von Weißdorn, Traubenkirsche, Schlehe und Esche. Dort überwintern sie.
Im Frühjahr beginnen die winzigen Raupen dann, Gänge durch die frischen Blätter zu fressen, sie zu „minieren“. Sie leben gesellig in den in weitläufigen feinen Gespinsten, die oft die ganze Pflanze überziehen und entblättern. Etwa fünf Tage vor dem Verpuppen, das im Juni und Juli stattfindet, hören die Tierchen mit der Nahrungsaufnahme auf. Zwei bis drei Wochen nach dem Verpuppen schlüpfen dann die fertigen Mini-Schmetterlinge.
„Kahlgefressene Gehölze erholen sich meist. In ein paar Wochen sind die Gespinste wieder verschwunden und die Sträucher treiben neue Blätter“, so die Bürgermeisterin. Aus diesem Grund bestehe für das Grünflächenamt auch nicht die Notwendigkeit, irgendetwas gegen die Entwicklung der Falter unternimmt – auch deshalb nicht, weil die Motten und Raupen ein sehr willkommener Leckerbissen für die Vögel sind. sus

Bei diesem Anblick bleiben viele Spaziergänger in der Hasenheide stehen.
Feine Gespinste der kleinen Raupen sind auch in Bäumen zu entdecken. Foto: Schilp
Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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