Ein Zimmer im Hinterhaus: Erinnerung an die jüdische Familie Jedwab aus der Maximilianstraße

Mit diesen vier Stolpersteinen wird jetzt vor dem Haus an der Maximilianstraße 11 an das Schicksal der Familie Jedwab erinnert.
  • Mit diesen vier Stolpersteinen wird jetzt vor dem Haus an der Maximilianstraße 11 an das Schicksal der Familie Jedwab erinnert.
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Pankow. Vor dem Haus an der Maximilianstraße 11 sind vier Stolpersteine für Mitglieder der Familie Jedwab verlegt worden. Die Mitglieder der Familie Jedwab wurden im Rahmen der sogenannten „Polenaktion“ im Oktober 1938 von den Nazis nach Polen deportiert.

„Aus diesem Grund kooperierten wir auch mit einer Studentengruppe des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin“, berichtet Gerhard Hochhuth von der Pankower Stolpersteingruppe. „Dort wird gerade eine Ausstellung zu diesem Thema vorbereitet.“

Die Stolpersteine erinnern an Simon, Cywia, Jacob und Josef Jedwab. Die Familie stammte aus dem Gebiet Russlands, das nach dem Ersten Weltkrieg polnisch wurde. Vater Simon und seine Frau Malka wurden in den 1860er Jahren in Kalisz geboren. Kurz nach ihrer Hochzeit zog die Familie nach Lodz um. Sie hatten drei Kinder: Betty, Jakob und Josef. 1912 zog die Familie mit der kleinen Tochter Betty nach Berlin. Ihre älteren Söhne Jakob und Josef folgten kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs.

Mittelpunkt der Familie

Simon Jedwab wurde im Berliner Adressbuch als Bewohner von Pankow erstmals 1915 erwähnt. Er stellte im Jahr 1922 für sich und seine Familie einen Antrag auf Einbürgerung. Dieser Antrag wurde zwei Monate später abgelehnt, da Zeitdauer des Aufenthaltes in Deutschland und Sprachkenntnisse als nicht ausreichend bewertet wurden.

Nachdem der älteste Sohn Jakob 1919 seine Ehefrau Cywia (geborene Grün) geheiratet hatte und 1920 ihre Tochter Chana geboren wurde, zog die junge Familie in die Maximilianstraße 11. Dort war Jakob seit 1922 im Berliner Adressbuch als Kaufmann verzeichnet. 1926 wurde dort auch Sohn David geboren.

Es war nur eine bescheidene Ein-Zimmer-Wohnung im 1. Stock im Hinterhauses, in der die Familie lebte. Sie wurde im Laufe der Jahre zum Mittelpunkt der ganzen Familie – umso mehr, nachdem 1930 Simons Frau Malka gestorben war. Der Vater musste seine Wohnung aufgeben und zog auch in die Maximilianstraße.

Josef, der ebenfalls als Kaufmann tätig war, hatte von Anfang an nicht mehr bei den Eltern, sondern zur Untermiete gewohnt. Auch Betty war von Zuhause ausgezogen. Aber alle kamen regelmäßig in der Maximilianstraße 11 zusammen. Hier spielten Chana und David mit den Nachbarskindern, besuchten die Grundschule in der Schulstraße und regelmäßig Veranstaltungen in der nahe gelegenen Synagoge in der Mühlenstraße. Bis zum Oktober 1938.

Tod im Ghetto

Dann wurden die erwachsenen Männer Simon, Jakob und Josef Jedwab von den Nazis nach Polen abgeschoben. Die Frauen und Kinder blieben zunächst unbehelligt. So konnte Cywia erst einmal mit ihren beiden Kindern in der Wohnung in der Maximilianstraße bleiben. Sie setzte nun alles daran, Chana und David nach England in Sicherheit zu bringen. Durch Vermittlung eines Verwandten gelang dies. Betty, die jüngere Schwester von Jakob und Josef, hatte indes geheiratet und konnte noch rechtzeitig nach Palästina emigrieren.

Cywia folgte im Juni 1939 den drei Männern nach Lodz. Simon starb kurz nach dem deutschen Angriff auf Polen. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Cywia und Jakob lebten unter schrecklichen Bedingungen im Ghetto Lodz. Dort sind Cywia 1943 und Jakob 1944 zu Tode gekommen. Näheres ist nicht bekannt. Josef Jedwab wurde vermutlich nach Frankreich deportiert. Über sein Schicksal konnte bisher nichts Näheres herausgefunden werden. BW

Mehr zur Stolpersteingruppe Pankow, die sich einmal im Monat im Stadtteilzentrum an der Schönholzer Straße 10 trifft, ist unter  46 72 51 67 zu erfahren.
Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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