Abriss des Jahn-Stadions verschoben
Koalitionsparteien handeln Kompromiss aus

Das Cantian-Stadion ist marode und hat technische Mängel. Es soll für 195 Millionen Euro abgerissen und neu gebaut werden.
  • Das Cantian-Stadion ist marode und hat technische Mängel. Es soll für 195 Millionen Euro abgerissen und neu gebaut werden.
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Das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion hat eine Gnadenfrist bekommen. Der für Jahresende angekündigte Abriss der Arena wurde verschoben. Damit sind auch die Neubaupläne der Senatsverwaltung für Sport erstmal auf Eis gelegt.

Das Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark bleibt, zumindest vorerst. Abriss und Neubau wurden verschoben, erst sollen Planer und Architekten ran. Grund für die Gnadenfrist ist ein Kompromiss, den die Koalitionsparteien SPD, Die Linke und Grüne mit dem Berliner Senat ausgehandelt haben.

Wie berichtet, soll der Jahnsportpark unweit des Mauerparks zu einem Vorzeige-Inklusionssportpark werden. Etliche Vereine unterstützen das Projekt, für das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Mitte November die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen hat. Und auch die Pankower Bezirksverordneten hatten sich bereits mehrheitlich für den Abriss des maroden, aber traditionsreichen Stadions ausgesprochen. Ende 2020, Anfang 2021 sollten die Bagger kommen, so der Plan.

Erst planen, dann bauen

Doch nun kommen sie erstmal nicht. Was Kritiker wie der Pankower Abgeordnete Andreas Otto (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßen. Bei der Umgestaltung des Jahn-Sportparks gelte nun der Grundsatz, erst planen, dann bauen, teilt der Politiker auf seiner Website mit. Zusammen mit der Bürgerinitiative (BI) Jahnsportpark hatte sich Otto frühzeitig für ein städtebauliches Werkstattverfahren mit Planungsbüros, Architekten und Städtebauern eingesetzt. Das soll nun mit Beginn des Jahres 2021 kommen und klären, ob man das alte Jahn-Stadion teilweise oder doch komplett erhalten kann oder die Arena durch einen Neubau ersetzt wird. Die Ergebnisse des Werkstattverfahrens sollten bis zum dritten Quartal 2021 vorliegen, fordert der Abgeordnete. Die Planreife werde dann für Ende 2022 angestrebt, danach sei der Bau des neuen Stadions möglich. Bis es soweit ist, sollten die Vereine das alte Cantian-Stadion so lange wie möglich für ihren Spiel- und Wettkampfbetrieb weiternutzen können.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark wiederum sieht in dem Kompromiss ihre wesentlichen Forderungen erfüllt. Senat und Abgeordnete der Regierungskoalition hätten damit die Grundlage „für ein zielgerichtetes, rechtssicheres und wirtschaftliches Vorgehen bei der Planung eines inklusiven Jahnsportparks“ geschaffen. Es bleibe aber die Frage, warum es einer Bürgerinitiative und über 5000 Unterschriften engagierter Bürger bedurfte, um die Landesregierung zu einem geordneten Verfahren zu bewegen. „Schön zu sehen, dass die hartnäckige Initiative von Bürgern politisch etwas bewegen konnte“, sagt BI-Sprecherin Nina Weniger. „Der nun gefundene Kompromiss berücksichtigt die unterschiedlichen Interessen und bietet eine gute Basis für den weiteren Prozess.“ Nun bleibe zu hoffen, dass dieser gemeinsame Erfolg für die Senatsverwaltung Ansporn sein werde, mit den Bürgern in einen Dialog auf Augenhöhe zu treten.

CDU will keine Bauruine

Die Berliner CDU-Fraktion will dagegen keine "Stadionruine" in der Innenstadt. „Wir erleben einen katastrophalen Planungsprozess“, kritisiert ihr sportpolitischer Sprecher Stephan Standfuß. „Entgegen fester Zusagen der Senatssportverwaltung soll nun erst 2022 der Abriss des Jahn-Sportparks beginnen. Ob es dann auch wirklich dazu kommt, bleibt sehr vage. Eine marode Stadionruine ohne Betriebserlaubnis aber kann niemand ernsthaft wollen.“ Seine Fraktion werde daher Druck machen und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) an sein Versprechen erinnern, zügig abzureißen. Denn: „Die Sportvereine leiden stark unter der Corona-Pandemie, die zeitnahe Verwirklichung des Leuchtturmprojekts ‚moderner, inklusiver Jahn-Sportpark‘ wäre ein positiver Lichtblick.“ Und Stephan Lenz, CDU-Wahlkreisabgeordneter aus Pankow, fordert schnellstmöglich einen neuen und verlässlichen Zeitplan für das Vorhaben – mit Beteiligung der Anwohner. „Über Detailfragen wie die Flutlichtanlagen oder die Hinterlandmauer muss gesprochen werden. Doch das kann parallel zur Vorbereitung des Abrisses stehen und darf nicht die gesamten Planungen auf Eis legen.“

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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